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HessenMehr Waschbären in Hessen - Jagdstrecke steigt weiter

07.10.2026, 04:03 Uhr
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Mindestens 120.000 Waschbären sollen in Hessen leben; Tendenz steigend. Land und Kommunen schärfen Regeln nach – von ganzjähriger Jagd bis zur Prämie für Jäger.

Wiesbaden/Selters (dpa/lhe) - Sie sind niedlich, aber auch problematisch: Waschbären breiten sich in Hessen immer weiter aus. Im Jagdjahr 2024/25 lag die Jagdstrecke nach Angaben des Hessischen Landwirtschafts- und Jagdministeriums bei 41.147 der nachtaktiven Raubtiere. Dies ist die bisher höchste Zahl. Dazu zählen sowohl erlegte als auch rund 2.000 tot gefundene oder bei Verkehrsunfällen getötet Tiere - sogenanntes Fallwild.

"Damit scheint der invasive Waschbär mittlerweile sogar häufiger zu sein als der heimische Fuchs", erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Im Jagdjahr 2024/25 wurden ihr zufolge in Hessen 31.614 Füchse erlegt oder als Fallwild registriert.

Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor, im Jagdjahr 2014/15, waren es laut Landesjagdverband noch 26.383 tote Waschbären. Die Zahlen umfassen allerdings jeweils nur solche Tiere, die außerhalb von Städten oder Ortschaften mit Fallen gefangen und im Jagdrevier geschossen werden oder bei Verkehrsunfällen sterben.

Schätzungsweise 120.000 Waschbären in Hessen

Mindestens 120.000 Waschbären leben laut dem Ministerium schätzungsweise in Hessen. Die steigenden Zahlen der Jagdstatistik wiesen auf einen Anstieg des Vorkommens hin. Besonders verbreitet ist die invasive Art demnach in Nord-, Ost- und Mittelhessen. Die Auswertungen der Jahresjagdstrecken zeigten aber auch eine stetige Ausbreitung nach Südhessen und in das Rhein-Main-Gebiet.

Das Problem dabei: Die aus Nordamerika stammenden Kleinbären gefährden heimische Arten, fressen Insekten, bedrohte Amphibien und Reptilien und plündern Vogelnester. Außerdem verursachen sie Schäden an Häusern vor allem am Dach und verunreinigen Dachböden durch Kot und Urin.

Um Waschbären effizienter zu bejagen, ist in Hessen zum 1. April die Schonzeit für die Tiere abgeschafft worden. Sie dürfen seither unter Beachtung des Elterntierschutzes das ganze Jahr über bejagt werden. Noch keine Erkenntnisse gibt es dem Ministerium zufolge dazu, wie sich der Wegfall der Schonzeit ausgewirkt hat.

Selters im Taunus setzt Prämie aus

Neben dem Land werden auch Kommunen aktiv. Mit einer Prämie für Jäger in Höhe von 25 Euro für jeden erlegten Waschbären will etwa Selters im Taunus die Ausbreitung der Tiere eindämmen. Dies hatten die Gemeindevertreter am 23. September einstimmig beschlossen. Man wolle damit die Jäger unterstützen, die erheblichen Zeit- und Kostenaufwand durch die invasiven Tiere hätten, sagte ein Sprecher. Waschbären hätten in der Kommune bereits Grundstücke "verwüstet" oder seien in Biotopen gesichtet worden.

Eine Auszahlung für erlegte Tiere habe es seit dem Beschluss noch nicht gegeben, sagte der Sprecher. Die Resonanz auf die Entscheidung sei sehr unterschiedlich gewesen und reiche vom Zuspruch aus anderen Kommunen, die um die Beschlussvorlage gebeten hätten bis hin zu "Hassnachrichten". Davon wolle sich die Gemeinde aber nicht von der Prämie abbringen lassen.

Jagdverband lobt Prämie

Die von Selters ausgesetzte Prämie auf die Tiere hält ein Sprecher des Landesjagdverbandes für "eine gute Idee", weil damit die Aufwendungen und das ehrenamtliche Engagement der Jäger wertgeschätzt würden.

Auch der Landkreis Fulda setzt auf intensive Bejagung der Waschbären. Seit dem 1. August gilt dort zudem eine neue Allgemeinverfügung zur Lebendfangjagd im "befriedeten Bezirk". Ziel sei insbesondere die Entbürokratisierung zugunsten der Jägerschaft, um das Jagen des Waschbären auf befriedeten Besitztümern - also vor allem auf Privatgrundstücken - zu erleichtern, erklärte eine Sprecherin.

Mit der Allgemeinverfügung entfalle die gesonderte Beantragung einer Schießerlaubnis nach dem Waffengesetz. "Zudem ermöglicht die Regelung, die gefangenen Tiere unmittelbar vor Ort zu erlegen. Dadurch können unnötige Transporte und damit verbundener Stress für die Tiere vermieden werden." Gleichzeitig werde Jägerinnen und Jägern ohne eigenes Jagdrevier die Möglichkeit eröffnet, die Fallenjagd in urbanen Gebieten auszuüben.

Sterilisations-Projekt in Kassel pausiert

Um die Population in der Waschbären-Hochburg Kassel zu reduzieren, hatte der Bundesverband der Wildtierhilfen (BVW) mit Unterstützung der Stadt im Sommer 2025 ein Pilotprojekt gestartet. Dabei wollte ein Team aus Ehrenamtlichen und Tierärzten Waschbären im Stadtgebiet fangen, sterilisieren und anschließend wieder in die Freiheit entlassen. Doch nur zwei Wochen nach seinem Start musste das Projekt wegen juristischer Fragen pausieren. Seither wird es rechtlich geprüft.

Der Landesjagdverband bemängelt etwa fehlende tierschutz- und tierversuchsrechtliche Genehmigungen der Oberen Veterinärbehörde beim Regierungspräsidium Kassel sowie einen Verstoß gegen EU-Recht, wonach invasive Arten nach dem Fang nicht wieder freigesetzt werden dürfen.

Die Thematik sei vielschichtig, teilte das RP Kassel mit. Auch europa- und bundesrechtliche Perspektiven und Vorgaben seien zu berücksichtigen. Das Landwirtschafts- und Umweltministerium habe aus diesem Grund einen Abstimmungsprozess auf Länder-, Bundes- und Europaebene initiiert. Die hierzu laufenden Abstimmungen liefen noch.

Verband hofft auf baldige Entscheidung

Der BVW hofft auf baldige Klärung. Dann solle das Projekt schnellstmöglich fortgesetzt werden, sagt Vera Heck. "Fakt ist, die Waschbären müssen weniger werden, da sind wir uns ja alle einig." Beim Wie gebe es allerdings Differenzen. Der Verband setzt auf ein tierschutzkonformes biologisches Populationsmanagement (BiPoMa) statt auf Bejagung. Die Sterilisation sei das mildeste Mittel, sagt Heck. "Und das muss laut Tierschutzgesetz angewendet werden."

Quelle: dpa

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