Sachsen-AnhaltSand-Kies-Mix soll Elbe und Auen vor dem Austrocknen retten

Die Elbe verliert seit Jahrzehnten an Substanz - mit spürbaren Folgen für Natur und Nutzung. Nun versuchen Fachleute gegenzusteuern. Doch reicht das aus, um den Fluss langfristig zu stabilisieren?
Zahna-Elster (dpa/sa) - Damit die Elbe nicht weiter austrocknet und ihre Auen als Lebensraum erhalten bleiben, haben Fachleute dem Fluss gezielt Sand und Kies zugeführt. "Das wird durchgeführt, damit sich das Bett des Flusses nicht weiter eintieft", sagte Tobias Gierra, Projektgruppenleiter für das Gesamtkonzept Elbe beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe, in Zahna-Elster (Landkreis Wittenberg). Ziel sei es, die Flusssohle zu stabilisieren und die Erosion einzudämmen.
Fluss gerät aus dem Gleichgewicht
Hintergrund ist ein seit Jahrzehnten anhaltendes Problem: Die Elbe gräbt sich immer tiefer in ihr Bett ein. Dadurch sinkt auch der Grundwasserspiegel - mit Folgen für Natur, Landwirtschaft und Schifffahrt. Auen trocknen aus, Pflanzen und Tiere verlieren Lebensräume, und auch die Nutzung der Wasserstraße kann beeinträchtigt werden.
Um gegenzusteuern, wird der Elbe regelmäßig ein Sand-Kies-Gemisch zugegeben. Allein beim Termin seien zweimal jeweils rund 200 Tonnen eingebracht worden. Insgesamt bestehe in dem betroffenen Abschnitt zwischen Torgau und Lutherstadt Wittenberg ein jährliches Defizit von rund 120.000 Tonnen.
Das Material stammt teils aus Kieswerken in der Region, teils aus dem Fluss selbst - etwa aus Ablagerungen in sogenannten Buhnenfeldern.
Maßnahme mit begrenzter Wirkung
Die sogenannte Geschiebezugabe kann die Erosion nach Einschätzung von Fachleuten bremsen, aber nicht stoppen. "Langfristig reicht das leider nicht aus, aber es ist spürbar, dass die vorhandene Sohlerosion aufgrund von menschlichen Eingriffen in das ganze Flusssystem gebremst wird", sagte Gierra.
Langfristig seien weitere Eingriffe nötig, etwa Veränderungen am Flusslauf oder größere bauliche Maßnahmen. Diese müssten jedoch noch politisch entschieden werden und seien auch eine Frage der Kosten und gesellschaftlichen Akzeptanz. Für die Geschiebezugabe wurden nach Angaben der Behörden für die Jahre 2022 bis 2025 rund 10,5 Millionen Euro veranschlagt, für die kommenden drei Jahre sind weitere 8,7 Millionen Euro eingeplant.