Hamburg & Schleswig-HolsteinZahl der Täuschungsversuche beim Führerschein steigt

Bundesweit versuchen viele Führerschein-Bewerber, sich mit unerlaubter Hilfe Vorteile bei der Theorieprüfung zu verschaffen. In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Fälle leicht rückläufig.
Kiel (dpa/lno) - Bei theoretischen Führerscheinprüfungen sind im Jahr 2025 bundesweit 4.239 Täuschungsversuche registriert worden, ein Prozent mehr als im Vorjahr (4.198 Fälle). Das zeigen neue Erhebungen des Tüv-Verbandes.
In Schleswig-Holstein ist die Zahl dagegen leicht rückläufig. Hier waren es demnach 135 entdeckte Verstöße bei insgesamt 67.327 Theorieprüfungen, das entspricht einer Quote von 0,2 Prozent. Im Jahr 2024 waren es 141 Täuschungsversuche.
Prüfungsbetrug habe sich nach einem starken Anstieg in den Vorjahren auf einem hohen Niveau stabilisiert, sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis und Verkehrssicherheit beim Tüv-Verband. "Gleichzeitig gehen wir von einem großen Dunkelfeld aus, da mutmaßlich nur ein Bruchteil der Täuschungen entdeckt wird." Das habe Konsequenzen für die Verkehrssicherheit.
Oft werden kaum sichtbare Kopfhörer genutzt
Hinter vielen Täuschungsversuchen stünden in zunehmendem Maß organisierte Strukturen. Inzwischen sei mehr als jeder zweite Fall (53 Prozent) professionell organisiert. In 36 Prozent der Fälle würden technische Hilfsmittel wie nahezu unsichtbare Ohrhörer, Mini-Kameras oder andere versteckte Kommunikationstechnik eingesetzt.
In weiteren 17 Prozent der Fälle seien sogenannte Stellvertreter entlarvt worden, die die Prüfung für eine andere Person ablegen wollten. Klassische Spickzettel seien in 44 Prozent der Fälle verwendet worden.
Täuschungsversuche betreffen zu 96 Prozent den Führerschein der Klasse B für Pkw. "Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt", sagt Zaneta. Der Tüv-Verband fordere deshalb wirksame Sanktionen. Organisierte Täuschungsmanöver sollten als Straftatbestand behandelt werden.
Die meisten Täuschungsversuche wurden in Nordrhein-Westfalen registriert – mit 1.378 Fällen bei 463.742 Prüfungen. Im Saarland wurde mit 19 Fällen die geringste Zahl an Täuschungsversuchen erfasst, in Mecklenburg-Vorpommern waren es 23.