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Nordrhein-WestfalenBrustkrebs-Vorsorge - Viele Frauen nutzen Screening nicht

07.10.2026, 04:02 Uhr
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Nur fünf bis zehn Minuten dauert die Untersuchung, die Leben retten kann. Mobile Mammografie-Einheiten fahren sogar aufs Land. Doch viele Frauen bleiben fern. Was die Vorsorge ausbremst.

Düsseldorf/Münster (dpa/lnw) - Nur gut jede zweite anspruchsberechtigte Frau nimmt in Nordrhein-Westfalen an der Brustkrebsvorsorge Mammografie-Screening teil. Die Gründe dafür sind vermutlich vielfältig. Dabei wird statistisch gesehen bei 6 von 1.000 Teilnehmerinnen Brustkrebs diagnostiziert. Verbände appellieren, einen Vorsorgetermin zu vereinbaren, der Leben retten könne.

Wer kann an dem Programm teilnehmen?

Das Mammografie-Screening-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs richtet sich an Frauen von 50 bis 75 Jahren. Die Teilnahme ist freiwillig und für gesetzlich Versicherte kostenfrei, wie die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Nordrhein und Westfalen-Lippe erklärten. Frauen in diesem Alter könnten das Angebot alle zwei Jahre in Anspruch nehmen. Private Krankenversicherungen übernähmen die Kosten in der Regel ebenfalls, heißt es von KV-Seite.

Die Mammografie sei eine Röntgenuntersuchung der Brust und solle Tumore in frühem Stadium entdecken, bevor sie tastbar und Lymphknoten von Tumorzellen befallen seien, erklärt das Referenzzentrum Mamagraphie Münster. Im Rheinland sind 1,7 Millionen Frauen und in Westfalen-Lippe 1,2 Millionen Frauen zur Teilnahme berechtigt, wie aus Daten der Vereinigungen hervorgeht.

Wo wird die Vorsorge angeboten?

Im Rheinland stehen laut Kassenärztlicher Vereinigung 29 fest eingerichtete Screening-Einheiten in radiologischen Praxen und fünf mobile Röntgeneinheiten zur Verfügung. Die sogenannten Mammobile führen gezielt ländliche Regionen an, "damit keine Frau allein wegen weiter Wege auf die Untersuchung verzichten muss". In Westfalen-Lippe stehen 46 Mammografie-Einheiten und zwei sogenannte Mamma-Mobile in ländlichen Gebieten - den Kreisen Steinfurt und Borken sowie im Hochsauerlandkreis - für Früherkennung zur Verfügung.

Wie komme ich an einen Termin?

Frauen, die eine Einladung erhalten haben, müssten zum Screening-Termin nur die Einladung, den ausgefüllten Anamnesebogen und ihre Versicherungskarte mitbringen, berichtet die KV Nordrhein. Die eigentliche Untersuchung dauere fünf bis zehn Minuten. Das Ergebnis liege in der Regel binnen zehn Tagen vor.

Wer nicht auf eine Einladung warten möchte, könne einen Mammografie-Termin bei der regional zuständigen zentralen Stelle vereinbaren, beschreibt das Referenzzentrum. Es bietet eine Suchfunktion für die Kontaktdaten der jeweils zuständigen Stelle auf seinen Seiten im Internet an. Voraussetzung für eine Terminvereinbarung sei, dass die letzte Mammografie im Rahmen der Brustkrebs-Früherkennung vor mindestens 22 Monaten durchgeführt wurde.

Die KV Nordrhein verweist beim Thema Terminvereinbarung auch auf ihre Hotline 0211 - 5970 7000 und ihr Buchungsportal nordrhein.mammotermin.de.

Wie sehen die Ergebnisse aus?

Statistisch gesehen erhielten etwa 970 von 1000 Frauen nach der Mammografie einen unauffälligen Befund, erläutert der Leiter des Referenzzentrums, Univ.-Prof. Dr. med. Walter Heindel. Etwa 30 erhielten einen auffälligen Befund und würden zur Abklärungsdiagnostik eingeladen.

Bei 24 der 30 Frauen mit auffälligem Befund stelle sich heraus, dass sie keinen Brustkrebs haben. Etwa 6 der 30 Frauen mit auffälligem Befund erhielten die Diagnose Brustkrebs. Im deutschen Mammografie-Screening sei die Rate falsch-positiver Befunde mit 2,4 Prozent für regelmäßige Teilnehmerinnen relativ niedrig. Bei Erst-Teilnehmerinnen betrage die Rate 3,7 Prozent.

Warum ist die Teilnahme nicht größer?

Das Referenzzentrum sieht verschiedene Gründe für die Nicht-Teilnahme: Bedenken gehörten dazu, dass das kurzzeitige Zusammendrücken der Brust während der Untersuchung schmerzhaft sei. Auch Angst vor auffälligen Befunden sei ein Grund. Außerdem fehle Wissen über den genauen Ablauf und den Nutzen der Früherkennung. "Diese fehlende Gesundheitskompetenz erscheint mir einer der wichtigsten Gründe", sagt Univ.-Prof. Heindel.

Auch der Präsident des Berufsverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte, Markus Haist, erklärt: Warum Frauen nicht teilnehmen, lasse sich nicht pauschal beantworten. Dahinter könnten unterschiedliche Gründe stehen, etwa persönliche Vorbehalte, Sorge vor einem auffälligen Befund, Sorge vor einer Überdiagnostik (falsch-positive Befunde), organisatorische Hürden wie Anfahrt, Mobilität und Wohnortnähe oder eine Entscheidung gegen die Untersuchung.

"Die Sorge vor Röntgenstrahlung ist verständlich. Die Strahlenbelastung bei der Mammografie ist jedoch gering und streng begrenzt", sagt Haist und fügt hinzu: "Gleichzeitig wissen wir, dass das Screening dazu beitragen kann, Brustkrebs früher zu entdecken und die Brustkrebssterblichkeit zu senken."

Der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Frank Bergmann, appelliert ebenfalls, das Angebot wahrzunehmen. "Eine Teilnahmequote von 70 Prozent könnte die Brustkrebssterblichkeit um bis zu 35 Prozent senken." Die Quote lag 2024 in NRW bei 55,5 und bundesweit bei 52 Prozent laut Referenzzentrum.

Welche weiteren Angebote der Früherkennung gibt es?

Ab dem 30. Lebensjahr gehörten die jährliche klinische Untersuchung der Brust einschließlich Tastuntersuchung zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm, erläutert Verbandspräsident Haist. Ultraschall und MRT spielten vor allem dann eine Rolle, wenn es Auffälligkeiten gebe oder ein erhöhtes persönliches Risiko - familiär, genetisch - bestehe. "Für Frauen mit durchschnittlichem Risiko sind sie kein Ersatz für das organisierte Mammografie-Screening", fügt er hinzu.

Wie viele Menschen sterben an Brustkrebs?

Laut Statistischem Landesamt ist Brustkrebs bei Frauen 2025 mit rund 4.100 Fällen die zweithäufigste Krebserkrankung mit Todesfolge in NRW gewesen - nach Lungen- und Bronchialkrebs. Im Vergleich zu 2024 stieg die Gesamtzahl der Brustkrebstoten, unter denen auch 44 Männer sind, in NRW um 2,3 Prozent. Über zwei Drittel der Brustkrebstoten waren 70 Jahre und älter, gut ein Viertel zwischen 50 und 70 Jahre alt. Etwa 5 Prozent waren jünger als 50 Jahre.

Quelle: dpa

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