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Mecklenburg-VorpommernNach gutem Sommer verhaltene Tourismus-Erwartungen im Herbst

06.10.2026, 16:24 Uhr
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Mit Naturerlebnissen und kulturellen Angeboten will Mecklenburg-Vorpommern auch in diesem Herbst Urlauber anlocken. Die Erwartungen der Branche sind einer Umfrage zufolge allerdings verhalten.

Schwerin/Rostock (dpa/mv) - Das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern ist auch in diesem Jahr gefragt - aber der Tourismus steht nach Angaben von Branchenvertretern wirtschaftlich unter Druck. Für die ersten sieben Monate dieses Jahres meldet das Statistische Amt des Landes 4,8 Millionen Gäste und 18,9 Millionen Übernachtungen, wie Tourismusminister Wolfgang Blank (parteilos) sagte. Dies sei das zweitbeste Ergebnis seit 1990.

Im Vergleich zu den ersten sieben Monaten 2025 seien 4,3 Prozent mehr Gästeankünfte und 1,6 Prozent mehr Übernachtungen verzeichnet worden. Bundesweit sei die Zahl der Übernachtungen nur um 0,8 Prozent gewachsen.

Viele Gäste - maues Geschäft

Allerdings bedeuteten viele Gäste nicht unbedingt ein gutes Geschäft, sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes in MV, Lars Schwarz, bei der Präsentation der Sommerbilanz 2026 in Schwerin. Die Hauptsaison sei vom Gästeaufkommen her solide gewesen, aber die Besucher gäben weniger aus in Restaurants, für Dienstleistungen und in Geschäften. Blank bestätigte: "Steigende Kosten belasten die Betriebe, gleichzeitig sind viele Gäste zurückhaltender beim Geldausgeben."

Lars Schwarz verwies auf eine aktuelle Branchenumfrage des Verbandes in MV. "Der nominale Nettoumsatz der befragten Betriebe lag von Januar bis September 2026 im Durchschnitt 2,6 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum", berichtete er. Das Gastgewerbe in MV steuere derzeit auf das siebente Verlustjahr in Folge zu.

Aus Sicht der Tourismus-Spitzen ist es unerlässlich, neue Besuchergruppen zu erschließen. Minister Blank hat dabei vor allem internationale Gäste im Blick. Das allerdings wird schon seit vielen Jahren gesagt, ohne dass es bisher zu einem Durchbruch gekommen wäre. So kamen von Januar bis Juli zwar 5,5 Prozent mehr internationale Besucher in den Nordosten, doch sie buchten 3,1 Prozent weniger Übernachtungen als im gleichen Zeitraum 2025, meldete die landeseigene MV Tourismus GmbH unter Berufung auf das Statistikamt. Und der Anteil internationaler Gäste an den Urlaubern insgesamt ist mit 561.000 von 18,9 Millionen Übernachtungen auch sehr überschaubar.

Mehr Urlauber aus Westdeutschland

Dehoga-Präsident Schwarz sieht deshalb eher Urlauber aus den alten Bundesländern als Wachstumsquelle. "Wir können gerne die Aktivitäten der Auslandsgästewerbung noch verstärken", sagte er. "Aber wenn wir uns angucken, wo die großen Potenziale liegen, dann sehen wir die tatsächlich in Deutschland." Und man sehe sie gezielt in Westdeutschland.

"Bei den Ossis sind wir bekannt, die kommen hier schon seit eh und je gerne her", so Schwarz. Nach dem Ergebnis der Landtagswahl sei aber Imagepflege ein Muss. Am 20. September war die AfD in MV als Wahlsieger hervorgegangen - sie bleibt im Landtag allerdings voraussichtlich in der Opposition. Peter Kranz von der MV-Tourismus GmbH berichtete, dass vereinzelt Urlauber erklärt hätten, nicht mehr nach Mecklenburg-Vorpommern reisen zu wollen.

Kranz sagte, der MV-Tourismus brauche Impulse für die Infrastruktur und die Erreichbarkeit. Wichtig sei dabei insbesondere auch die nachhaltige Erreichbarkeit - sprich: mit der Bahn. In internationalen Märkten - Österreich, Schweiz, Schweden nannte Kranz als Beispiele - werde er nicht gefragt "Wie toll seid ihr?", sondern: "Wie kommen wir zu euch? Und wie kommen wir so zu euch, dass wir nicht unbedingt das Auto oder den Caravan nehmen müssen?".

Tourismusminister Blank sieht für den Tourismus in MV im ländlichen Raum noch großes Potenzial. "Zugleich wollen wir auch noch mehr attraktive, wetterunabhängige Angebote schaffen. Denn Mecklenburg-Vorpommern ist nicht nur im Sommer eine Reise wert", sagte er.

Herbst-Tourismus

Der Blick auf die kommenden Monate fällt beim Gastgewerbe aber sorgenvoll aus, wie Lars Schwarz auf Basis der Umfrage unter 260 Unternehmen sagte. "Nur 16,1 Prozent der Betriebe bewerten ihre wirtschaftlichen Aussichten für das vierte Quartal als gut oder sehr gut", sagte er. "Demgegenüber beurteilen 49,2 Prozent ihre Aussichten als eher schlecht oder sehr schlecht."

Als größte Herausforderungen nennen die Betriebe demnach vor allem steigende Personalkosten (86 Prozent), höhere Energiekosten (77 Prozent) und höheren Warenkosten (64,5 Prozent). "Durch die Anhebung des Mindestlohns auf 14,60 Euro ab Januar 2027 erwarten 52,9 Prozent der Betriebe höhere Preise", sagte Schwarz. Seine Forderungen an die Politik: Erhalt der Minijobs, Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit und ein konsequenter Abbau von Bürokratie.

Nun steht erst einmal die Herbstsaison vor der Tür. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Urlauber im Herbst nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen, wie Kranz der Deutschen Presse-Agentur sagte.

2025 seien allein im Herbstferienzeitraum im Oktober laut amtlicher Statistik mehr als 700.000 Gästeankünfte und rund 2,8 Millionen Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet worden. In den vergangenen zehn Jahren seien die Ankünfte im Oktober um rund elf Prozent und die Übernachtungen um rund zehn Prozent gewachsen.

Der Herbst in Mecklenburg-Vorpommern biete Naturhighlights wie die Kranichrast, weite Strände und farbige Wälder sowie kulturelle Angebote wie das Usedomer Musikfestival oder den "Schlösserherbst", erklärt Kranz.

Buchungslage auf Usedom "gut bis sehr gut"

Auf der Insel Usedom sei die Buchungslage in den Herbstferien "gut bis sehr gut", sagte Karina Schulz, Pressesprecherin der Usedom Tourismus GmbH. Die Insel halte im Herbst zahlreiche attraktive Angebote bereit wie zum Beispiel die Familienwochen am Meer, die Drachenfestivals, die Wildwochen auf Usedom oder das Spukfestival. Trotzdem gebe es für Urlauber noch freie Kapazitäten in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätzen. "Kurzentschlossene werden auf der ganzen Insel noch freie Unterkünfte finden", sagte Schulz.

Quelle: dpa

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