Regionalnachrichten

SachsenKeine Nachwuchssorgen bei Freiwilligendiensten

31.08.2026, 16:43 Uhr
image

Ob Pflege, Kita oder Umweltschutz: Junge Menschen nutzen den Freiwilligendienst als Orientierungsphase. Die Diakonie fordert eine verlässliche Finanzierung.

Dresden (dpa/sn) - Das Interesse am Freiwilligendienst in Sachsen ist ungebrochen. Gerade in den Großstädten könnten nicht alle Anfragen vermittelt werden, sagte Maria Hille, Sprecherin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Sachsen. Es gebe keine Nachwuchssorgen, eher schon Probleme bei den Einsatzstellen. So sei gerade bei Kindertagesstätten wegen rückläufiger Kinderzahlen eine gewisse Zurückhaltung zu spüren.

An diesem Dienstag treten allein bei den Paritätischen Freiwilligendiensten in Sachsen 400 junge Frauen und Männer ihren Dienst an. Sie engagieren sich in sozialen, ökologischen und weiteren gemeinwohlorientierten Einrichtungen.

Erfahrungen sammeln, mögliche Arbeitsbereiche kennenlernen

"Freiwilligendienste bieten Menschen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, praktische Erfahrungen zu sammeln und unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbereiche kennenzulernen", hieß es. Zugleich leisteten Freiwillige einen konkreten Beitrag für die Gesellschaft. "Für viele Freiwillige ist der Dienst eine wichtige Orientierungsphase. Sie erhalten Einblicke in verschiedenste Berufe und auch Arbeitsfelder und lernen, was es heißt, im Team zu arbeiten", betonte Gernot Mosig, Bereichsleiter der Paritätischen Freiwilligendienste.

Einsatz in Krankenhäusern, Kitas oder Pflegeheimen

Bei der Diakonie beginnen am Dienstag 145 junge Menschen zwischen 15 und 26 Jahren ihren Freiwilligendienst. Ihr Einsatz erfolgt unter anderem in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Kitas, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in der Arbeit mit psychisch kranken Menschen sowie in Kirchgemeinden und evangelischen Jugendverbänden. Das Interesse an einem sozialen Engagement sei weiterhin hoch, hieß es.

Junge Leute wollen Zeit zwischen Schule und Studium nutzen

"Manche kommen mit einer klaren Vorstellung: Sie wollen einen Beruf kennenlernen, ein Vorpraktikum machen oder die Zeit zwischen Schule und Studium nutzen. Andere wissen noch gar nicht, wohin ihr Weg führt. Beides ist völlig in Ordnung", erklärte Susanne Wolf-Dechandt, bei der Diakonie Sachsen für diesen Bereich zuständig. Ein Freiwilligendienst biete die Möglichkeit, sich auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und wichtige Erfahrungen für das eigene Leben zu sammeln.

Diakonie mahnt verlässliche Finanzierung an

Nach Angaben der Diakonie hängt es auch von der Finanzierung ab, ob ein Platz angeboten werden kann. Je nach Förderformat würden die Einsatzstellen den Großteil der Kosten für Taschengeld, Sozialversicherung und Bildungsleistungen tragen. "Jetzt kommt es darauf an, dass auch genügend finanzierte Einsatzplätze zur Verfügung stehen. Dafür muss der Bund die notwendigen Mittel bereitstellen. Auch Länder und Kommunen tragen zur Finanzierung der Freiwilligendienste bei", mahnte Diakonie-Chef Dietrich Bauer.

Ab September steigt das Taschengeld auf 450 Euro monatlich. "Mehr Taschengeld ist richtig. Es darf aber nicht weniger Freiwilligenplätze bedeuten", so Bauer.

Freiwilligen-Formate haben sich Bedürfnissen junger Leute angepasst

Der Paritätische verwies darauf, dass die Freiwilligendienste in den letzten Jahren flexibler und vielfältiger geworden sind. Die Formate haben sich an die Bedürfnisse der Bewerberinnen und Bewerber angepasst. So können Freiwillige jeden Monat starten und selbst entscheiden, ob sie sich sechs Monate, ein ganzes Jahr oder länger engagieren möchten. Die meisten würden aber ein Jahr wählen.

Neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) gibt es auch den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Beim Freiwilligen Internationalen Jahr findet der Dienst im Ausland statt. Der Freiwilligendienst aller Generationen ist ein weiteres Format. Er bietet einen flexiblen Einsatz in Teilzeit bis maximal 20 Wochenstunden. Schülerinnen und Schüler ab 13 Jahren können mit dem Programm "Jugend engagiert sich" neben der Schule ein Ehrenamt ausüben.

Quelle: dpa

Regionales