Superstar pfeift auf die PflichtBox-Riese Kabayel kann nicht fassen, dass Uysk ihm ausweicht

Kaum macht der Weltverband WBC Oleksandr Usyk die Ansage, den WM-Titel gegen Agit Kabayel zu verteidigen, da kommt vom Schwergewichts-Weltmeister direkt die Absage. Im Interview reagiert Kabayel bitter enttäuscht - und macht Usyk Vorwürfe.
Oleksandr Usyk hat nicht vor, seinen WBC-Gürtel gegen Pflichtherausforderer und Interims-Champion Agit Kabayel zu verteidigen. "Hört zu: Zuerst Rico (Verhoeven, d.Red.), zweitens der Sieger zwischen Fabio Wardley und Daniel Dubois, und der dritte Kampf ist der gegen meinen alten Freund 'greedy belly' (deutsch: gieriger Bauch) Tyson Fury", rollte Usyk im Gespräch mit der Box-Bibel "The Ring" einen Drei-Kämpfe-Plan für seine Zukunft aus.
Eine bittere Kunde für Deutschlands Box-Hoffnung Kabayel. Der 33-Jährige wartet seit geraumer Zeit auf eine Titelchance gegen Usyk. WBC-Boss Maurico Sulaiman hatte erst kürzlich klargestellt, der Ukrainer müsse den grün-goldenen Gürtel nach seinem fragwürdigen Duell mit Kickbox-Legende Rico Verhoeven am 23. Mai an den Pyramiden von Gizeh gegen Kabayel aufs Spiel setzen.
Doch Usyk denkt offenbar gar nicht daran - sehr zum Unmut von Kabayel. "Ich habe Usyk immer sehr respektiert für seine sportliche Leistung und gesagt: 'Hey, der scheut keine Herausforderung und ist ein Mann seines Wortes.' Es geht ihm aber nur ums Geld, alles andere ist für ihn uninteressant. Das habe ich jetzt nochmal extrem gemerkt", kritisierte der "Leberking" im Interview mit RTL/ntv und sport.de den Weltmeister. "Wie kann er die Nummer 1 der Rangliste, seinen Pflichtherausforderer nicht nennen? Es ist einfach traurig, dass er lieber ein drittes Mal gegen Dubois oder Fury kämpfen will, obwohl er beide schon zweimal besiegt hat."
Usyk verzichete schon auf Wardley-Duell
Usyk hält die WM-Gürtel der Verbände WBA, WBC und IBF. WBO-Weltmeister ist der Brite Fabio Wardley, der seinen Titel am 9. Mai in Manchester gegen Ex-Weltmeister Dubois verteidigt. Usyk hatte Dubois vergangenen Sommer in London spektakulär k.o. geschlagen und zum zweiten Mal in seiner Karriere die vier Titel der anerkannten Verbände vereint. Den WBO-Titel legte er vergangenen November nieder, weil er zunächst kein Interesse an einem Kampf gegen Wardley hatte.
Mit Tyson Fury steigt am 4. April ein weiteres früheres Usyk-Opfer in den Ring. Der "Gypsy King" - 2024 zweimal von Usyk besiegt - trifft in London auf Arslanbek Makhmudov. Den Zwei-Meter-Russen hatte wiederum Kabayel (1,90 Meter) Ende 2023 in vier Runden mit seinen berüchtigten Körperhaken kurz und klein gehackt.
Kabayel hat "großes Fragezeichen im Kopf"
Kabayel betonte, wie schwer sein Weg an die Spitze der WBC-Rangliste gewesen sei. "Ich habe Makhmudov geboxt, den wirklich jeder in der Szene gemieden hat. Alle dachten, das wäre der K.o.-Schläger schlechthin, keiner wollte gegen ihn boxen. Dann hat man mir Frank Sanchez (Mai 2024, d.Red.) hingestellt - keiner wollte gegen Frank Sanchez boxen, weil alle gesagt haben: das ist ein harter Arbeitstag ohne große Belohnung. Und dann kam Zhilei Zhang. Der wurde in seiner Karriere nie vorzeitig geschlagen. Ich habe ihn vorzeitig geschlagen und ein Statement gesetzt. Ich habe sie alle geschlagen. Es ist einfach nur schade: Man macht und tut in diesem Sport und dann wird das mit Füßen getreten."
Kabayel hatte China-Koloss Zhang im Februar 2025 mit einem Leberhaken in Riad k.o. geschlagen und den Interims-Titel des WBC erobert. Als "Zwischen"-Weltmeister steht ihm ein Kampf gegen Weltmeister Usyk zu, auf den der Deutsche seither vergeblich wartet. "Ich habe mittlerweile ein großes Fragezeichen in meinem Kopf", räumte Kabayel ein: "Die Leute sollen aufhören zu sagen: 'Wen hat Kabayel denn geboxt?' Fabio Wardley ist mir aus dem Weg gegangen, Daniel Dubois auch. Nichtsdestotrotz müssen wir weitermachen." Er sei gespannt, wie der WBC auf das Interview Usyks reagiert, sagte Kabayel und ließ Skepsis durchblicken. "Man kennt es aus der Vergangenheit, dass der WBC immer zugunsten des Champions gehandelt hat."
Eigentlich müsste der Verband Usyk den Titel abnehmen, sollte er nicht wie gefordert gegen Kabayel antreten. Der Deutsche würde in diesem Fall vom Interims- zum vollwertigen Weltmeister aufsteigen. Deutschland hätte zum ersten Mal seit Max Schmeling 1930 wieder einen Box-Meister aller Klassen. Auf eine Anfrage, wie der WBC vorzugehen gedenkt, hat der Verband bisher noch nicht reagiert.
Kein Kabayel-Kampf im Mai in Dortmund
Usyk sei mit 39 Jahren am "Ende seiner Karriere", merkte Kabayel an: "Er weiß genau: Gegen mich wird es ein extrem harter Arbeitstag, aber vielleicht nicht der größte Zahltag."
Usyk wolle lieber gegen Leute boxen, "die boxerisch statisch und nicht so beweglich sind wie ich. Es ist einfach nur schade, was Usyk da jetzt fabriziert, wie er sein eigenes Erbe mit Füßen tritt. Wenn Usyk nur aufs Geld schaut, sind mir die Hände leider gebunden. Es sei denn, ein Milliardär kommt und möchte mit sponsern."
Er werde mit seinem Team "jetzt maximal Druck machen auf die Verbände" und abwarten, wie die Kämpfe seiner Rivalen ausgehen, kündigte der Boxprofi aus dem Pott an. Gegen wen er als nächstes boxe, könne er derzeit nicht sagen. "Ich brauche Klarheit, eine Perspektive, um die Motivation zu haben, mich drei Monate in einem Trainingscamp abzuschotten."
Die "Bild"-Zeitung hatte zuletzt berichtet, die Dortmunder Westfalenhalle sei Mitte Mai (eine Woche vor Usyks Pyramiden-Kampf) für Kabayel reserviert. "Das ist vom Tisch", sagte Kabayel dazu. Sein britischer Promoter Queensberry habe ihm den Kampf im Mai zwar angeboten, "aber es macht für mich ja gar keinen Sinn, wenn ich eine Woche vor Usyk kämpfe. Dann habe ich zwar einen Kampf, aber ich stecke in der gleichen Situation wie vorher." Er wolle "nicht die schnelle Mark machen, dass die Leute Tickets für einen Kampf kaufen, der keinen Sinn macht".