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Wiegert trotzt dem ÄrgerEnttäuschter Trainer liefert große Fairplay-Aktion

19.04.2026, 15:44 Uhr
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Bennet Wiegert stellte Gerechtigkeit her. (Foto: IMAGO/Eibner)

Der SC Magdeburg erlebt beim Finalturnier um den Pokalsieg zwei ganz bittere Nackenschläge: Statt des Titels gibt es nur Frust. Trainer Bennet Wiegert setzt trotzdem ein starkes Zeichen.

Bennet Wiegert reist mit seinem SC Magdeburg als Topfavorit zum Finalturnier um den deutschen Handball-Pokal, doch schon im Halbfinale platzen die Träume vom ersten Titel der Saison dramatisch: Der Champions-League-Sieger verliert sensationell im Siebenmeterwerfen gegen Abstiegskandidat Bergischer HC: Die Magdeburger um Trainer Wiegert sind am Boden zerstört. Tags darauf geht aus noch das undankbare Duell um Platz drei (31:35 gegen den TBV Lemgo) verloren. Doch Wiegert hindert die Enttäuschung nicht, am für ihn bitteren Finaltag für einen großen Fair-Play-Moment zu sorgen.

In der mächtigen Lanxess Arena von Köln lief die 21. Spielminute im Duell zwischen Magdeburg und Lemgo, als Lemgo Samuel Zehnder beim Stand von 11:11 zum Siebenmeter antreten sollte. Doch als sich der Schweizer am Siebenmeterstrich eingefunden hatte, machte er in Erwartung des Pfiffs der Schiedsrichter einen Schritt - just in dem Moment, als das Gespann das Spiel wieder freigegeben hatte. Die Unparteiischen sahen einen technischen Fehler.

Weltmeister Pascal Hens wunderte sich am DAZN-Mikro: "Da müssen wir doch jetzt nicht mehr draus machen, als es ist. Ich weiß nicht, wo das Problem ist. Wiederhole das Ding doch einfach." Doch nach kurzer Konsultation mit dem Kampfgericht wurde das Spiel mit Freiwurf für Magdeburg fortgesetzt. Eine überaus harte Entscheidung. Lemgos Trainer Florian Kehrmann und große Teile der Halle waren außer sich.

"Gänsehaut"

Doch Bennet Wiegert, Profiteur der kuriosen Szene, behielt die Übersicht - und nahm eine besondere Auszeit: "Männer, hört mir zu", sagte der Erfolgstrainer zu seinem Team und fuhr fort: "Ich verschenke jetzt eine Auszeit für uns. Wir geben den Ball zurück und gehen in die Verteidigung." Magnus Saugstrup, Kreisläufer der Magdeburger und Kapitän von Serienweltmeister Dänemark, nickte zu den Worten seines Trainers vehement. Anschließend übergab Saugstrup den Ball tatsächlich an die Lemgoer - die im anschließenden Angriff zum 12:11 trafen. "Das ist geil", sagte Hens, "Gänsehaut!"

Magdeburg glich zwar noch einmal aus, lag aber wenig später schon zur Halbzeit 15:16 zurück. Am Ende eines für den so erfolgsverwöhnten SCM so unglaublich enttäuschenden Wochenende durfte Lemgo einen deutlichen Sieg und Platz drei beim Finalturnier bejubeln. Dafür kassieren die Westfalen eine Prämie von 120.000 Euro, Magdeburg verlässt Köln mit 30.000 Euro weniger. Ähnlich wertvoll dürfte für Lemgo das direkte Achtelfinalticket für die kommende Pokalsaison sein. Der SC Magdeburg muss durch die Niederlage eine Runde eher einsteigen und im vollgepackten Terminkalender ein Spiel mehr unterbringen.

Wiegert machte aus seiner Gefühlswelt unterdessen keinen Hehl: "Wenn man so ein Wochenende spielt, dann zieht das nicht an einem vorbei. Das wird sich auch noch mehrere Wochen in mir ausleben. Es gilt, es zu verarbeiten", sagte der Ex-Profi. Ein Erfolg im kleinen Finale hätte aus seiner Sicht "vielleicht ein bisschen für Befreiung gesorgt. Dem ist jetzt nicht so." Dem SCM bleiben in dieser Saison noch zwei Titelchancen. In der Bundesliga führt Magdeburg das Klassement mit sieben Punkten Vorsprung auf die SG Flensburg-Handewitt an. In der Champions League trifft der Titelverteidiger am 29. April im Viertelfinal-Hinspiel auf Pick Szeged.

Quelle: ntv.de, ter