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Niedersachsen & BremenSommer, Sonne, Strand - und Badetod

23.09.2026, 06:16 Uhr
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Hitzewelle, volle Strände – und plötzlich in Lebensgefahr: In der diesjährigen Badesaison sterben auffallend viele Menschen am und im Wasser. Warum nicht jeder gleichermaßen gefährdet ist.

Bad Nenndorf (dpa/lni) - Gerade erst haben wieder Millionen Menschen Urlaub am Meer gemacht, in Deutschland und anderen Ländern. Doch was für die eine die schönste Zeit des Jahres war, bedeutet für den anderen möglicherweise auch Leid, Tragik - und sogar Tod: In der diesjährigen Badesaison sind in Deutschland deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen als 2025 - während die Zahl in Niedersachsen spürbar sank.

Zwischen Anfang Mai und dem Ende der Sommerferien (Stand: 15. September) ertranken bundesweit 248 Menschen - 12 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft mitteilte. Der folgenschwerste Monat des Jahres mit seiner Hitzewelle, die viele Menschen ans Wasser zog, war der Juni mit mindestens 101 Todesfällen - nur 2003 gab es in einem Juni noch mehr Todesopfern. Betrachte man nur die Monate Mai bis August, die besonders reich an Unfällen seien, entfielen 43 Prozent der Todesfälle auf den Juni. "Das ist ein Höchstwert", sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt.

Vor allem junge Menschen gefährdet - und Männer

Noch deutlich mehr Menschen wären wohl ertrunken, hätten nicht Rettungskräfte und auch Badegäste rechtzeitig geholfen, sagte Vogt. "Allein unsere Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer befreiten erneut Hunderte Personen aus Lebensgefahr im Wasser", sagte sie - und betonte, das werde auch künftig so sein, schließlich steige die Zahl junger Menschen in der Nachwuchsausbildung: Jeder zusätzliche Rettungsschwimmer mache "Deutschlands Gewässer ein Stück sicherer". Seit Jahresbeginn gab es 320 tödliche Unfälle am und im Wasser, im Vorjahreszeitraum waren es mit 328 etwas mehr.

Besonders gefährdet: junge Menschen im Alter zwischen 11 und 30 Jahren. Und deren Zahl unter den Opfern steigt - seit Jahresbeginn ertranken 88 Menschen in diesem Alter und damit schon jetzt 15 mehr als im gesamten Vorjahr. Und die allermeisten Todesopfer in der Altersgruppe waren männlich. "Jugendliche und junge Männer gehen häufig vermeidliche Risiken ein", erklärte die DLRG-Präsidentin. Sie seien oft leichtsinnig, überschätzten sich selbst und könnten nicht oder nicht gut schwimmen. Der Anteil der Männer und männlichen Jugendlichen an den Opfern bekannten Alters: 85 Prozent.

Das Land mit den meisten Badetoten: Bayern

Immerhin 84 Todesfälle entfielen auf Menschen im Alter über 60, allerdings waren das 24 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Badetoten unter den Senioren sank also deutlich, ebenso wie die der Ertrunkenen im Alter zwischen 31 und 60 Jahren: In der Altersgruppe verloren 69 Menschen und damit sogar 25 weniger als im Vorjahr ihr Leben im Wasser. Besonders gefährlich: Seen und Teiche. Dort starben die meisten Menschen. Aber auch Flüsse und Bäche gelten mit vielen Todesfällen als Gefahren für Badende. Leichte Anstiege gab es bei den Badetoten in Kanälen sowie in den Meeren und in Schwimmbädern.

In den Küstenländern stieg die Zahl der Badetoten nur leicht oder sank sogar deutlich - wie in Niedersachsen: Dort starben 29 Menschen, während es zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres noch 38 waren. In Bremen waren es 2 Todesopfer nach 3 im Vorjahreszeitraum. Die meisten tödlichen Unfälle beim sommerlichen Baden aber gab es in Bayern: In dem Land mit seinen vielen Seen starben bis zum Ende der Sommerferien 61 (Vorjahreszeitraum: 73) Menschen, dahinter folgten Nordrhein-Westfalen mit 54 (38) Badetoten und Baden-Württemberg mit 35 (34) Opfern.

Forderung: in schulischen Schwimmunterricht investieren

Was können die Lebensretter tun, um vor allem unter jungen Menschen dafür zu sorgen, dass die Zahl der tödlichen Unfälle abnimmt? Nach DLRG-Angaben wird gemeinsam mit Partnern daran gearbeitet, zu Beginn der Badesaison 2027 möglichst viele Menschen vor Gefahren beim Baden und Schwimmen zu warnen. Die ehrenamtlichen Lebensretter hätten bundesweit ihre Bemühungen um Aufklärung verstärkt, sagte DLRG-Präsidentin Vogt. So hätten die Wasserretter dazu beigetragen, "dass im weiteren Sommerverlauf zumindest weniger Menschen ertranken", betonte sie. Sie mahnte, auch der Bund solle mit nationalen Kampagnen zu mehr Sicherheit an Gewässern beitragen.

Entscheidend aus der Sicht der Wasserretter, um Badeunfälle möglichst zu verhindern: die Schulen. Dort solle nicht nur das Wissen über Gefahren im Wasser vermittelt, sondern auch fundierter Schwimmunterricht erteilt werden, forderte die DLRG. Vor allem das Schwimmenlernen aber komme oft zu kurz, kritisierte Vogt: "Bund, Länder und Kommunen müssen zusammen flächendeckend deutlich mehr in die marode Schwimmbadlandschaft und den schulischen Schwimmunterricht investieren." Die Alternative sei klar, betonte sie: "Andernfalls befürchten wir dauerhaft höhere Opferzahlen unter jungen Menschen."

Lieber auf Kinder statt aufs Smartphone achten

Zwar starben seit Jahresbeginn weniger Kinder im Alter bis zehn Jahre im und am Wasser als im Vorjahreszeitraum. Aber auch die Eltern bleiben gefragt, um Unfälle zu verhindern. Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister, Peter Harzheim, hatte Eltern schon im vergangenen Jahr davor gewarnt, in Bädern ihr Smartphone zu nutzen: "Wenn sie im Freibad sind, hängen sie vor ihren Smartphones, statt sich ihren Kindern zu widmen", sagte er. "Diese Smartphones in Freibädern sind eine Katastrophe."

Quelle: dpa

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