SachsenMarx soll wieder satter aussehen - Frischekur für DDR-Kunst

Das Marx-Relief in Leipzig bekommt nach Jahrzehnten eine sorgfältige Reinigung. Was die Fachleute dabei beachten müssen und warum das Kunstwerk aus DDR-Zeiten besonders ist.
Leipzig (dpa/sn) - Das riesige Leipziger Marx-Relief bekommt eine Frischekur - womöglich zum ersten Mal in den gut fünf Jahrzehnten seiner Existenz. Das Kunstwerk aus Bronze wird derzeit umfassend gereinigt und mit einer schützenden Wachsschicht versehen. Die Wartung kostet rund 50.000 Euro, wie Ingo Fischer, Sachgebietsleiter beim Staatsbetrieb für Immobilien und Baumanagement, sagte. Die Reinigung bezahlt der Freistaat als Besitzer.
Das Bronze-Relief mit dem Titel "Aufbruch" hing bis vor 20 Jahren an einem Universitätsgebäude in der Leipziger Innenstadt. Zentrales Motiv in dem Kunstwerk ist der ungefähr vier Meter große Kopf eines starr nach links blickenden Karl Marx. Nach dem Abriss des DDR-Baus wurde das Relief auf dem Sportcampus der Hochschule aufgestellt - nach langer, erbittert geführter Diskussion um den richtigen Umgang mit diesem monumentalen Zeugnis des Sozialismus.
Schmutzkrusten werden entfernt
Das 14,4 mal 6 mal 3 Meter große und 33 Tonnen schwere Kunstwerk ist derzeit eingerüstet. Vier Mitarbeiter der Berliner Firma Haber & Brandner kratzen und schaben an Marx herum. "Es geht darum, schädliche Oxidationsschichten und Schmutzkrusten zu entfernen", sagte die Niederlassungsleiterin der Restaurierungsfirma, Jana Leukert. Die Oberfläche des Reliefs sei sehr rau, da habe sich der Schmutz über die Jahrzehnte ordentlich festgesetzt.
Der Leiter der Kustodie der Uni Leipzig, Rudolf Hiller von Gaertringen, verfolgt das Schicksal des Reliefs seit jeher engagiert. Seiner Ansicht nach ist das Kunstwerk seit seiner Erschaffung in den 1970er Jahren nie gewartet worden. Erst habe es jahrzehntelang über dem Eingang des Hauptgebäudes der damaligen Karl-Marx-Universität gehangen. Dann sei es - zersägt in drei Teile - eingelagert gewesen. 2008 sei es dann wieder aufgestellt, aber damals nicht speziell gepflegt worden.
Ideologisch belastet, aber wichtig für die Geschichte
"Für uns ist es universitätsgeschichtlich relevant", sagte Hiller von Gaertringen. Natürlich sei das Werk, geschaffen vom Künstlerkollektiv Klaus Schwabe, Frank Ruddigkeit und Rolf Kuhrt, ideologisch belastet. Der Bau mit dem Marx-Relief ersetzte damals die auf SED-Geheiß gesprengte Universitätsgeschichte St. Pauli. Aber das Kunstwerk sei eben auch Zeitgeschichte. Hiller von Gaertringen ist deswegen froh, dass es jetzt gründlich gepflegt wird.
"Man sagt immer: Bronze hält 100 Jahre. Aber das ist Quatsch", sagte der Bronzebildgießermeister Bert Noack. Er begleitet die Reinigung und Konservierung als Fachbauleiter. "Man sieht das an Friedhofsskulpturen, die nicht gewartet wurden. Irgendwann kommt es zur Bildung von Narben. Das geht dann bis zur Lochbildung", sagte Noack. Davon sei das Marx-Relief allerdings weit entfernt.
Mehr als 200 Quadratmeter Reinigungsfläche
Die Metallrestaurierungsfirma Haber & Brandner hat auch schon die Quadriga auf dem Brandenburger Tor konserviert und zuletzt den Neptunbrunnen nahe dem Roten Rathaus in Berlin. Jedes Objekt sei anders - und deswegen besonders, sagte Leukert. "Der Neptunbrunnen ist für Berlin ein Wahrzeichen, so wie der Marx eben in Leipzig eine Rolle spielt."
Durch die Reliefform hat das Kunstwerk viele Ein- und Ausbuchtungen. Daher sei die Reinigungsfläche über 200 Quadratmeter groß. Die Arbeiten werden laut Leukert etwa sechs bis sieben Wochen dauern. "Ziel ist es nicht, die typische schwarz-grüne Patina zu entfernen", erläuterte sie. Wenn am Ende mit Bürsten das schützende Wachs verrieben sein wird, werde das Kunstwerk weniger gräulich sein. "Es wird satter aussehen", sagte Leukert.
Für spätere Generationen bewahren
Sachsens Immobilienbetrieb stuft die Pflege des Leipziger Marx als Bauunterhaltungsaufgabe ein. "So wie wir alle anderen Gebäude der Universität auch zu pflegen haben", sagte Fischer. Bei der Kunst am Bau aus DDR-Zeiten gebe es allerdings noch einen weiteren Aspekt: "Es ist kulturhistorisch wichtig, diese Dinge für spätere Generationen zu erhalten."