Sachsen-AnhaltFrauen und Kinder bleiben länger in Schutzhäusern

Sie fliehen vor Gewalt in der Partnerschaft, oft sind Kinder dabei. Die Zeit im Frauenschutzhaus wird genutzt, um ein eigenständiges Leben führen zu können. Eine Reihe von Hürden ist zu überwinden.
Halle/Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt bleiben vor Gewalt geflüchtete Frauen und Kinder immer länger in Frauenschutzhäusern, bis sie in eine eigene Wohnung ziehen können. Die durchschnittliche Verweildauer stieg im vergangenen Jahr von 67 auf 69 Tage an, wie das Landesamt für Soziales, Jugend und Gesundheit in Halle auf Anfrage mitteilte. Diese Zeit wird genutzt, um den Frauen eine eigene Bleibe zu organisieren, sie finanziell und organisatorisch auf eigene Füße zu stellen, damit sie und gegebenenfalls ihre Kinder ein gewaltfreies Leben führen können.
2025 wurden in den 19 Einrichtungen im Land 496 Frauen mit 455 Kindern aufgenommen. Im Jahr zuvor waren es noch 523 Frauen mit zusammen fast 600 Kindern. Die Auslastung der Frauenschutzhäuser stieg den Angaben des Landesamts zufolge von 77 auf 78 Prozent.
Wohnraum zu finden, ist aus unterschiedlichen Gründen schwer
Der Zugang zum Wohnungsmarkt sei schwierig, hieß es aus den Frauenhäusern. Es gebe immer weniger günstige Wohnungen oder solche, die aus Sicht des Jobcenters angemessen sind. Hinzu kämen lange Bearbeitungszeiten bei Ausländerbehörden mit Blick auf Aufenthaltstitel, bei Sozialämtern und auch Jobcentern.
Die immer längere Aufenthaltsdauer in den Frauenschutzhäusern treibt auch Sachsen-Anhalts Landesbeauftragte für Frauen und Gleichstellungspolitik, Sarah Schulze, um. Frauenhäuser seien wichtige Schutz- und Kriseneinrichtungen, die Frauen in akuten Gewaltsituationen Sicherheit geben. Gleichzeitig müssten Übergänge schneller gelingen - etwa durch besseren Zugang zu sicherem Wohnraum und Unterstützung bei Hürden wie beispielsweise Mietschulden.
Schulze hebt einen weiteren Aspekt hervor: "Vulnerable Gruppen benötigen differenziertere Angebote". Das umfasse beispielsweise Frauen mit älteren Söhnen, Trans-Frauen oder Frauen mit Suchterkrankungen. "Wir müssen unser Hilfesystem kontinuierlich weiterentwickeln, damit gewaltbetroffene Frauen unabhängig von ihrer individuellen Situation einen geeigneten Schutzraum finden können", sagte die Beauftragte.
118 Schutzplätze - von allen Generationen genutzt
Aktuell stehen 118 Schutzplätze in Sachsen-Anhalt zur Verfügung. Ab September wird die Kapazität des Frauenhauses in Weißenfels im Burgenlandkreis von sieben auf acht Schutzplätze für Frauen und zwölf für Kinder erweitert.
Die Altersstruktur der aufgenommenen Frauen zeigt ein Spektrum über alle Generationen: Unter 20 Jahren alt waren beispielsweise 32 Frauen, zwischen 30 und 39 Jahren 157 Frauen. Auch Frauen ab 60 Jahren suchten Schutz, im vergangenen Jahr waren das den Angaben zufolge 22. Der Anteil der Schutz suchenden Frauen mit Migrationshintergrund lag bei 48,8 Prozent.
Nicht alle Frauen können aufgenommen werden
"Im Jahr 2025 gingen insgesamt 891 Anfragen an Frauenschutzhäuser ein, ohne dass die kontaktaufnehmenden Personen in einer Schutzeinrichtung aufgenommen wurden", erklärte eine Sprecherin des Landesamts. "Davon waren 551 Anfragen auf fehlende Platzkapazitäten der kontaktierten Einrichtung zurückzuführen." Die Zahl entspreche aber nicht der Anzahl der Frauen, die keinen Schutzplatz erhalten konnten, hieß es weiter. "Das liegt daran, dass Frauen, die bei mehreren Einrichtungen anfragen, zum Teil mehrfach in der Statistik erfasst werden."
Im Jahr 2025 standen für die 19 Frauenschutzhäuser Mittel in Höhe von 3.863.100 Euro zur Verfügung. Im Jahr 2026 betragen die verfügbaren Mittel 3.870.200 Euro. Zusätzlich können die Frauenschutzhäuser Mittel für Dolmetscherleistungen beantragen.