Mecklenburg-VorpommernSchlösserherbst startet - europäische Kulturroute entsteht

Die unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern allgegenwärtigen Gutshäuser sind eine Besonderheit des Ostseeraums. Der Schlösserherbst gewährt Einblicke, und ein neues Projekt weitet den Horizont.
Saal (dpa/mv) - Ihre historische Bedeutung in der Region und ihre Anzahl macht Gutshäuser zu einer Besonderheit des Nordostens und des Ostseeraums. Ab Samstag laden die ehrwürdigen Häuser in Mecklenburg-Vorpommern beim diesjährigen Schlösserherbst wieder zum Besuch.
Bis 8. November gibt es Führungen, Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Kulinarisches in historischer Umgebung. Schlösser, Gutshäuser, Herrenhäuser - worum geht es eigentlich?
"In Mecklenburg ist jedes Gutshaus, und wenn es noch so eine kleine Hütte ist, bei den Leuten vor Ort "unser Schloss"", erklärt Manfred Achtenhagen. Er ist Vorsitzender des Vereins Gutshäuser, Schlösser und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommern und hat selbst vor fast 30 Jahren das Gutshaus Ludorf an der Müritz gekauft.
Häuser ursprünglich Mittelpunkt großer Güter
Letztendlich gehe es darum, dass diese Häuser Mittelpunkte eines landwirtschaftlichen Betriebes waren. Herrenhäuser gebe es zwar auch anderswo. Aber die hiesige Dichte habe geschichtliche Gründe. Nordöstlich der Elbe habe der Adel verstärkt selbst das Land bewirtschaftet, statt es zu verpachten. "Dadurch sind diese großen Flächen eben zusammengeblieben und entstanden und diese großen Güter entstanden." Der ländliche Raum habe auch eine andere Rolle gespielt, da seinerzeit hier nicht so viele Städte entstanden seien wie anderswo.
"Es gibt rings um die Ostsee ungefähr 20.000 Gutshäuser", schätzt Achtenhagen. Davon seien mindestens 1.000 heute saniert und würden touristisch genutzt. Beispiele fänden sich nicht nur in Deutschland, sondern etwa auch in Polen, Litauen, Lettland, Estland, aber auch in Dänemark oder Schweden.
Dieses gemeinsame Erbe soll künftig eine eigene Kulturroute des Europarates verbinden. Die erste, 1987 als solche zertifizierte Kulturroute umfasst die Jakobswege nach Santiago de Compostela. Andere Kulturrouten widmen sich der Hanse, den Wikingern oder auch der Industriekultur.
Länderübergreifende Vereinigung
Nun soll auch eine Route zu den Gutshäusern im Ostseeraum zertifiziert werden. Dazu wurde die länderübergreifende Vereinigung Baltic Manors ("Baltische Herrenhäuser") gegründet. Die Vereinigung werde den Antrag für die Anerkennung als Kulturroute des Europarates stellen, erklärt Achtenhagen. Aber auch ohne Zertifizierung soll seiner Aussage nach kommenden April eine Route eröffnet werden. "Wir sind ja schon relativ weit mit unseren Partnerländern."
Ein Ziel der Route ist nach Angaben der Vereinigung, die Häuser erlebbar zu machen und Menschen für Ihren Erhalt zu begeistern. Außerdem liegen den Angaben zufolge viele der Häuser in extrem strukturschwachen ländlichen Räumen. Es gehe darum nicht nur um Identität, sondern auch um lokale Arbeitsmöglichkeiten.
Wissenschaftliche Begleitung
Dabei gehe es eigentlich nicht um eine einzelne große Route. "Man kann ja nicht 20.000 Häuser verbinden", sagt Achtenhagen. Stattdessen werde es regionale Routen mit eigenen Zugangspunkten sowie touristischen Angeboten, etwa Gastronomie und Beherbergung geben. Auch Ruinen könnten dazugehören, sofern sie kulturhistorisch interessant und beschildert sind. Außerdem soll es auch Verweise in die anderen europäischen Länder geben.
Voraussetzung für die Zertifizierung sei auch eine wissenschaftliche Untermauerung. Die Vereinigung arbeite unter anderem mit dem Herrenhauszentrum in Greifswald zusammen.
Im Rahmen des an der dortigen Universität angesiedelten Forschungsprojektes haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Herrenhäuser in mehreren Ländern des Ostseeraums untersucht. "Diese Anlagen bilden bis heute einen zentralen Bestandteil der einzigartigen Kulturlandschaft des Ostseeraums", heißt es in der Projektbeschreibung.