Rheinland-Pfalz & SaarlandDoppelte Hitzebelastung: So schützt sich ein Feuerwehrmann

Mehr als 800 Grad im Brandraum, draußen über 30 Grad: Feuerwehrleute kämpfen im Sommer gegen eine doppelte Hitzegefahr. Ein Hauptbrandmeister beschreibt die extreme Belastung und verrät Tricks.
Saarbrücken (dpa/lrs) - Temperaturen von mehr als 800 Grad im Brandraum, dazu über 30 Grad Außentemperatur: Für Feuerwehrleute wird der Sommer zur doppelten Belastungsprobe. Um Einsatzkräfte besser vor Hitzeerschöpfung und Hitzeschlag zu schützen, setzt die Feuerwehr Saarbrücken auf ein umfassendes Hitzeschutzkonzept.
"Sobald die Temperaturen über 30 Grad gehen, kommt jeder irgendwann an seine Belastungsgrenze", sagt Hauptbrandmeister Kevin Michel (41) von der Berufsfeuerwehr Saarbrücken der Deutschen Presse-Agentur. Michel ist seit 2011 bei der Berufsfeuerwehr tätig und arbeitet zugleich als Notfallsanitäter. Wann die Belastungsgrenze erreicht werde, hänge von der körperlichen Verfassung des Einzelnen ab.
Atemluftflasche reicht für 20 bis 30 Minuten
Besonders belastend seien Brände in geschlossenen Gebäuden. "Das geht los bei etwa 150 Grad bis über 800 Grad in einem Kellerbrand", erklärt Michel. Gerade Kellerbrände gehörten zu den heißesten Einsätzen, weil die Wärme dort kaum entweichen könne.
Unter Atemschutz bleibe den Einsatzkräften ohnehin nur wenig Zeit. Je nach Körperbau und Luftverbrauch reiche eine Atemluftflasche für etwa 20 bis 30 Minuten. "Ich komme mit meiner Konstitution auf ungefähr 25 Minuten", sagt Michel.
Zur Schutzausrüstung gehören Brandschutzjacke und -hose, Flammschutzhaube, Helm, Handschuhe sowie ein Atemschutzgerät. Während trockene Hitze von der Spezialkleidung noch vergleichsweise gut abgehalten werde, dringe feuchte Hitze mit der Zeit durch das Material. Das erhöhe die körperliche Belastung zusätzlich.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt die Feuerwehr Saarbrücken auf ein mehrstufiges Hitzeschutzkonzept. Schon bei der Anfahrt sollen Einsatzkräfte viel trinken, um einen sogenannten Flüssigkeitspuffer aufzubauen. An der Einsatzstelle folgen möglichst kurze Einsatzzeiten, eine frühzeitige Rotation der Trupps sowie längere Regenerationsphasen im Schatten. Führungskräfte achten zudem gezielt auf Anzeichen einer Hitzeerkrankung wie rote Gesichter, Schwindel oder ausbleibendes Schwitzen.
Nach den Vorgaben des Konzepts kalkuliert die Feuerwehr bei längeren Einsätzen rund einen Liter Getränke pro Stunde und Einsatzkraft. Zusätzlich werden Kühlstationen mit Wasserbädern für Hände und Unterarme eingerichtet. Wo möglich, dienen klimatisierte Mannschaftstransportwagen oder sogar ein angeforderter Linienbus der Saarbahn als temperierte Ruhebereiche für erschöpfte Einsatzkräfte.
Psychische Vorbereitung wichtig
Auch die psychische Vorbereitung spielt nach Angaben Michels eine wichtige Rolle. Vor dem Innenangriff versuche er bewusst, Puls und Atmung zu beruhigen. "Wenn ich mich mit meinem Trupp-Partner connecte und der merkt, ich bin ruhig, dann wird er auch ruhiger", sagt der Hauptbrandmeister. Das senke den Stress und könne die Leistungsfähigkeit unter Atemschutz verbessern.
Entscheidend sei außerdem eine ehrliche Selbsteinschätzung. Wer seine körperlichen Grenzen überschätze, könne im schlimmsten Fall selbst zum Notfall werden und weitere Rettungskräfte binden.
Wie sich ein Brandeinsatz unter voller Schutzkleidung anfühlt, beschreibt Michel mit einem einfachen Vergleich: "Man stellt sich mit Winterjacke vor einen Backofen, der auf 200 Grad Umluft läuft und geöffnet wird. So kann man sich das vorstellen." Diese Hitze werde bei einem realen Feuer noch durch die enorme körperliche Anstrengung verstärkt.