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Nordrhein-Westfalen Nach Flut: Aufräumen, planen, zweite Katastrophe verhindern

Der Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, bei einer Pressekonferenz. Foto: David Young/dpa/Archivbild

(Foto: David Young/dpa/Archivbild)

Händeringend sucht der Kreis Euskirchen nach Kapazitäten in Müllverbrennungsanlagen: Sperrmüll aus überschwemmten Häusern muss weg. Dann muss Bauschutt weggeschafft werden. Auch werden Weichen für eine moderne Infrastruktur gestellt. Ein Wunsch: Glasfaser.

Euskirchen (dpa/lnw) - Im besonders betroffenen Kreis Euskirchen geht nach der Hochwasser-Katastrophe das große Aufräumen weiter. "Es sieht zwar an vielen Orten immer noch schlimm aus, aber ganz anders als vor drei Wochen", sagte Landrat Markus Ramers (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Die Stromversorgung sei weitgehend wieder hergestellt, Telekommunikation immer noch eingeschränkt. "Es gibt nicht überall Festnetz und Internet", berichtete Ramers. Inzwischen könnten alle Orte wieder mit dem Auto angefahren werden, einige Straßen aber nur eingeschränkt genutzt werden, etwa wegen unterspülter oder weggebrochener Fahrbahnen.

Der westlich von Bonn in der Eifel gelegene Kreis hat knapp 200 000 Einwohner und wurde mit seinen vielen kleinen Flüssen vom Hochwasser an manchen Orten regelrecht verwüstet. Mehr als die Hälfte der in NRW bei der Katastrophe gestorbenen Menschen entfallen auf diesen Kreis. Besonders betroffen sind Bad Münstereifel und Schleiden.

Ramers sagte, ein intelligenter, rascher Wiederaufbau sei wichtig. "Ich möchte nicht, dass irgendwo noch Kupferkabel in den Boden gelegt wird, dann soll das direkt Glasfaser sein", meinte er. Auch könne die ohnehin geplante Elektrifizierung einer Bahnstrecke im Zuge der Reparaturen vorgezogen werden.

In dem ländlichen Kreis geht auch die Furcht um, dass durch Hochwasser geschädigte Unternehmen wegziehen oder dass Menschen, deren Häuser nicht mehr bewohnbar sind, fortgehen könnten. Eine weitere Sorge ist, dass die touristische Attraktivität der Nationalpark-Region leiden könnte. "Das wäre die zweite Katastrophe nach dem Hochwasser, wenn die Zukunftsaussichten unseres Kreises gefährdet würden", sagte der 35-jährige SPD-Politiker.

Immer noch fallen täglich riesige Mengen an Müll an. Der Kreis suche Müllverbrennungsanlagen, um den Sperrmüll abzugeben, sagte Ramers. Inzwischen komme Bauschutt dazu, der schwierig zu entsorgen sei. Das Landesumweltamt habe begonnen, Proben vom Schlamm zu nehmen. Damit soll abgeklärt werden, wie belastet die Rückstände des Hochwassers sind, etwa durch Heizöl aus überfluteten Häusern.

© dpa-infocom, dpa:210808-99-765902/3

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