Italiens Fußball-SkandalMoggi und Komplizen angeklagt
Luciano Moggi, ehemaliger Manager von Juventus Turin, soll in der Saison 2004/2005 mit Hilfe korrupter Schieds- und Linienrichter 29 Erst- und ein Zweitligaspiel manipuliert haben.
Italiens gestürztem "Fußball-Paten" Luciano Moggi und seinen Komplizen wird im italienischen Liga-Manipulationsskandal der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft Neapel hat Anklage gegen den ehemaligen Manager von Rekordmeister Juventus Turin und 36 weitere Club- und Verbandsfunktionäre, Schieds- und Linienrichter und einen Journalisten erhoben. "Big Luciano" soll mit seiner von italienischen Medien als "Fußball-Mafia" bezeichneten "Cupola" in der Saison 2004/2005 29 Erst- und ein Zweitligaspiel manipuliert haben. "Jetzt kann ich mich endlich verteidigen", sagte der am Dienstag 70 Jahre alt gewordene Moggi. Er gehe "voller Zuversicht" in den frühestens im Herbst beginnenden Prozess.
Moggi und 19 weiteren Personen wird Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zum Sportbetrug, 17 weiteren Angeklagten Beihilfe zum Sportbetrug zur Last gelegt, berichtete die "La Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. Moggi und den Hauptdrahtziehern drohen Haftstrafen. Zu ihnen zählen Juves Ex-Geschäftsführer Antonio Giraudo, der ehemalige Vize-Präsident des italienischen Fußballverbandes (FIGC) Innocenzo Mazzini, die beiden früheren Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Pierluigi Pairetto sowie der kurz vor der WM 2006 in Deutschland aus dem Verkehr gezogene Star-Schiedsrichter Massimo De Santis. Auch Lazio Roms Präsident Claudio Lotito und der Florentiner Clubchef Diego Della Valle sind angeklagt.
Zehn der insgesamt 48 Ermittlungsverfahren wurden dagegen eingestellt. 14 Erst- und Zweitligisten listeten die Staatsanwälte Filippo Beatrice und Giuseppe Narducci als "Geschädigte" auf. Auch der italienische Staat, das Nationale Olympische Komitee (CONI), der FIGC, die Fußballliga und das italienische Staatsfernsehen RAI könnten in einem Prozess als Nebenkläger auftreten. Im Falle einer Verurteilung kommen auf Moggi und seine Komplizen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe zu.
Mit dem nun anstehenden Zivilprozess findet der größte Manipulationsskandal im italienischen Fußball seinen Abschluss. Vor dem FIGC-Sportgericht waren Moggi und seine Komplizen bereits im vergangenen Sommer zu langen Berufsverboten und Geldstrafen verurteilt worden. Den Clubs der Betrüger kamen die Machenschaften ihrer Funktionäre teuer zu stehen: Juve wurde sogar zum Zwangsabstieg in die Serie B verurteilt, aus der der Club den sofortigen Wiederaufstieg in die Serie A schaffte.
Moggi hatte offenbar die Liga mit einem mafiösen System überzogen. Über von ihm eigens verteilte Geheim-Telefone mit Schweizer Nummern gab er seine Anweisungen an Schiedsrichter-Koordinatoren und Schiedsrichter. Diese sollen nicht nur Juve und befreundete Clubs begünstigt, sondern auch Juves Konkurrenten geschwächt haben, in dem sie durch Gelbe und Rote Karten die Stars der zukünftigen Juve-Gegner schon in vorhergehenden Spielen aus dem Verkehr zogen. Schiedsrichter Gianluca Paparesta lieferte als Kronzeuge wichtige Beweise.
Zusammen mit seinem Sohn Alessandro steht Moggi bereits in Rom vor Gericht. Dort wird ihm vorgeworfen, über die Spielervermittlung GEA Spieler zur Transfers und Beraterverträgen genötigt zu haben. Der Prozess wird am 29. Dezember mit dem Verhör von über 400 Zeugen, darunter Weltmeistertrainer Marcello Lippi und Nationalelf-Kapitän Fabio Cannavaro, fortgesetzt.