SachsenMinister sieht Vorteile einer Elbe-Staustufe bei Decin

Sachsen Regierung hat bei ihrer Haltung zur umstrittenen Elbe-Staustufe bei Decin eine Wende vollzogen. Bisher wurde das Projekt wegen Risiken für die Natur abgelehnt. Nun sieht man eher die Vorteile.
Decin (dpa/sn) - Eine Staustufe in der Elbe bei Decin in Tschechien bringt nach Ansicht des sächsischen Umweltministers Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) dem Freistaat vor allem Vorteile. Bei einer Debatte im Landtag sprach der Minister am Vormittag von einem "guten Angebot" der tschechischen Seite. Wenn in der Elbe gleichmäßiger Wasser fließe und es keine so großen Schwankungen wie jetzt gebe, könne das der Ökologie des Flusses nur nutzen.
Minister sieht kein Anlass für Dramatisierung
Ein gleichmäßigerer Abfluss führe auch zu einer gleichmäßigeren Verfügbarkeit von Wasser, argumentierte von Breitenbuch. Es gehe nicht nur um Trinkwasser, man müsse auch das Abwasser aus den Kläranlagen immer wieder verdünnen. Tschechien habe bereits zehn Staustufen und staue das Wasser im Böhmischen Becken. Eine neue Stufe wäre die einzige zwischen Decin und Geesthacht. Er halte eine Dramatisierung der Pläne ("Bagger und Beton") für falsch.
Von Breitenbuch stellte klar, dass es eine Umweltverträglichkeitsprüfung gebe und man sich dann alles in Ruhe anschauen werde. Zugleich äußerte er Verständnis für die Wünsche des tschechischen Nachbarn. Tschechien wolle 330 Millionen Euro investieren und versuchen, die Elbe 300 Tage im Jahr schiffbar zu lassen. Man brauche eine gute Nachbarschaft zu dem Land.
Sachsen rückt von bisheriger Haltung zur Staustufe ab
Sachsens Regierung rückt mit dieser Haltung von ihrer bislang strikten Ablehnung einer Staustufe bei Decin ab. Dafür wurden in erster Linie Risiken für die Umwelt- und Wasserqualität geltend gemacht. So befürchtete man Nachteile für den Arten- und Naturschutz. Bedenken gab es auch mit Blick auf den Fischbestand. Jede Verkürzung der Wanderstrecke der Fische in der Elbe werde zu einer Verschlechterung des Lebensraums führen, hieß es bisher.
Deutliche Kritik von den Grünen
Die Debatte war von den Grünen für die aktuelle Stunde beantragt worden. Sie übten deutliche Kritik an den Ausbauplänen für die Elbe. Der Fluss brauche keinen weiteren Ausbau, sondern besseren Schutz, sagte Ex-Umweltminister Wolfram Günther. Ausbaggern, Vertiefungen und Buhnen würden keinen einzigen Liter zusätzliches Wasser in der Elbe bringen, sondern die Strömungsgeschwindigkeit erhöhen und die Tiefenerosion beschleunigen.
"Wer die Elbe weiter ausbaggert, gräbt unserer Natur und der Wasserversorgung der Region das Wasser ab. Das betrifft Trinkwasser, Landwirtschaft und Industrie", argumentierte Günther.