Sachsen-AnhaltBohai und Schlote stoppen Betrieb in Harzgerode im Januar

Die Investorensuche ist gescheitert. Die Produktion in Harzgerode und Wernigerode soll bis Ende Januar enden. Betroffen sind mehr als 700 Beschäftigte in der Region.
Harzgerode (dpa/sa) - Die insolventen Automobilzulieferer Bohai und Schlote stellen ihren Betrieb in Harzgerode und Wernigerode bis Ende Januar ein. Die rund 700 Beschäftigten beider Unternehmen wurden am Montagnachmittag im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung in Harzgerode von den Insolvenzverwaltern informiert. Bohai und Schlote hatten für den Standort im April Insolvenz angemeldet. Eine Investorensuche für den Betrieb bei Bohai ist bis zuletzt erfolglos geblieben, teilte der Insolvenzverwalter mit. Ein Interessent, in den bis zuletzt noch Hoffnung gesetzt worden war, war trotz intensiver Verhandlungen ebenfalls abgesprungen.
Mit dem Aus bei Bohai folgt auch der Betriebsstopp bei Schlote. Als Zuliefererbetrieb, der auf demselben Gelände angesiedelt ist, würden über Januar hinaus keine Aufträge mehr für das Unternehmen bestehen, heißt es weiter. Bohai betreibt eine Gießerei und produziert Aluminium-Gussteile in Harzgerode.
Die Schlote Gruppe verarbeitet die Teile vor Ort weiter. In den kommenden Monaten werde die Produktion heruntergefahren. Mit einer zu geringen Auslastung sei Bohai für die Auftraggeber dauerhaft nicht rentabel. Die Produktion sei bis heute defizitär und konnte "nur durch erhebliche finanzielle Unterstützung der wesentlichen Auftraggeber in Höhe zahlreicher Millionen Euro" fortgeführt werden.
Land und VW-Vorstand hatten Investorensuche erfolglos unterstützt
Bis zuletzt hatten Sachsen-Anhalts Landesregierung, der VW-Konzern als größter Auftraggeber des Standortes und der Landkreis zusammen mit dem Insolvenzverwalter nach Lösungen gesucht. Auch die Belegschaft habe sich mit großem Einsatz eingebracht, so der Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann. "Leider hat dies mangels zukünftiger Aufträge nicht ausgereicht." Er wolle nun mit Betriebsrat und Vertretern der IG Metall über einen Sozialplan verhandeln.
Insgesamt sind in Harzgerode und Wernigerode nach Angaben der Insolvenzverwalter 730 Jobs von den Schließungen betroffen. "Das wird der Arbeitsmarkt in der Tat so schnell nicht aufnehmen", sagte IG Metall-Gewerkschaftssekretär Jan Tomaschefski der dpa. Entsprechend groß sei die Sorge bei den Betroffenen um ihre Zukunft. "Das ist für die Harzregion ein ganz, ganz schlechtes Signal."
Agentur für Arbeit richtet vor Ort Büros ein
Für die Gewerkschaft gehe es nun darum, zunächst über einen Sozialplan zu verhandeln. Voraussichtlich würden die Kündigungen während der Ausproduktion des Standortes in Wellen stattfinden. Es müsste geklärt werden, wie eine faire Verteilung gewährleistet werden kann.
Die Agentur für Arbeit habe nun geplant, in einem Nebengebäude der Werke Büros für eine Vor-Ort-Betreuung der Betroffenen zu betreiben, bestätigte eine Sprecherin auf Nachfrage. Demnach sollen die Beschäftigten so früh wie möglich etwa darüber informiert werden, welche Möglichkeiten der Qualifizierung es für sie gibt. "Ziel ist, dass Arbeitslosigkeit gar nicht erst eintritt."
Stadt Harzgerode plant Übernahme der Flächen und Hallen
Der Bürgermeister von Harzgerode, Marcus Weise, spricht von einem rabenschwarzen Tag. "Das ist natürlich eine ganz große Katastrophe für die Beschäftigten und natürlich am Ende auch für uns als Stadt, für die gesamte Region", so der CDU-Politiker. Die betroffenen Unternehmen seien eine wichtige Lebensader, die auch Steuereinnahmen und Wertschöpfung gebracht hätten.
Über eine Tochtergesellschaft sei die Stadt auch bisher schon als Vermieter etwa für Bohai am Standort aktiv gewesen. Nun wolle man Gespräche mit dem Insolvenzverwalter zur Übernahme führen. "Das ist unser klarer Plan und insofern sind wir für alle Unternehmen, die sich erweitern wollen, jetzt offen", so der Bürgermeister.