Hamburg & Schleswig-HolsteinGräber aus Völkerwanderungszeit auf Föhr entdeckt

Neun neu entdeckte Körpergräber aus dem 5. bis 7. Jahrhundert geben überraschende Einblicke in die bislang kaum bekannte Geschichte Föhrs.
Föhr (dpa/lno) - Unter einem geplanten Wohngebiet auf Föhr haben Archäologen überraschend neun Körpergräber aus dem 5. bis 7. Jahrhundert entdeckt. "Für die nordfriesischen Inseln ist das eine außergewöhnliche Entdeckung - bislang waren aus dieser Zeit keine Körpergräber bekannt", sagte eine Sprecherin des Archäologischen Landesamts. Die Gräber seien teilweise reich ausgestattet, einige organische Materialien seien überraschend gut erhalten. Sie stammten aus der Völkerwanderungszeit.
Zu den gefundenen Beigaben gehören Fibeln, Messer und Glasperlen. Auch organische Materialien wie Textilien, Leder, Holz und Geweih haben sich teilweise erhalten, von den Menschen dagegen kaum Knochen. Die Lage und Form der Bestattungen lassen sich den Angaben zufolge jedoch anhand sogenannter Leichenschatten nachvollziehen - Spuren, die die vergangenen Körper im Boden hinterlassen haben.
Rund 200 Funde
Seit Mitte August haben Experten auf dem Areal des Wohngebietes Krummwundt in Wrixum eine 6.700 Quadratmeter große Fläche untersucht und dabei insgesamt rund 200 Funde gemacht. Neben drei Gebäudegrundrissen wurden ein Sodenbrunnen, zahlreiche Gruben mit teilweise vollständig erhaltenen Keramikgefäßen, ein Ofen und insgesamt fünf Urnen gefunden. Die meisten Funde stammen aus der Römischen Kaiserzeit aus dem 2. und 3. Jahrhundert.
Bereits bei einer Voruntersuchung im September 2024 waren Hinweise auf eine Siedlung entdeckt worden. Laut Landesamt werfen die Funde neue Fragen zur Geschichte Föhrs in einer Zeit auf, über die bislang nur wenig bekannt sei. Die Experten wissen noch nicht, wer an dieser Stelle bestattet wurde und in welcher Beziehung die Verstorbenen zu einer nahe gelegenen Siedlung standen.
Erste Beobachtungen ließen Beziehungen in den angelsächsischen Raum vermuten, heißt es vom Landesamt. Ob und wie diese Verbindungen tatsächlich bestanden, müsse die weitere wissenschaftliche Auswertung zeigen.
Bei den Bestattungen überwog in Schleswig-Holstein bereits in der Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit die Brandbestattung, wie das Landesamt mitteilt. Mehr als 15.000 bekannten Kremationen des 1. bis 6. Jahrhunderts stünden lediglich gut 50 Körpergräber von 17 Fundstellen gegenüber. "Die Körpergräber von Wrixum sind deshalb nicht nur für die Geschichte Föhrs von Bedeutung, sondern eröffnen auch neue Fragen zur Bestattungskultur dieser Zeit."