ThüringenThüringen setzt Sonntagsfahrverbot komplett aus

Niedrige Wasserstände in deutschen Flüssen zwingen viele Gütertransporte vom Binnenschiff auf Lkw. Wie sich Thüringen in dieser Situation verhält.
Erfurt (dpa/th) - Thüringen hebt das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen vorübergehend ganz auf. Die Regelung als Reaktion auf Niedrigwasser in vielen Flüssen gelte zunächst bis 31. August, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Erfurt auf Anfrage. Zuerst hatten die Funke-Zeitungen darüber berichtet.
Damit geht Thüringen weiter als andere Bundesländer. Berlin und Brandenburg etwa erlauben sonntags lediglich Lkw-Transporte von Gütern, die üblicherweise auf Binnenschiffen befördert werden.
Die Regelung, nach der alle Straßentransporte in Thüringen auch an Sonntagen rollen können, gelte ab sofort, sagte die Ministeriumssprecherin. Dazu gebe es einen Erlass des Thüringer Landesverwaltungsamtes in Weimar. Ob sie verlängert werde, hänge von der Situation der Wasserstraßen ab und sei derzeit nicht absehbar.
Grüne: Keine relevanten Wasserstraßen in Thüringen
Thüringens Grüne kritisierten die pauschale Regelung als Reaktion auf das Niedrigwasser in Rhein, Elbe und Donau. Dass Unternehmen auf andere Transportwege ausweichen müssten, sei nachvollziehbar, erklärte Grünen-Landessprecherin Ann-Sophie Bohm. "Aber durch Thüringen fließen weder Rhein, Elbe, Donau oder eine andere für den Güterverkehr relevante Wasserstraße." Statt einer generellen Freigabe plädierte sie für Einzelfallentscheidungen bei Thüringer Unternehmen, die nachweislich auf Lkw-Transporte angewiesen seien.
Durch anhaltend sehr niedrige Wasserstände auf deutschen Wasserstraßen ist die Binnenschifffahrt derzeit erheblich beeinträchtigt. Gütertransporte müssen teilweise auf Straße und Schiene verlagert werden, um Lieferketten aufrechtzuerhalten. Zahlreiche Bundesländer haben die Sonntagsregelungen für den Lkw-Verkehr deshalb bereits gelockert.