Rheinland-Pfalz & SaarlandNeue Lehrer braucht das Land - aber wie?

Bis zum Jahr 2035 braucht das Saarland knapp 4.000 neue Lehrer, wie eine Prognose voraussagt. Ist das Land darauf vorbereitet? Der Rechnungshof hat genau hingeschaut. Was steht im Sonderbericht?
Saarbrücken (dpa/lrs) - Lehrer werden gebraucht, doch es fehlt an Nachwuchs. Und die Konkurrenz unter den Ländern ist groß. Was tut das Saarland, um neue Lehrkräfte zu gewinnen? Und was ließe sich noch besser machen? Mit diesen Fragen hat sich jetzt der Landesrechnungshof beschäftigt. Die Ergebnisse formulierte er in einem 155 Seiten starken Sonderbericht.
Der Anlass
"Eine sinkende Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern auf Lehramtsstellen kann zu einem echten Problem für unser Bildungssystem im Saarland werden", sagte Rechnungshof-Präsidentin Annette Groh auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Mit unserer Prüfung wollten wir uns selbst ein umfassendes Bild von den maßgeblichen Ursachen machen und die aktuellen Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung analysieren." Auch wolle man der Landesregierung "eine ganze Reihe von Stellschrauben" aufzeigen.
Die Prognose
"Da die Schülerzahlen aktuell - insbesondere im Grundschulbereich - stark steigen und vermehrte Altersabgänge bei den Lehrkräften in den folgenden Jahren zu erwarten sind, wird in den kommenden Jahren ein erhöhter Einstellungsbedarf entstehen", heißt es im Bericht.
Die prognostizierten Schülerzahlen steigen in den allgemeinbildenden Schulen vom Schuljahr 2020/2021 bis zum Schuljahr 2035/2036 um knapp 16 Prozent - das bedeute etwa 14.442 Schüler mehr. Im aktuellen Schuljahr gibt es rund 128.000 Schülerinnen und Schüler, davon knapp 26.700 an beruflichen Schulen. Laut Prognosen würden von 2023 bis 2035 für alle Lehrämter insgesamt 3.995 neu einzustellende Lehrkräfte erforderlich sein.
"Der zu erwartende Einstellungsbedarf in den nächsten Jahren zeigt, dass das Saarland vor beachtlichen Herausforderungen stehen wird, um die Versorgung seiner Schulen mit Lehrkräften zu sichern", heißt es im Bericht. Verständlicherweise auch vor dem Hintergrund, dass bereits heute in allen Bundesländern ein Lehrkräftemangel und eine Konkurrenzsituation um fertig ausgebildete Lehrkräfte bestehe.
Die Situation
Nach Angaben des Bildungsministeriums haben zum 1. August 13 pädagogische Fachkräfte und 132 neue Lehrerinnen und Lehrer ihren Dienst an saarländischen Schulen angetreten. Darunter befänden sich auch die ersten acht Quereinsteiger, die Anfang 2025 ihren Vorbereitungsdienst aufgenommen hatten. Sie werden künftig in der Sonderpädagogik sowie in den Fächern Bildende Kunst und Musik eingesetzt. Vier weitere Lehrkräfte treten ihren Dienst an Berufsschulen an und kommen über den dort bereits etablierten Quereinstieg in den saarländischen Schuldienst.
"Dass wir nun die ersten Absolventinnen und Absolventen des Quereinstiegs in den Schuldienst übernehmen können, zeigt: Die Öffnung zusätzlicher Zugangswege zum Lehrerberuf war eine richtige und wichtige Entscheidung", so Ministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Sie brächten ihre fachliche Qualifikation sowie vielfältige Erfahrungen aus anderen beruflichen Bereichen mit. "Diese unterschiedlichen Perspektiven bereichern das Schulleben und eröffnen neue Impulse für unsere Schülerinnen und Schüler."
Bilanz und Vorschläge
Eine Schulnote wollte Rechnungshof-Präsidentin Groh der Landesregierung nicht ausstellen für deren Bemühen, neue Lehrkräfte zu gewinnen. "Gerade solch eine Prüfung, bei der wir einen so komplexen Prozess anschauen, lässt sich mit einem Durchschnittswert nicht abbilden", sagte sie auf Anfrage. Die Zufriedenheit der Prüfer bemesse sich daran, in welchem Umfang es gelungen sei, zu einer echten Verbesserung beizutragen. "Insofern sind wir insgesamt zufrieden", kommentierte sie den Bericht.
Die Prüfung habe gezeigt, dass im Prozess zur Gewinnung des Lehrkräftenachwuchses an unterschiedlichen Stellen "durchaus noch Luft nach oben" sei. Man habe eine ganze Reihe an Handlungsfeldern identifizieren können, "die gute Möglichkeiten für eine verbesserte Lehrkräftegewinnung bieten." Einige Beispiele:
Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs und Anpassung an aktuelle Herausforderungen - etwa durch die Einrichtung von Stellen für Schulverwaltungsassistenzen. Außerdem soll eine "anschlussfähige Besoldungsstruktur" im Vergleich zu den anderen Ländern im Blick behalten werden
Ausreichende Personalisierung bei der Sprachförderung
Intensivierung und Verbesserung von Werbemaßnahmen
Auswahlverfahren transparenter und zügiger gestalten
Mehr Digitalisierung und Nutzung von geeigneten technischen Verfahren
Lehrerausbildung optimieren - etwa durch mehr Praxisanteile im Studium und Dokumentation von Studienabbrüchen und damit verbundene Ursachenforschung
Vorbereitungsdienst auch in Teilzeit anbieten
Möglichkeiten des Quereinstiegs evaluieren und alternative Wege prüfen
Wie geht es weiter?
Laut Rechnungshof hat das Ministerium bereits im Verlauf der Prüfung damit begonnen, Anregungen und Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Gewinnung von Lehrkräften einzuleiten - etwa die Option zur Verlängerung des Vorbereitungsdienstes. Weitere Maßnahmen sollen zukünftig umgesetzt werden, bei anderen Empfehlungen müssten weitere Überlegungen seitens des Ministeriums erfolgen. Diese Entwicklung sei aus Sicht des Rechnungshofes "positiv zu werten".