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HessenTag der Streuobstwiese: Blütenreiche Bäume locken Ausflügler

23.04.2026, 04:02 Uhr
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Streuobstwiesen sind idyllisch. Gefährdete Tier- und Pflanzenarten fühlen sich hier wohl. Doch diese Biotope sind in Hessen stark geschrumpft. Warum? Wo finden sich noch viele Streuobstwiesen?

Friedrichsdorf/Flörsheim (dpa/lhe) - Sie sind zur Blüte im Frühling eine Augenweide zum Spazierengehen. Sie liefern regionales Obst, oft mit alten schmackhaften Sorten. Sie sind ein besonders artenreiches Biotop für Tiere und Pflanzen. Die Rede ist von Streuobstwiesen. Doch ihre Fläche ist stark geschrumpft. Der Tag der Streuobstwiesen an diesem Freitag (24. April) soll das Engagement für ihren Erhalt steigern – mit Aktionen wie Führungen, Verkostungen und Festen.

Wie das Streuobstwiesenzentrum Hessen in Flörsheim am Main mitteilt, gibt es landesweit laut einer mehrere Jahre alten Erhebung "nur noch etwa 17.500 Streuobstbiotope auf einer Fläche von insgesamt etwa 9.100 Hektar". Damit sei ihre Fläche seit den 1960-er Jahren in Hessen um etwa 80 Prozent zurückgegangen. Streuobstwiesen würden als "gefährdete Lebensräume in der Roten Liste aufgeführt" und seien geschützt. Seit 2021 ist der Streuobstanbau Immaterielles Kulturerbe im Verzeichnis der Deutschen Unesco-Kommission.

Zahlreiche Gründe für Flächenschwund

Für den Rückgang zählt der Hessische Bauernverband in Friedrichsdorf im Taunus eine ganze Reihe von Gründen auf:

  • "Die Pflege der hochstämmigen Obstbäume ist arbeitsintensiv, die Erlöse aus Mostobst standen lange in keinem Verhältnis zum Aufwand. In der Vergangenheit wurden Streuobstflächen daher teils aufgegeben oder, insbesondere in günstig gelegenen Lagen, in Ackerland umgewandelt."

  • Auch Siedlungsentwicklung, Straßenbau und Flurbereinigung haben laut dem Verband zu Verlusten beigetragen. 

  • Hinzu kommt der gesellschaftliche Wandel. Die früher oft übliche Selbstversorgung mit Äpfeln, Kirschen und Pflaumen ist selten geworden, Obst wird heute eher professionell von Betrieben produziert.

  • Der Bauernverband ergänzt zu Streuobstwiesen: "Flächen wurden verpachtet oder verkauft. Breites Wissen über die Bewirtschaftung ging verloren." 

Traditionelle Schwerpunkte des Streuobstanbaus gibt es in Hessen etwa noch im Wetteraukreis, Odenwald, Rhein-Main-Gebiet mit Nachbarregionen sowie in Teilen Mittelhessens wie im Kreis Gießen und im Lahn-Dill-Kreis. Förderprogramme, Aktionen und Vermarktungsinitiativen sollen ihn stützen.

Der Bauernverband sieht in Streuobstwiesen einen Lebensraum für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Zudem leisten sie nach seinen Angaben "einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung, etwa durch Kohlenstoffbindung in Bäumen, Kühlungseffekte in der Landschaft und den Erhalt vielfältiger genetischer Ressourcen alter Obstsorten".

Quelle: dpa

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