Sport

Schlaganfall mit nur 36Ex-Bundesliga-Profi tot

21.10.2004, 13:19 Uhr

Im Alter von nur 36 Jahren ist der ehemalige Fußball-Profi Andreas Sassen gestorben. Seine Zeit als Kicker wurde von zahlreichen Eskapaden überschattet.

Der ehemalige Bundesliga-Profi Andreas Sassen ist am Sonntag im Alter von nur 36 Jahren in der Essener Uni-Klinik an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Sassen bestritt als Mittelfeldspieler im Fußball-Oberhaus 79 Einsätze für Bayer Uerdingen, den Hamburger SV und Dynamo Dresden.

Er galt einst als großes Talent und wurde sogar als möglicher Nationalspieler gehandelt - doch nach zahlreichen Alkoholeskapaden und Strafanzeigen außerhalb des Platzes beendete er seine Fußballer-Karriere eher still und leise bei der SG Wattenscheid 09. Am Wochenende verlor Sassen auch seinen letzten Kampf und verstarb vereinsamt und allein.

Ein menschliches Drama

Es war das Ende einer menschlichen Tragödie - eines Spielers, der mit Ruhm und Reichtum nicht umgehen konnte und dessen Karriere viel zu schnell endete.

Skandale säumten seinen Weg. Bereits 1989, als Sassen seine Profi-Laufbahn in seiner Heimatstadt bei Rot-Weiß Essen begann, wurde dies deutlich: Nach einer Zechtour mit Mario Basler wurde er mit 1,9 Promille im Blut am Steuer erwischt. Der Führerschein war weg. "Ich habe noch nie den Führerschein verloren, ich habe gar keinen", posaunte Sassen damals.

Der Alkohol – sein ständiger Begleiter

1993, mittlerweile bei Bayer Uerdingen unter Vertrag, leistete er sich den nächsten Ausrutscher. Mitten im Abstiegskampf unternahm er eine feuchtfröhliche Alkoholtour mit Sergej Gorlukowitsch. Diesmal war der Russe seinen Führerschein los und Sassen wurde mit einer vierteljährlichen Suspendierung bestraft.

Auf dem Platz wurde der Aufstieg des begnadeten Fußballers aber nur kurzzeitig unterbrochen. Im Sommer 1993 wechselte er zum Traditionsklub Hamburger SV. Dort wurde Sassen auf Anhieb zum Stammspieler. Der Klub jubelte schon über den "Volltreffer", jedoch wurde die Freude durch einen neuerlichen Fauxpas Sassens jäh getrübt. Mit der fast schon legendären Taxi-Affäre beförderte sich der Kicker selbst ins Abseits.

"Fahr schneller, Ali"

Nach einer durchzechten Nacht mit Harald Spörl auf der Reeperbahn kam es im Taxi zum Eklat. "Fahr schneller, Ali", ließ Sassen den türkischen Taxifahrer wissen. Als dieser daraufhin nicht sehr humorvoll reagierte, kam es zu einer Schlägerei. Eine Strafanzeige, eine Abmahnung vom Klub sowie eine Geldstrafe in Höhe von 12.500 Mark waren die teure Rechnung. Bereits ein Jahr später verließ der Mittelfeldspieler die Hamburger, der Schlachtruf "Taxifahrn mit Sassen" ist dagegen noch heute in der HSV-Nordkurve zu hören.

Sassen zog es im November 1994 weiter zu Dynamo Dresden und sorgte auch dort für Skandale. Für 700.000 Mark Ablöse gekommen, wurde er schon nach 13 Tagen wieder suspendiert. Nächtliche Diskothekenbesuche, geschwänzte Trainingseinheiten, dazu ein Autounfall als Beifahrer von Ersatztorhüter Marc Schwarzer unter Alkoholeinfluss – Trainer Horst Hrubesch hatte schnell die Nase voll. Sassen wurde noch einmal begnadigt, doch als er im Frühjahr 1995 häufiger in der Kneipe als auf dem Trainingsplatz gesichtet wurde, war auch dieses Kapitel endgültig beendet.

Rückzug in die Ukraine

Was folgte, war die Flucht in die Ukraine zu Dnjpr Dnjpropetrowsk, wo ihn keiner kannte, bis ihm Zweitligist Wattenscheid 09 eine neue Chance in der Heimat gab. Doch im Trainingslager an der Algarve im Februar 1996 folgte der nächste Eklat: Der gebürtige Essener brannte mit einem niederländischen Barmädchen durch, war tagelang spurlos verschwunden, und die Mannschaft musste ohne ihn nach Hause reisen. Daheim wartete Ehefrau Petra mit dem gerade erst neun Wochen alten Sohn.

Damit war die Karriere des Andreas Sassen endgültig vorbei. Sassen wurde entlassen. So fand seine Fußball-Laufbahn nach 79 Bundesliga- und 48 Zweitligapartien ein unrühmliches Ende. Nicht beendet waren hingegen seine immer häufiger werdenden Abstürze. "Ich habe alles versoffen und verzockt", sagte Sassen einmal.

In den letzten Jahren war es still um das einstige Wunderkind geworden. Der als "Wodka-Sassen" berühmt-berüchtigte Ex-Kicker hielt sich zuletzt mit Hilfsarbeiterjobs über Wasser.