Sport

Tränen-TriumphAlexander Zverev gewinnt endlich seinen Grand-Slam-Titel

07.06.2026, 19:45 Uhr
00:00 / 02:11
Video poster

Im 41. Anlauf erreicht Alexander Zverev sein großes Ziel: Der Hamburger gewinnt gegen Flavio Cobolli die French Open und damit sein erstes Grand-Slam-Turnier. Nach dem Matchball fließen Tränen.

Alexander Zverev sackte nach seinem historischen Coup auf den roten Sand des Court Philippe-Chatrier und ließ seinen Tränen freien Lauf: Der 29-Jährige hat es tatsächlich vollbracht - er ist in Paris nach einem nervenaufreibenden Fünfsatzkrimi im Finale zum ersten deutschen Grand-Slam-Titel seit Boris Becker vor 30 Jahren gestürmt. Am Ziel seiner Träume übermannten den neuen French-Open-Sieger seine Gefühle. Zverev konnte sein Glück nach der Erlösung kaum fassen.

Zverev setzte sich in einem packenden Duell über 4:16 Stunden gegen den Italiener Flavio Cobolli 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 durch und tilgte den Makel als Unvollendeter. Im 41. Anlauf jubelte der Hamburger, dem bis dahin mit 24 Titeln das Etikett des besten Profis der Geschichte ohne Majorerfolg anhaftete, erstmals über einen Triumph bei einem der vier großen Turniere.

"Ein Lebenstraum geht in Erfüllung", sagte Becker am Eurosport-Mikrofon: "Dafür hat er, die ganze Familie so lange, so hart gearbeitet." Zverev stürmte in seine Box und ließ sich überschwänglich feiern.

Zverevs Befreiungsschlag am Eiffelturm hat nicht nur für ihn persönlich enorme Dimensionen. Er ist der erste deutsche French-Open-Sieger nach Henner Henkel 1937 und der erste deutsche Grand-Slam-Champion im Männer-Einzel seit Beckers Erfolg 1996 bei den Australian Open. Der Tokio-Olympiasieger reihte sich bei Becker (6 Grand Slams) und Michael Stich (1) als erst dritter Deutscher ein, der seit Beginn des Profitennis 1968 bei einem Major bei den Männern jubelt. Bei den Frauen hatte zuletzt 2018 Angelique Kerber in Wimbledon eine Major-Trophäe gewonnen.

Zverev, der gegen Cobolli bis ans Ende seiner Kräfte ging und an dessen Shirt sich große Schweißflecken abzeichneten, nahm immer wieder neuen Anlauf. Seine ersten drei Endspiele auf höchster Ebene verlor er. In Paris unterlag er 2024 dem Spanier Carlos Alcaraz und konnte die Wunde von den US Open 2020, als ihm nur zwei Punkte fehlten, nicht schließen. Zuletzt hatte der brachiale Aufschläger bei den Australian Open 2025 der italienischen Nummer eins der Welt Jannik Sinner den Vortritt lassen müssen.

In Paris fügt sich alles

"Ich will meine Karriere sicher nicht als der beste Spieler beenden, der nie einen Grand-Slam gewonnen hat", hatte Zverev im Januar 2025 auf dem Center Court von Melbourne verkündet, nachdem er zuvor von Jannik Sinner im Finale der Australian Open schwer geschlagen worden war. "Ein Grand-Slam-Finale zu verlieren, ist das beschissenste Gefühl, das es auf der Welt gibt", hatte Zverev im Januar 2025 den Tränen nahe nach der Endspiel-Niederlage von Melbourne gegen Sinner verkündet.

In Paris fügte sich aber alles für Zverev, der schon mit klaren Titelambitionen an den Start gegangen war. Als in der zweiten Runde Turnier-Topfavorit Sinner und danach auch noch Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic hochüberraschend ausschieden, stieg die deutsche Nummer eins in Abwesenheit des verletzten Alcaraz zum größten Anwärter auf den Triumph auf - und ging mit dem steigenden Druck gut um. "Ich muss mich auf das konzentrieren, was ich beeinflussen kann", sagte er immer wieder. 

Von Runde zu Runde hatte sich Zverev gesteigert - und so sollte auch Cobolli, gegen den er mit einer 3:1-Bilanz ins Duell ging, nicht zum Stolperstein werden. Das Match forderte ihm dann aber alles ab.

Comeback im Fünften

Vor der Prominenz um Pharrell Williams, Lenny Kravitz und Eric Cantona begann Zverev stark und dominierte mit seinem Aufschlag. Nach nur 35 Minuten gewann er Satz eins - das sorgte auch bei Oma Natalia in der Box für Begeisterung. Im zweiten Durchgang ließ die Konzentration des Hamburgers aber nach, der vom Publikum angefeuerte Cobolli kam zurück. Zverevs Körpersprache war nun schlecht, immer wieder haderte er und schüttelte den Kopf. 

Im dritten Satz war es nun auch ein Kampf gegen die eigenen Nerven, in dem der Favorit die Oberhand behielt. "Let's go!", brüllte Zverev, der dann im vierten Satz körperlich arg kämpfen musste und kurz behandelt wurde. Aber er richtete sich nochmal auf, nahm sein Herz in beide Hände und gewann den so ersehnten Grand-Slam-Titel.

Quelle: ntv.de, ter/sid