HessenFünf Fragen zum Warntag – So ist Hessen aufgestellt

Sirenen, Apps, Cell Broadcast: Der Warntag soll Schwachstellen aufdecken. Wo könnte es noch haken und wie funktioniert eine Warnung in Hessen überhaupt?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Schrillende Smartphones und Sirenengeheul: Am Donnerstag wird es laut. Am bundesweiten Warntag wird auch in Hessen um 11.00 Uhr Alarm ausgelöst – aber nur zur Probe. Warum ist das eigentlich nötig?
Wie ist das Warnsystem in Hessen aufgebaut?
Hessen setzt, wie andere Bundesländer auch, auf einen Warnmix. Das heißt, es gibt mehrere Warnwege, die im besten Fall alle funktionieren und somit möglichst viele Menschen erreichen. Zu den Warnmitteln gehören Sirenen, Warn-Apps, Mitteilungen über den Rundfunk und Cell Broadcast – also die Mitteilung direkt auf Smartphones.
"Gerade im Ernstfall kommt es darauf an, dass die Bürger eine Warnung nicht nur erhalten, sondern auch wissen, was sie zu bedeuten hat und was dann zu tun ist", erklärt Innenminister Roman Poseck (CDU).
Auf Nachfrage teilte das hessische Innenministerium mit, dass nach aktuellem Stand 4.074 Sirenen in Hessen aktiv sind. Davon seien 85 Prozent digital und damit über das sogenannte Tetra BS Netz erreichbar. Mit Digitalfunk könnten großflächige Sirenenalarmierungen innerhalb von ein bis zwei Sekunden ausgelöst werden.
Was passiert am Warntag?
Um 11.00 Uhr soll der Probealarm ausgelöst werden – neben Sirenen auch auf Warn-Apps, im Rundfunk und über Cell Broadcast. Entwarnung soll es um 11.45 Uhr geben.
Die Sirenen heulen jeweils für eine Minute, schreibt das Ministerium. "Sofern in den Kommunen auslösbare Sirenen für die Warnung zur Verfügung stehen, erfolgt dabei auch ein Probealarm mit dem Sirenensignal "Warnung der Bevölkerung"." Manche Kommunen aber haben noch keine Sirenen, die das können – dann soll demnach ein Feueralarm über die Sirenen ausgelöst werden.
Und warum muss das geübt werden?
"Die aktuelle Sicherheitslage führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, dass wir die Bevölkerung im Ernstfall schnell, zuverlässig und verständlich erreichen können", sagt Poseck. "Genau dafür ist der Warntag da." Er mache die verschiedenen Warnmittel bekannt, teste die vorhandenen Strukturen und gebe den Bürgern die Möglichkeit, sich mit den Warnsignalen und den Abläufen vertraut zu machen.
Laut Innenministerium könne eine Warnung etwa wegen einer Bedrohung der Bundesrepublik von außen, bei Großschadenslagen, wegen Einsätzen der Feuerwehr oder bei Polizeieinsätzen, etwa bei Terrorlagen, erforderlich sein.
Der Warntag sei ein wichtiges Instrument gesellschaftlicher Resilienz. "Er schult die Bevölkerung im Umgang mit Warnungen, deckt Schwachstellen auf und trägt dazu bei, dass Hessen im Ernstfall besser vorbereitet, schneller informiert und widerstandsfähiger reagieren kann", hieß es.
Was lief im vergangenen Jahr schon gut ...
"Besonders positiv ist die Alarmierung im Tetra Digitalfunk, die sehr zuverlässig und sehr schnell durchgeführt werden kann", teilte das Innenministerium mit. Außerdem sei die Einführung von Cell Broadcast positiv, denn die Handyalarmierung brauche keine vorherige Registrierung und erreiche somit alle Geräte in einem Warnbereich.
"Frühere Kapazitätsprobleme und Übertragungsengpässe wurde aufgrund der Erfahrungen zudem weitestgehend beseitigt", teilte das Ministerium auf Nachfrage mit.
... und was nicht?
Die Opposition kritisiert vor allem die Geschwindigkeit bei der Umrüstung. "Die technische Umrüstung der Sirenen, damit alle Sirenen auch das Signal "Warnung der Bevölkerung" auslösen können, dauert bisher noch zu lange", teilte Christoph Sippel, Sprecher für Brand- und Katastrophenschutz der Grünen-Landtagsfraktion, mit.
Die größten Herausforderungen beim Bevölkerungs- und Katastrophenschutz liegen seiner Ansicht nach allerdings "im Bereich der Beschaffung, der Ausstattung und Fahrzeuge". Das Land müsse hier eine aktivere Rolle einnehmen und regelmäßigere Beschaffungen für das gesamte Bundesland Hessen vornehmen, beispielsweise für die Feuerwehren. "Darüber hinaus ist die Gewinnung und Ausbildung von Ehrenamtlichen in Zukunft noch wichtiger, wenn insbesondere Personen mit Führungsverantwortung aus Altersgründen nicht mehr aktiv sein können." Hier müsse frühzeitig gegengesteuert werden.
Das hessische Innenministerium ist aber auch für diesen Warntag zuversichtlich: "Mit den Erfahrungen aus den früheren Warntagen erwarten wir am 10. September 2026 keine größeren Störungen oder Auffälligkeiten."