Fußball-WM 2019

Löbliche Notbremse bei der WM Weniger Elfmeter-Irrsinn, mehr fairer Fußball

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Daumen hoch für die Entscheidung von Fifa und Ifab.

(Foto: dpa)

Aufatmen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich: Die Drohkulisse beim Elfmeterschießen wird abgeschwächt. Die Entscheider von Ifab und Fifa ziehen die Notbremse, damit der Sport nicht zur Komödie verkommt. Die Bundestrainerin und "Collinas Erben" loben die Entscheidung.

Im Fußball gibt es immer mal wieder Wunder. Normalerweise aber nicht in Verbindung mit der Fifa. Vor allem Kritik perlt am Fußball-Weltverband einfach ab. Doch die seit dem 1. Juni geltende Elfmeter-Regelung war - so wie sie bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich gehandhabt wird - sogar ihm zu umstritten. Und so haben die Regelhüter des "International Football Association Board" (Ifab) auf Bitten der Fifa beschlossen: Die Gelb-Sanktionierung wird zumindest in Teilen ausgesetzt. Das ist löblich und die richtige Entscheidung.

Es bedeutet vor allem eins: Aufatmen vor der K.-o.-Runde. Würde das deutsche Team am Samstag (17.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Achtelfinale gegen Nigeria ins Elfmeterschießen müssen, hätte Torfrau Almuth Schult zumindest eine Sorge weniger. Sie würde nicht mehr mal eben mit Gelb-Rot vom Platz fliegen können. Der Entscheidung zufolge werden die Videoassistenten die korrekte Position der Torfrau mit einem Fuß auf der Linie weiterhin kontrollieren, aber "nur" noch mit der Wiederholung des Elfmeters sanktionieren. Die Torhüterin bekommt nicht mehr automatisch die gelbe Karte. Das bedeutet: Almuth Schult und ihre Kolleginnen können nicht mehr potenziell nach dem zweiten Elfmeter mit Gelb-Rot vom Platz fliegen.

"Fifa war sich über Konsequenzen nicht im Klaren"

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"Da ist ein bisschen die Notbremse gezogen worden", sagt n-tv.de Schiedsrichter-Experte Alex Feuerherdt von "Collinas Erben" und erklärt: "Ich kann mich an kein großes Turnier erinnern, bei dem während der Spiele die Regeln geändert wurden." Seiner Meinung nach zeige dieser Entschluss zweierlei: "Erstens, dass sie sich bei der Fifa über die potenziellen Konsequenzen dieser strengen Auslegung nicht im Klaren waren. Zweitens, dass ihnen bewusst geworden ist, wie das Echo ausfallen würde, wenn im Elfmeterschießen eine Torhüterin vom Platz flöge. Erstaunlich genug, denn das lag eigentlich auf der Hand."

Eine Sorge, die auch die deutsche Mannschaft beschäftigte. "Wie sieht das erste Elfmeterschießen hier bei der WM aus in der K.-o.-Phase? Wie lange stehen wir auf dem Platz? Wird jeder Elfmeter wiederholt und was passiert dann?", fragte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. "Ganz ehrlich, ich hoffe, dass wir nicht in die Situation kommen." Im Team wurde sogar schon diskutiert, wer sich denn bei einer Bestrafung Schults ins Tor stellen würde. Das Ergebnis: "Poppi hat sich schon angemeldet", so Verena Schweers über Kapitänin Alexandra Popp.

"Mehr Freiheit im Kopf"

Das Ifab begründet die Entscheidung - die ausdrücklich nur für Elfmeterschießen und nicht für Elfmeter während der regulären Spielzeit gilt - damit, dass die Abschreckung durch die Kontrolle des Videoassistenten ausreiche. Mit der korrekten Auslegung der Regel würde eine Verzerrung des Elfmeterschießens befürchtet. Zuvor hatte Bundestrainerin Voss-Tecklenburg über die Regel gesagt: "Demnächst können wir der Torhüterin ein Bein anbinden." Nun, das wäre natürlich auch weiterhin eine machbare Möglichkeit - der Elfmeter wird bei Missachtung der Regel ja weiterhin wiederholt. Aber die Aussetzung der Sanktionierung "gibt den Torhüterinnen mehr Freiheit im Kopf", so Voss-Tecklenburg.

"Es ist gut und richtig, dass es wenigstens im Elfmeterschießen keine Verwarnung mehr gibt, wenn die Torhüterinnen fünf Zentimeter vor der Linie sind und der Ball nicht ins Tor geht", so Feuerherdt. "Die Bestrafung war vor allem angesichts eines drohenden Feldverweises im Wiederholungsfall unverhältnismäßig. Man hätte darauf allerdings schon vorher kommen können, wenn man die Schiedsrichter schon verpflichtet, die Regelung ab sofort streng auszulegen." Und so ist es bewundernswert, dass die Schiedsrichter ab sofort von dieser Art der Bestrafung entbunden werden. Der Elfmeter-Wahnsinn hätte die WM sonst zu einer Komödie verkommen lassen.

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Quelle: n-tv.de

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