Sachsen-Anhalt"Niedrigwasserstress" - Nabu fordert Deichrückverlegungen

Niedrigwasser stresst Flusslandschaften: Der Naturschutzbund fordert unter anderem größere Überflutungsräume, um Wasser länger in der Natur zu halten. Welche Argumente haben die Naturschützer?
Magdeburg (dpa/sa) - Angesichts des extremen Niedrigwassers der Flüsse aufgrund von Trockenheit und Hitze hat der Naturschutzbund (Nabu) gezielte Maßnahmen zur Stärkung des "Landschaftswasserhaushalts" gefordert. Flussauen müssen nach Überzeugung des Nabu Sachsen-Anhalt renaturiert und deutlich größere Überflutungsräume angelegt werden. Dafür müssen Deiche zurückverlegt und dafür benötigte Flächen langfristig gesichert werden, wie es hieß.
Auen als natürliche Speicher und Puffer
"Wir müssen Wasser wieder länger in unseren Landschaften halten, statt es so schnell wie möglich abzuleiten", sagte Landesgeschäftsführer Jens Richter laut Mitteilung. "Intakte Natur ist kein Luxus." Sie sei die Grundlage für biologische Vielfalt, eine funktionierende Wirtschaft und eine sichere Energieversorgung.
Aktuell zeigten die Wasserstände an den Pegeln, unter welchem Stress Flusslandschaften stehen. Niedrige Wasserstände und hohe Temperaturen führen dazu, dass sich Flüsse stark erwärmen und ihr Sauerstoffgehalt sinkt. Nähr- und Schadstoffe würden weniger verdünnt und flache Uferbereiche und Nebenarme trockneten aus.
Nach Angaben des Informationsportals ELWIS der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erreichte der Wasserstand am Elbe-Pegel Magdeburg-Strombrücke am Mittwoch einen Wert von 48 Zentimeter. Am Dienstag war er auf den bisherigen Rekordtiefstwert von 45 Zentimetern aus dem Sommer 2019 gesunken.
Kritische Niedrigwasserphasen dauern immer länger
Dem Nabu zufolge sind niedrige Wasserstände der Elbe nicht unnatürlich - besorgniserregend sind heute jedoch der frühe Beginn und die Dauer solcher Phasen. Kritische Wasserstände zeigen sich bereits im Frühjahr und Frühsommer, wie es hieß. Zu dieser Zeit müsste die Flusslandschaft eigentlich noch von den Wasservorräten des Winters und des Frühjahrs profitieren.
Sachsen-Anhalt wird laut Nabu von großen Flusssystemen wie Elbe, Saale, Havel, Weißer Elster und Unstrut geprägt. Ihre Auen seien Lebensräume mit großer Artenvielfalt. Zudem speichern sie Wasser, dämpfen Hochwasserspitzen, gleichen das lokale Klima aus und machen Landschaften widerstandsfähiger gegen Trockenheit, wie es hieß.