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ThüringenAlle wollen es grün - trotzdem hat der Gartenbau Probleme

30.07.2026, 05:31 Uhr
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Erfurt rühmt sich als Blumenstadt, Thüringen als Gartenbauland mit Tradition. Doch die Gärtner haben es schwer. Wie sie sich in einem schwierigen Markt behaupten und welche Trends eine Rolle spielen.

Erfurt (dpa/th) - Pascal Klenart kniet neben einem bunt bepflanzten, blühenden Staudenbeet und gibt Tipps auf seinem YouTube-Kanal: Es geht um die Vorzüge von Steppensalbei, Storchschnabel oder Lampenputzergras - und wie die Pflanzen zu behandeln sind. Der Erfurter Staudengärtner gehört zur Generation Thüringer Gärtnermeister, die die sozialen Medien auch für ihr Geschäft nutzen. Und das ist nach Einschätzung von Fachleuten hart - obwohl sich viele Menschen nach möglichst viel Grün in ihrem Umfeld sehnen.

"Die Situation der Branche ist sehr angespannt", sagt der Geschäftsführer des Thüringer Gartenbauverbandes, Joachim Lissner. Ähnlich ist die Einschätzung des Präsidenten des Thüringer Landesamts für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, Peter Ritschel. "Die Branche hat Probleme." Allerdings gebe es Unterschiede zwischen den einzelnen Sparten Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenanbau sowie Baumschulen. Gut entwickle sich derzeit der Garten- und Landschaftsbau.

Nur noch 60 Zierpflanzengärtner

Nach Zahlen des Landesamts für Landwirtschaft gibt es im Freistaat etwa 300 Agrarbetriebe mit einer Gartenbausparte bis hin zum Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen beispielsweise bei Pößneck in Ostthüringen oder in Andisleben vor den Toren Erfurts. Die Zahl der reinen Gartenbaubetriebe liege bei etwa 150. Einen deutlichen Schwund verzeichneten Zierpflanzenbetriebe, die im Frühjahr beispielsweise Primeln und Stiefmütterchen oder zu Sommerbeginn Petunien und Geranien anbieten. Ihre Zahl sank seit 2012 von 90 auf jetzt 60.

"Der Bedarf an Pflanzen für Balkon, Haus und Kleinarten ist da", so Lissner. "Es wird auch gekauft - nur weniger." Der Grund dafür sei, dass die Betriebe wegen höherer Kosten ihre Preise anpassen mussten und mit Billigkonkurrenz konkurrierten. "Heizung, Strom, Töpfe, Substrate und Transport - alle Kosten sind gestiegen." Das merkten auch die Kunden an der Kasse.

Die Folge sei, dass weniger produziert werde, Teile von Gewächshäusern stünden leer. Lissner: "Aufgegeben hat deshalb kaum jemand." Die sinkende Zahl an Betrieben führt er vor allem auf fehlende Nachfolger zurück, die den Gartenbau weiter betreiben wollen.

Salat statt Sonnenblume

Einer der Trends, auf den die Gärtnereien reagierten, sei der zum Anbau von Gemüse, Kräutern oder Naschobst auch auf Balkonen. Es würden vermehrt Gemüsejungpflanzen herangezogen. Nur wenige Gärtnereien in Thüringen verkauften ihre Pflanzen an Baumärkte oder Discounter, die meisten im eigenen Betrieb. Sie setzten auf Regionalität, Beratung und Kunden, denen die Einhaltung von Standards wichtig sei. Ein Teil der Verbraucher frage nach Bio-Produkten aus den Gärtnereien oder besonders insektenfreundliche und robuste Pflanzen.

Ein weiterer Trend seien Dienstleistungen bei der Gartenpflege. Vor allem ältere Menschen nähmen Unterstützung bei Gartenarbeiten in Anspruch. Dabei gehe es häufig auch um den Schnitt von Hecken und Gehölzen. Auch die Grabpflege auf Friedhöfen spiele eine Rolle. Viele Gartenbaubetriebe setzen auf eine Mischung von Pflanzenproduktion, Service und Dienstleistungen.

Artenvielfalt mit Öko-Saatgut

Oder sie suchten sich Nischen. Als Beispiel nannte der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes den Saatzuchtbetrieb Rose in Erfurt, der sich auf Öko-Saatgut spezialisiert habe - beispielsweise für Wildblumenwiesen oder artenreiche Feldraine. 210 Arten und Sorten hat der Betrieb nach eigenen Angaben im Programm - gewonnen wird das Saatgut mit viel Handarbeit.

Positive Effekte verspricht sich der Verband von der Landesgartenschau, die noch bis Oktober in Leinefelde-Worbis in Nordthüringen läuft. "Es ging darum, möglichst viele regionale Gärtner an dem Programm zu beteiligen", sagte Lissner. "Wir wollen das Gärtnern den Menschen schmackhaft machen."

Eigene Thüringer Lehr- und Versuchsanstalt

Thüringen sei ein Gartenbauland mit einer langen Tradition. Davon zeuge unter anderem das Deutsche Gartenbaumuseum im egapark in Erfurt, die Obstbau-Region um Gierstädt (Kreis Gotha) oder die Brunnenkresse-Klingen in Erfurt.

Zudem verfügt der Freisaat über ein eigenes Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau in Erfurt sowie eine Fachschule, wo Nachwuchs ausgebildet und jährlich Kurse mit Hunderten Teilnehmern auch aus Hessen organisiert werden.

In dem Versuchszentrum gehe es darum, wie der Gartenbau auf Klimaveränderungen reagieren kann, welche Arten und Sorten sich bewähren, wie Pflanzen neuen Schädlingen standhalten oder wie Gewächshäuser mit weniger Energie auskommen, sagte Referatsleiter Gerd Reidenbach. Derzeit werde zusammen mit einem Max-Planck-Institut in Jena getestet, ob auf Äpfel geblasenes Ozon hilft, Schädlinge zu vertreiben.

Quelle: dpa

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