Rheinland-Pfalz & SaarlandWer denkt jetzt schon an Weihnachten?

Noch fünf Monate bis Heiligabend – doch hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen längst auf Hochtouren. Mal besinnlich, mal überraschend.
Niederhausen/Pirmasens (dpa/lrs) - Bei Freibadtemperaturen um die 30 Grad liegt der Gedanke eher fern - aber schon in knapp fünf Monaten ist Weihnachten. In Rheinland-Pfalz gibt es etliche Menschen, die diese besondere Zeit des Jahres bereits im Blick haben. Ihre Gründe sind sehr unterschiedlich.
Tierisches
Sonja Persch-Jost denkt jeden Tag an Weihnachten. Sie besitzt mit ihrem Mann in Niederhausen an der Nahe eine Rentier-Alm mit 19 Tieren. "Ich finde Weihnachten phänomenal." In ihrem Büro stehe das ganze Jahr ein geschmückter Weihnachtsbaum. "Ich habe auch jetzt Weihnachtsmusik laufen." Und natürlich sorgten ihre Rentiere für Weihnachtszauber, auch im Sommer. "Ich bin überzeugt: Die Menschen haben Sehnsucht nach Weihnachten."
Persch-Jost und ihr Mann planen ein Weihnachtsdorf an der Alm mit einem Haus für den Weihnachtsmann. "Die Baugenehmigungen haben wir jetzt." Die beiden bieten auch Rentierwanderungen an. Im Sommer werden die Tiere auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Gelände mit Wasser abgekühlt. "Oder sie gehen in der Nahe schwimmen", sagt Persch-Jost.
Musikalisches
Auch der Trierer Schlagersänger Guildo Horn ist gedanklich seiner Zeit weit voraus. "Ich denke pausenlos an Weihnacht. Weihnachten ist für mich das festlichste Fest auf Erden", sagt der 63-Jährige. Er sei noch nie ein Kind des Sommers gewesen. "Während die anderen im Schwimmbad planschten, habe ich Zimtsterne gebacken und Fensterbilder gebastelt."
Und was ist mit seinen alljährlichen Weihnachtskonzerten? "Wie heißt es so schön beim Fußball: "nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Deshalb basteln wir, die Orthopädischen Strümpfe, bereits während der Weihnachtstour am Programm für nächstes Jahr." Dieses Jahr gebe es eine neue Weihnachtssingle. "Eingesungen haben wir das Ding bei 40 Grad Außentemperatur. Das ist gelebte und geliebte Weihnacht!"
Gewachsenes
Nach Angaben des Bundesverbands der deutschen Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger wird 2026 das Angebot an natürlichen Weihnachtsbäumen wie im Vorjahr zurückgehen. "Gleichzeitig steigen die Kosten für Erzeugung und Bereitstellung erneut", meinte eine Sprecherin. Das werde sich wohl bei den Preisen zeigen. "Dennoch besteht kein Anlass zur Sorge: Wer zu Weihnachten einen natürlichen Baum aufstellen möchte, findet ein passendes Exemplar."
Vor allem zwei Bereiche wirkten sich spürbar aus: gestiegene Logistik- und Lohnkosten. "Viele Arbeitsschritte müssen weiter von Hand erledigt werden." Gleichzeitig nehme die Produktionsmenge an Weihnachtsbäumen weiter ab. Zu erwarten seien Endkundenpreise, die sich je nach Region, Baumart und Baumgröße bei Meterpreisen für eine Nordmanntanne zwischen 25 bis 33 Euro bewegen würden. Für eine Blaufichte müsse 17 bis 22 Euro und für eine Rotfichte 14 bis 19 Euro pro Meter gezahlt werden.
Glitzerndes und Hölzernes
In Rüdesheim am Rhein kann man bei Käthe Wohlfahrt das ganze Jahr über Weihnachtsdeko & Co. bekommen - also auch im Hochsommer bei 30 Grad. Gerade Touristen aus den USA, Australien und Japan kauften in der Reisezeit dort ein, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Räuchermännchen und Artikel aus Holz seien im Sommer besonders beliebt. Man erhalte aber auch sonst alles - von der Weihnachtspyramide bis zu Christbaumkugeln.
