HessenWas im neuen Bildungspaket der Landesregierung steckt

Ein verpflichtender Medienführerschein, mehr Deutschstunden und verbindliche Lesezeiten: Hessen hat für seine Schulen ein Bildungspaket geschnürt. Wo liegen die Schwerpunkte?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Es geht um Lesen, Schreiben und Rechnen sowie um den souveränen Umgang mit Social-Media und KI: Hessen will seine Schülerinnen und Schüler mit einem neuen Bildungspaket vorrangig bei den Schlüsselkompetenzen mehr unterstützen. Ministerpräsident Boris Rhein stellte das Maßnahmenbündel in Wiesbaden vor – gemeinsam mit Kultusminister Armin Schwarz (beide CDU) und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten, Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD).
Bis zum Ende der Legislaturperiode stehen demnach ergänzend zum Bildungsetat 50 Millionen Euro bereit. Es sollen 680 zusätzliche Lehrerstellen finanziert werden.
Medienführerschein soll fit machen für digitale Welt
Alle Schulkinder der vierten Klassen müssen künftig in Hessen einen Medienführerschein machen. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung wolle das Land damit die Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern stärken, sagte Rhein. Behandelt werden unter anderem die Fragen: Wie funktioniert das Internet? Was passiert, wenn private Bilder weitergeschickt werden? Wo lauern Gefahren in sozialen Medien? Das Angebot startet im Schuljahr 2027/2028.
Fach "KI und Digitale Welt" wird eingeführt
Ebenfalls ab dem Schuljahr 2027/2028 wird in den Jahrgangsstufen 5 und 6 "KI und Digitale Welt" schrittweise als verpflichtendes einstündiges Schulfach eingeführt. Bis zum vergangenen Schuljahr war das Fach an Pilotschulen in Hessen unterrichtet worden. Der Fokus liege auf der Medienbildung, erläuterte Schwarz.
Ab dem Schuljahr 2029/2030 werde das Pflichtangebot "KI und Digitale Welt" mit Fokus auf Informatik auch für die Jahrgangsstufen 7/8 an Haupt- und Realschulen sowie für die Stufen 9/10 an Gymnasien eingeführt. Neben dem Einstieg in Informatikwissen und reflektierte Nutzung künstlicher Intelligenz sollen die Unterrichtsthemen um Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung ergänzt werden.
Zusätzliche Deutschstunde soll Grundkompetenzen stärken
Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll es in der ersten Klasse eine zusätzliche Deutschstunde geben. Zudem sei in den dritten und vierten Klassen täglich rund eine halbe Stunde verbindliche Lesezeit vorgesehen, ergänzte Schwarz. "Es wird in den Familien zu wenig gelesen."
Für Kinder der Jahrgangsstufen 1 und 2, die Schwierigkeiten in Mathematik haben, sind ab dem nächsten Schuljahr zusätzliche Stunden in Kleingruppen vorgesehen. Für die Stufen 5 und 6 sind einstündige Mathematik-Basiskurse geplant für alle Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf. Es solle nicht abgewartet werden, bis sich Lernrückstände verfestigt hätten, sagte Rhein.
Wieder mehr Stellen für Brennpunktschulen
Kürzungen bei Brennpunktschulen und an Integrierten Gesamtschulen hatten in Hessen vor einigen Monaten für Kritik gesorgt – nun stehen das Geld und Lehrerstellen teilweise wieder bereit. Minister Schwarz sagte, die Sonderzuweisungen für Integrierte Gesamtschulen kämen zurück. Schulen mit besonderem Förderbedarf könnten für das kommende Schuljahr mit insgesamt 100 zusätzlichen Stellen rechnen, für das Schuljahr 2028/2029 seien weitere 100 Stellen eingeplant.
Die Landesregierung wolle allen Kindern die besten Chancen eröffnen – "unabhängig davon, wo sie aufwachsen und welche Voraussetzungen sie mitbringen", sagte Minister Mansoori. Es sei daher wichtig, dass Schulen mit besonderen Herausforderungen auch besonders unterstützt werden.
Leistungsträger sollen besonders gewürdigt werden
Zum Ende des Schuljahres 2026/2027 sollen die besten Absolventinnen und Absolventen der Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien landesweit geehrt werden, wie Schwarz ankündigte. Dabei werde auch gesellschaftliches Engagement berücksichtigt. Diese besondere Ehrung soll künftig jedes Jahr stattfinden.
Im Sport wird der bereits eingeführte Landesfinaltag für Indoor-Sportarten im Rahmen von "Jugend trainiert für Olympia" um eine weitere Veranstaltung für Outdoor-Sportarten erweitert. "Damit bekommt der schulische Sportnachwuchs größere Aufmerksamkeit und die herausragenden Leistungen werden angemessen gewürdigt", erklärte Schwarz.
Wie reagiert die Landtagsopposition auf das Bildungspaket?
Für den Fraktionsvorsitzenden der Landtags-Grünen, Mathias Wagner, ist es allenfalls ein "Bildungspäckchen". Besonders deutlich werde das beim Sozialindex für Schulen mit besonderen Herausforderungen. Hier habe das Land erst 300 Stellen gestrichen, nun sollen in zwei Schritten wieder 200 Stellen geschaffen werden. "Es bleibt aber immer noch ein Minus von 100 Stellen. Wer das als Verbesserung verkaufen will, veräppelt die Bürgerinnen und Bürger", erklärte Wagner. Der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny nannte das Paket mit Verweis auf den Sozialindex eine "Mogelpackung".
Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Heiko Scholz, forderte: "Unsere Schüler brauchen die geplanten zusätzlichen Deutschstunden und Matheaufholprogramme sofort, flächendeckend und nicht erst im nächsten Schuljahr oder in drei Jahren."