SachsenTränen und Hoffnung beim "Last Dance" auf dem Highfield

Kraftklub heizt ein, Tränen fließen: Das Highfield-Festival verabschiedet sich mit emotionalen Momenten. Was die Besucher und Bands zum unerwarteten Aus sagen.
Großpösna (dpa/sn) - "Wir haben es noch mal richtig krachen lassen zum Abschluss", sagt Nike (22) aus Bremen. Mit vielen Freunden war sie aus dem Norden zur vorerst letzten Ausgabe des größten Rockfestivals in Sachsen an den Störmthaler See nahe Leipzig gekommen. Die Veranstalter hatten angekündigt, im kommenden Jahr aus wirtschaftlichen Gründen eine Pause einlegen zu wollen. Das Motto des Festivals lautete entsprechend: "Highfield. One Last Dance".
Veranstalter will Pause für neue Konzeption nutzen
Das Highfield sei in dieser Form wirtschaftlich nicht mehr tragbar, hatten die Veranstalter Semmel Concerts und FKP Scorpio mitgeteilt. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit seien die Kosten für Personal, Material, Gagen oder Energie um rund 45 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sei die Nachfrage aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten gesunken. Zuletzt kamen rund 28.000 Menschen zu dem Festival, in den Hochzeiten waren es 35.000. Die Pause soll genutzt werden, um eine neue Konzeption auszuarbeiten, hieß es.
"Was sollen wir denn nächstes Jahr machen?"
"Hier wird Rotz und Wasser geheult", sagt Tim 33 aus Plauen im Vogtland. Für ihn und seine Freunde ist das vorläufige Ende eine Katastrophe. "Was sollen wir denn jetzt im nächsten August machen? Es fehlen die Alternativen". Er müsse die Entscheidung der Veranstalter akzeptieren, hätte aber auch 50 Euro mehr für das Ticket bezahlt. Tim wünscht sich einen Rückgang zu den Ursprüngen des Highfield. "Etwas kleiner und weniger Schnickschnack auf der Bühne. Das treibt ja nur den Preis hoch."
Verband: hohe Gagenforderungen der Top-Bands
Die Gagenforderungen der Bands seien in den vergangenen Jahren gewaltig gestiegen, zum Teil sogar um das Dreifache, sagt der Geschäftsführer vom Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Johannes Everke. Dies sei zum Teil verständlich, weil die Künstlerinnen und Künstler zumeist von den Liveauftritten lebten. Durchschnittlich machten die Einnahmen aus Verkäufen der Aufnahmen nur 5,2 Prozent aus.
"Das Ende ist so schade, wir hatten schon für 2027 geplant", sagt Emma aus Würzburg. Die 19-Jährige hofft auf einen Neuanfang in zwei Jahren. "Dann muss aber noch besser sein als dieses Jahr, weil wir zwei Jahre warten müssen."
"Uns blutet das Herz", schreit Joshi von der Berliner Band ZSK in die Menge. "Ich find's natürlich traurig. Aber geil, dass wir da nochmal spielen durften. Das ist unsere größte Show in dieser Festivalsaison", sagt Paul von der Dresdner Band 01099. Er hoffe, dass es ein vorläufiges Ende ist. Aber er wisse auch, dass die Kosten für Festivals seit Corona immens gestiegen seien. "Auch das Nutzerverhalten hat sich verändert. Ich habe das Gefühl, es gibt viele, denen das nicht mehr so geläufig ist - auf ein Festival zu fahren, dort zu campen."
Die musikalischen Highlights waren in diesem Jahr Kraftklub, SDP, die Beatsteaks und Deine Cousine. Vor allem Kraftklub aus Chemnitz hatte den Menschen am Samstagabend eingeheizt. Bis auf die hintersten Plätze vor der Bühne sangen die Menschen textsicher die Songs mit. "Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann hier wieder", sagt Frontmann Felix Kummer nach dem Auftritt.
"Wir sind zufrieden aber auch traurig", betont Ruth Lößer vom Veranstalter. Das Highfield habe wieder ein Zeichen für ein friedliches und respektvolles Miteinander gezeigt. Zur Zukunft des Festivals wollte sie sich nicht äußern. Man werde die Pause nutzen, betonte sie.
Das Highfield wurde seit 2010 auf einer Halbinsel an dem gefluteten Tagebausee in der kleinen Gemeinde Großpösna nahe Leipzig veranstaltet. Zuvor war der Stausee Hohenfelden bei Erfurt zwölf Jahre lang die Heimat des Festivals gewesen. Nach Ärger um Müll und Zerstörungen war es von Thüringen nach Sachsen umgezogen. Die Besucherzahlen stiegen den Angaben zufolge von 25.000 auf zwischenzeitlich bis zu 35.000.
Vor zwei Jahren überschattete der Brand eines Riesenrads das Highfield: Zwei Gondeln brannten aus, 16 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung laufen noch.