Wenn die Weihnachtszeit näherrücke, kämen auch mehr Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sagte die Sprecherin. Käthe Wohlfahrt gibt es in mehreren Städten Deutschlands. Das hessische Rüdesheim am Rhein liegt gegenüber von Bingen. In Mainz bietet etwa das "Kuckucksnest" eine große Auswahl an Weihnachtsschmuck, zum Beispiel Krippen und Figuren.
Schokoladiges
Während viele bei Temperaturen jenseits der 30 Grad an Freibad, Eis und Ferien denken, ist beim Schokoladenhersteller Wawi Weihnachten fast gelaufen. Zumindest in der Produktion. Die Schoko-Nikoläuse, Adventskalender und andere Saisonartikel für das Fest 2026 sind größtenteils hergestellt - und die Planungen in Pirmasens richten sich parallel intensiv auf Ostern 2027.
Rund 18 Millionen Artikel hat das Unternehmen nach eigenen Angaben für das Weihnachtsgeschäft 2026 produziert. Etwa 60 Prozent gehen in den Export. In der Süßwarenbranche bestimmen nicht die Jahreszeiten, sondern lange Vorlaufzeiten den Kalender: Produziert wird Monate vor dem Fest, damit die Ware rechtzeitig in den Regalen liegt.
Etwas aufatmen lässt die Branche die Entwicklung am Kakaomarkt. Nach den extremen Preissprüngen der vergangenen Jahre hätten sich die Kakaopreise zuletzt auf hohem Niveau stabilisiert, teilte das Unternehmen mit. Das verschaffe etwas mehr Planungssicherheit. Günstig sei der wichtigste Rohstoff deshalb aber nicht: Die Kosten lägen weiter historisch hoch, sodass eine effiziente Produktion und neue Ideen für die Hersteller entscheidend blieben.
Überraschendes
Voll in Weihnachtsstimmung sind schon auch Marco Ringel und Christoph Ludwig. Sie packen in der ersten Augustwoche in Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg) rund 1.000 Adventskalender zusammen, die sie mit Freunden und Familie seit Anfang des Jahres gestaltet haben. Statt klassischer Türchen erwarten die Kalenderbesitzer unterschiedlich große Geschenkboxen.
Unter dem Motto "24 Bricks to Xmas" (24 Bausteine bis Weihnachten) entstehen in diesem Jahr Adventskalender für Imker, Hundehalter und Wanderfreunde sowie ein Schrottwichtel-Adventskalender. Pro Thema werde es 250 Stück geben, die ab Oktober im Internet gekauft werden könnten, sagt Ringel, der hauptberuflich Lehrer in Trier ist und ein Studienseminar leitet.
Kirchliches
Mitten im Sommer ist Sakristan Markus Belz bereits mit der Vorbereitung der Weihnachtskrippe im Speyerer Dom befasst. Zum einen macht er sich Gedanken über Aufbau und mögliche Neuerungen, um Besuchern Abwechslung zu bieten. Zum anderen pflegt Belz in seinem Garten große Topfpflanzen, die ab Anfang Dezember ihren Platz in der Krippenlandschaft im Dom bekommen.
Fertig gestellt und mit Figuren bestückt wird diese ganz traditionell erst an Heiligabend. Auch der große Weihnachtsbaum wird erst wenige Tage vor dem Christfest im Dom aufgestellt. Er wird Ende August bei der Gärtnerei bestellt.
Bei der Musik steht das Programm für Weihnachten fest, wie Domkapellmeister Markus Melchiori sagt. Die Proben beginnen ein bis zwei Wochen vorher. Die Vorbereitungen für die Adventskonzerte "Sternstunden" am 12. und 19. Dezember starten deutlich früher: Bereits nach den Herbstferien nehmen die Chöre die Proben auf. Insgesamt laufen die Planungen für die Weihnachtszeit viele Monate im Voraus - von Programmgestaltung und Repertoireauswahl über die Besetzungen bis zur Koordination der zahlreichen Chöre und Ensembles, die an Gottesdiensten und Konzerten beteiligt sind.