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DDR-Doping-Opfer Pilotprozess König

Am Freitag beginnt vor dem Landgericht in Frankfurt am Main der Prozess der DDR-Schwimmerin Karen König gegen das Nationale Olympische Komitee (NOK). Wegen der Dopingpraxis in der DDR erlittener gesundheitlicher Schäden klagt die Ex-Europameisterin auf mehr als 10.000 Euro Schadenersatz.

Der Prozess hat einen wegweisenden Charakter. Es wird dabei um mehr gehen, als die Schadensersatzforderung Königs. Gewinnt die Klägerseite ist damit ein rechtlicher Rahmen für Anschlussklagen geschaffen. 137 DDR-Doping-Opfer könnten in einer Sammelklage Schadensersatz einklagen. Das NOK wäre dann finanziell in seiner Existenz bedroht.

"NOK muss Verantwortung übernehmen"

"Von Anfang an ist es das Bestreben von Frau König und ebenso von unserer Seite gewesen, anderen schwer geschädigten ehemaligen Athleten einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, damit auch sie ihre Ansprüche geltend machen können. Der Aufwand eines solchen Verfahrens ist so groß, dass die Mühen nicht nur wegen der Ansprüche einer einzigen Person unternommen wurden", sagt König-Anwalt Jens Steinigen.

Aber warum soll das NOK für entstandene Schäden aufkommen? "Das NOK von Deutschland hat vom NOK der DDR das Vermögen und das Haben übernommen, also muss es auch für das Soll geradestehen. Mit dem Vermögen des NOK der DDR wurde zugleich die Verantwortung für die negativen Folgen der Dopingpraxis übernommen", erklärt Steinigen.

"NOK ist der falsche Adressat"

NOK-Rechtsbeistand Günter Paul zeigt Verständnis für die Doping-Opfer, ist aber überzeugt, dass die Klage gegen das NOK abgewiesen wird. "Was hat das NOK von Deutschland mit der Dopingpraxis in der DDR zu tun", fragt er sich. "Die Schädigungen der Sportler wurden durch den Staat DDR verursacht. Das NOK ist aber keineswegs Rechtsnachfolger des Staates DDR. Wir haben viel Verständnis und auch Mitleid mit den Opfern des DDR-Dopings und wollen auch, dass ihnen geholfen wird, aber wir sind der falsche Adressat."

Behält das NOK die Oberhand, kann es den wirtschaftlichen Kollaps abwenden. Die Hoffnung des Vereins Doping-Opfer-Hilfe (DOH) und vielen ehemaligen DDR-Sportlern wäre aber zunichte gemacht. NOK-Präsident Klaus Steinbach sieht darin kein Problem. Er vertritt den Standpunkt, dass alle Doping-Opfer mit dem von der Bundesregierung aufgelegten, mit zwei Mio. Euro ausgestatteten Hilfsfonds ausreichend versorgt wurden.

Die Vertreter beider Seiten gehen von einem langwierigen Prozess durch mehrere Instanzen aus. "Eine grundsätzliche Entscheidung wird es wahrscheinlich erst im Frühjahr oder im Sommer nächsten Jahres geben", sagt Steinigen.

Quelle: n-tv.de