ThüringenStehen sie für Heimatgefühl? - Retro-Kennzeichen beliebt

Auf Thüringens Straßen sind immer wieder alte Autokennzeichnen zu sehen. Warum sind RU, EA oder MHL so beliebt? Zu welchen Ergebnissen eine Studie aus Heilbronn kommt.
Erfurt/Heilbronn (dpa/th) - Ist es mehr als Nostalgie? In Thüringen sind alte Autokennzeichnen mit einem direkten regionalen Bezug sehr beliebt. Insgesamt sind mehr als 300.000 Fahrzeuge in Freistaat mit sogenannten Alt- oder Heimatkennzeichen unterwegs, ergab eine Studie der Hochschule Heilbronn (Baden-Württemberg). Besonders häufig sind danach die alten Kennzeichen von Rudolstadt, Eisenach, Meiningen, Zeulenroda, Ilmenau, Mühlhausen, Bad Salzungen, Sondershausen, Arnstadt und Pößneck zu sehen.
Seit 2012 dürfen Landkreise und kreisfreie Städte als Ortskennung auf den Nummernschildern zusätzliche Buchstabenkombinationen zulassen. Damals sei man "meist davon ausgegangen, dass die Altkennzeichen nur eine eher nostalgisch geprägte Zielgruppe ansprechen", heißt es in der Studie. Sie stützt sich bei den Daten auf das Kraftfahrt-Bundesamt.
Buchstabenkombination RU und EA mit meisten Zulassungen
Spitzenreiter mit 29.931 Zulassungen ist in Thüringen das Kennzeichen mit der Buchstabenkombination RU für Rudolstadt, gefolgt von EA für Eisenach mit 29.246, MGN für Meiningen mit 25.059 sowie Zeulenroda mit ZR und 24.305 Fahrzeugen.
Werte im fünfstelligen Bereich verzeichnen unter anderem auch ARN für Arnstadt (12.415), LSZ für Bad Langensalza (11.247), IL für Ilmenau (21.036), MHL für Mühlhausen (19.274) oder SDH für Sondershausen mit 13.341. Auf jeweils unter 10.000 Zulassungen kommen beispielsweise WBS für Worbis, LBS für Lobenstein oder NH für Neuhaus.
Retro-Kennzeichen stehen für Heimatgefühl
Bundesweit sind laut Studie fast sieben Millionen Autos, Motorräder und Hänger mit "Heimatkennzeichen" zugelassen worden. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 59 Millionen zugelassene Fahrzeuge mit rund 800 verschiedenen Ortskennungen.
Die wiederbelebten Nummernschilder wecken bei vielen Bürgern Heimatgefühle, meint Studienautor Ralf Bochert. Er sagt: "Gerade über das Autokennzeichen und die damit verbundene Individualität ist ein Identitätsbezug gegeben, der vielen Menschen wichtig ist."
Bald noch mehr Heimatkennzeichen?
Nach dem Willen des Bundesrats könnte es bald noch kleinteiliger zugehen, wenn weitere Kommunen mit mindestens 20.000 Einwohnern eigene Kennzeichen ausgeben. Das hat die Länderkammer auf Antrag Hessens und Niedersachsens beschlossen und zur Umsetzung an die Bundesregierung weitergegeben. Ob und wann diese den Vorschlag umsetzt, ist bislang nicht bekannt.
Bislang sind vor allem alte, durch Gebietsreformen weggefallene Kennzeichen wieder eingeführt worden. Dabei gab es Hürden, etwa dass ein neuer, selbstständiger Kfz-Zulassungsbezirk gegründet werden musste. Dies soll nach den Vorstellungen der Länder künftig wegfallen.