HessenFalschfahrer-Flugzeug: Wer hat auf dem Rollfeld das Sagen?

Als ein Airbus A321 am Frankfurter Flughafen in die falsche Richtung auf die Startbahn abbiegt, fällt der Fehler schnell auf. Aber wie ist der Weg bis zum Abheben eigentlich geregelt?
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Ein Flugzeug fährt am Frankfurter Flughafen vor dem Abflug in falscher Richtung auf die Startbahn: Was genau am vergangenen Dienstag in Frankfurt schiefgegangenen ist, ist einer Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) zufolge unklar. "Wir müssen die Untersuchungen abwarten", betonte sie. Aber wer regelt auf einem Rollfeld eigentlich was? Und muss man sich ein falsches Auffahren wie einen Falschfahrer auf der Autobahn vorstellen?
Die vier Bahnen am Frankfurter Flughafen
Von Flughafen zu Flughafen gebe es einige Unterschiede, so die DFS-Sprecherin. Der Frankfurter Flughafen etwa hat vier Bahnen. Zwei davon werden sowohl für Starts als auch für Landungen genutzt. Anders sieht es bei den anderen beiden Bahnen aus: Die eine ist eine reine Landebahn, die andere eine reine Startbahn.
Die Maschine am vergangenen Dienstag war in die falsche Richtung auf diese ausschließliche Startbahn gefahren. Anders als auf der Autobahn gibt es dort also keinen Gegenverkehr. Und: "Die Bahnen sind unter ständiger Kontrolle der Fluglotsen", so die DFS-Sprecherin.
DFS und Flughafen: Wer wann den Ton angibt
Auf den verschiedenen Etappen, die ein Flugzeug auf dem Frankfurter Flughafen bis zum Start durchläuft, haben je nach Abschnitt die Fluglotsen der DFS oder die Fraport-Mitarbeiter das Sagen.
Den Anfang machen die DFS-Fluglotsen im Tower, wenn sie dem Flugzeug die Freigabe zum Anlassen der Triebwerke erteilen. Danach übernimmt die sogenannte Vorfeldkontrolle, die zum Flughafen gehört und für den Weg hin zu den Taxiways verantwortlich ist.
Diese Taxiways, also die Rollwege, sind vergleichbar mit einer Autobahnauffahrt: Über sie fahren die Flugzeuge zur Startbahn auf oder von der Landebahn weg. Hier wird es in Frankfurt etwas komplexer: "Diese Taxiways teilen wir uns mit Fraport", erklärte die DFS-Sprecherin.
Tower gibt den Startschuss
Bei der Rampe bleibt das Flugzeug stehen, bis es die Startfreigabe bekommt und losrollen kann. "Die Startfreigabe erteilt immer der Tower", sagte sie. "Das ist der Punkt, wo das Flugzeug kurz stehenbleibt und dann mit großer Geschwindigkeit losfährt. Dort ist es dann schon unter Kontrolle der Fluglotsen."
An welcher Stelle in diesem Prozess vergangene Woche womöglich ein Fehler passiert ist, lässt sich noch nicht sagen. Die DFS hatte am Sonntag bestätigt, dass sie den Vorfall der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) gemeldet habe. Diese werde prüfen, ob eine Untersuchung eingeleitet werde, hieß es aus Braunschweig von der BFU.
Der Flughafenbetreiber Fraport bestätigte, dass es am Dienstag "einen Vorfall" gegeben habe - ohne Hintergründe zu nennen. Bei dem Flugzeug handelte es sich um einen Airbus A321 der türkischen Pegasus Airlines.