Sport

Israel in Schweden unwillkommen Gaza auf dem Tennisplatz

Ganz leer war die Halle dann doch nicht. 300 Menschen haben sich die Auftaktspiele der Davis-Cup-Partie Schwedens gegen Israel angesehen. Medienvertreter, Sponsoren und geladene Gäste. Nur Fans waren nicht in der Baltic-Halle in Malmö. 3700 Tribünensitze bleiben leer. Sie waren nicht willkommen. Und die israelischen Spieler auch nicht.

Dafür waren 1000 Polizisten und 2000 Demonstranten vor der Halle, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Die Demonstranten waren da, um gegen den Staat Israel und seine Kriegsführung im Gaza-Streifen zu protestieren. Das hatten sie Wochen vorher angekündigt. "Stoppa Matchen" – stoppt die Spiele – heißt das Motto. Der Stadtrat Malmös hatte mit der Mehrheit aus Sozialdemokraten und Linkspartei daraufhin beschlossen, die Davis-Cup-Begegnung ohne Publikum stattfinden zu lassen. Es gebe ein zu hohes Risiko für Mitarbeiter, Spieler und Organisatoren. Das legt nahe, dass die Demonstranten das Problem sind – und nicht die israelischen Tennispieler.

Zumindest haben einige der Protestierer am Samstag randaliert – Angehörige der Autonomen-Szene, wie die Agenturen melden. Wie die Polizei in Malmö mitteilte, attackierten kleine Gruppen aus einem Demonstrationszug Beamte mit Steinen und Leuchtraketen. Fünf von ihnen wurden festgenommen, nachdem sie auf das Dach der Halle gelangt waren.

"Provokation für die in Malmö lebenden Araber"

Auch Malmös sozialdemokratischer Bürgermeister, Ilmar Reepalu, unterstützt den Protest. Gegen die israelischen Tennisspieler, nicht gegen die Randalierer. Er weiß, dass in seiner Stadt eine große arabische Gemeinschaft gibt. Und er sorgt sich auch nicht so sehr um die Sicherheit, sondern macht deutlich, worum es wirklich geht. Der Lokalzeitung "Sydsvenskan" sagte er: "In dieser Situation solle überhaupt kein Match gegen Israel gespielt werden." Die Aggression im Gaza-Streifen sein von Israel ausgegangen. Die Davis-Cup-Partie bezeichnete er als "Provokation für die in Malmö lebenden Araber".

Was er nicht sagte: Die Entscheidung des Stadtrats ist eine Provokation für die israelischen Tennisspieler. Immerhin kommentierte "Sydsvenskan", die Demokratie habe in Malmö gegen den "Mob auf der Straße" verloren.

Der Mob sitzt im Rathaus

Das Problem scheint aber zu sein, dass der Mob auch im Rathaus sitzt. Doppelspezialist Andy Ram sagte dann gegenüber der ARD auch, was er davon hält – nämlich nichts. "Ich halte das für eine falsche Entscheidung, die anderen Ländern als Vorbild dienen kann, ähnlichen Blödsinn zu verzapfen." Auch Israels Verbandschef Michael Klein kritisierte die schwedische Entscheidung: ""Es ist ein schrecklicher Fehler, Sport und Politik auf diese Weise zu vermengen".

Und was sagt der Tennisweltverband ITF, der den Davis Cup organisiert, dazu, dass schwedische Lokalpolitiker gegen israelische Spieler hetzen und aus politischen Gründen die Zuschauer aussperren? Er übt sich in Diplomatie. Zwar kritisierte Sprecher Nick Imison die Entscheidung, betonte aber, dass der Verband daran nichts ändern könne. "Unter diesen schwierigen Umständen ist es wichtig, dass die Matches überhaupt stattfinden." Vielleicht sagt er das vor dem Hintergrund, dass eine israel-feindliche Gesinnung im Tennis nicht ganz neu ist. Vor einigen Wochen konnte die Spielerin Shahar Peer nicht am Turnier in Dubai teilnehmen. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten ihr das Visum verweigert – weil sie Israelin ist.

Ach ja. Schweden führt nach dem Doppel am Samstag mit 2:1.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.