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Hamburg & Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein plant staatliches Auszubildendenwerk

17.09.2026, 05:01 Uhr
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Bis zu sieben Millionen Euro jährlich für Azubis: Wie das neue Auszubildendenwerk Wohnraum, Beratung und Starthilfe bieten soll – und warum Handwerk und Wirtschaft dagegen sind.

Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holstein will seine Auszubildenden künftig ähnlich betreuen wie die Studentinnen und Studenten. Wie genau das von Schwarz-Grün geplante Auszubildendenwerk aussehen soll, steht aber noch nicht fest. "Es gibt keine Blaupause", sagt Grünen-Fraktionschef Lasse Petersdotter. Nach seinem Willen soll Schleswig-Holstein das erste Bundesland mit staatlichem Auszubildendenwerk werden.

Das plant die Koalition

Bis zu sieben Millionen Euro Landesmittel jährlich will Schwarz-Grün dafür in den kommenden Jahren bereitstellen. Am Vormittag will sich der Landtag in erster Lesung mit dem Gesetzentwurf der Koalition befassen. Danach soll im Rahmen der Anhörung offen über die konkrete Ausgestaltung des Azubiwerks beraten werden. Der endgültige Beschluss soll noch vor der Landtagswahl am 18. April 2027 fallen.

Das soll es leisten

Der Grundgedanke orientiert sich an der Struktur des Studierendenwerks an Hochschulen, das für die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Betreuung von Studierenden zuständig ist. Als erstes Ziel benennt das Gesetz die Schaffung und Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende. Außerdem sollen die Mitarbeitenden Auszubildende mit Blick auf bereits bestehende Unterstützungsangebote beraten und auch eigene entwickeln wie beispielsweise eine Azubi-Starthilfe oder einen Fonds für Notlagen. Es soll auch psychologische Beratung geben.

Dezentrale Angebote

Doch während Studierende sich rund um vergleichsweise wenige Hochschulstandorte im Land verteilen, gibt es an deutlich mehr Orten Ausbildungsplätze. Der SSW fordert deshalb in einem Änderungsantrag bereits, dass die Angebote des Azubiwerks landesweit zugänglich sein sollen, aber auch regional bedarfsgerecht ausgestaltet werden müssen, weil Wohnungsmärkte, Ausbildungsstrukturen, Mobilitätsanforderungen und bestehende Hilfsangebote in verschiedenen Landesteilen unterschiedlich sind.

Um wie viele Azubis es geht

Nach früheren Angaben der Regionaldirektion für Arbeit hat die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen (16.900) im vergangenen Jahr die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber (14.800) erneut überstiegen. Zum Stichtag Ende Oktober 2025 hatten die Industrie- und Handwerkskammer 8.710 neue Ausbildungsverträge gemeldet und das Handwerk 6.368.

Finanzierung

Neben dem Landeszuschuss von bis zu sieben Millionen Euro beispielsweise für Personal soll sich das Azubiwerk durch Entgelte finanzieren - beispielsweise über Mieteinnahmen aus der Vermietung von Wohnheimplätzen. Es soll aber nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sein.

Kritik

Kritik an den Plänen kommt aber nicht nur aus Teilen der Opposition, sondern vor allem aus der Wirtschaft und dem Handwerk. Die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammer lehnen die Idee ab. Die Pläne gingen an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen in einem Flächenland vorbei. Sie warnen vor kostspieligen Doppelstrukturen.

Bei Umfragen unter knapp 4.000 Auszubildenden aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Handwerk hätten sich 80 Prozent mit ihrer Wohnsituation zufrieden gezeigt. Demnach stünden bei Auszubildenden statt Wohnheimen die eigene Wohnung, Mobilität sowie Fahrt- und Mietkostenzuschüsse im Fokus. Deshalb fordern die Kammern, die veranschlagten Landesmittel ohne bürokratische Reibungsverluste direkt bei den Auszubildenden und in der regionalen Infrastruktur ankommen zu lassen.

Quelle: dpa

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