ThüringenWolf: Abgrenzung zum BSW und Tumulte bei Parteigründung

Thüringens Finanzministerin erklärt im Deutschlandfunk, wie sich ihre neue Partei voraussichtlich vom BSW unterscheiden werde und warum die Parteigründung alles andere als ruhig verlief.
Erfurt (dpa/th) - Thüringens Finanzministerin Katja Wolf hat Punkte genannt, die ihre nach dem Bruch mit dem BSW neu gegründete Partei Thüringen.Gerecht ausmachen sollen.
"Das, was uns jetzt noch mal stärker wichtig ist, ist auch die Frage der Umweltzukunftsfähigkeit, des Naturschutzes. Und wir werden natürlich deutlich stärker, als es das BSW getan hat, auch die Frage einer Geschlechtergerechtigkeit in den Mittelpunkt rücken", sagte Wolf in einem Deutschlandfunk-Interview über die neue Partei, die etwa einen Monat alt ist.
"Gerade, wenn man aus dem Osten kommt und auch sieht, wie Sozialkürzungen in besonderen Frauentreffen, wie diese Perspektive von Ostfrauen in Westpolitik oftmals komplett untergeht, ist das ein Punkt, den wir für wichtig halten", ergänzte sie.
Gleichzeitig räumte sie ein, Ansätze des BSW beibehalten zu wollen. Sie verwies auf die BSW-Säulen Gerechtigkeit, wirtschaftliche Vernunft, Meinungsfreiheit und den Friedensgedanken. "Das prägt uns weiter."
Mitglieder erwünscht
Wolf betonte, dass Thüringen.Gerecht anders als das BSW direkt auch neue Mitglieder aufnehmen wolle. "Wir freuen uns darauf, wirklich auch eine Mitgliederpartei zu werden. Wir sind kein Wahlverein und wir wollen ausdrücklich diesen Fehler, den das BSW am Anfang gemacht hat, den werden wir nicht wiederholen."
Auch infolge eines Dauerstreits mit dem Bundesvorstand und der Gründerin des BSW, Sahra Wagenknecht, traten Wolf und fast alle Abgeordneten in der Thüringer BSW-Fraktion aus der Partei aus. Anfang September gründete eine Gruppe um Wolf eine neue Partei mit dem Namen Thüringen.Gerecht. Die bisherige BSW-Fraktion löste sich auf.
Statt der bisher 15 BSW-Mitglieder hat die neue Fraktion von Thüringen.Gerecht nur noch zehn Mitglieder, wobei ein Abgeordneter parteilos ist.
"Tumulte und Frustration"
Im Interview mit dem Deutschlandfunk erinnert sich Wolf auch an den Gründungstag von Thüringen.Gerecht: "Wir haben die Partei wirklich spontan gegründet. Muss man nicht glauben, stimmt aber. Und die im Saal, die mit dem Gedanken vorher nicht gespielt hatten, fühlten sich völlig überrollt und es kam tatsächlich zu Tumulten und Frustrationen, weil sie das Gefühl hatten, sie wären irgendwie nicht mitgenommen worden."
Eigentlich sei die Gruppe an dem Tag damals zu einer Beratung zusammengekommen. "Und als die Juristen dann gesagt haben: Naja, das Rechtssicherste wäre, jetzt eine Partei zu gründen – weil das ist entsprechend spontan möglich – haben wir das gemacht."