Der Sport-TagEiskönigin Kati Witt über verstorbene Trainerin: "Hat Demütigung nie verwunden"
Die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt spricht in einem Interview in der aktuellen Ausgabe des "ZEITmagazins" über Leistungssport in der ehemaligen DDR sowie über das harte Training unter ihrer kürzlich verstorbenen Trainerin Jutta Müller. "Natürlich war unser Leistungssportsystem brutal, weil man so schnell aussortiert werden konnte", sagt Witt im Interview. "Diese Form der Auslese war gnadenlos, es ging von Beginn an immer nur um Leistungssport."
Die Härte ihrer Trainerin Müller wertet Witt als Disziplin: "Ich habe kein einziges Mal erlebt, dass sie sich hat gehen lassen. Aber weil ich selbst ein klares Ziel hatte, habe ich ihre Strenge ganz selbstverständlich hingenommen."
Jutta Müller war in den Siebziger- und Achtzigerjahren die erfolgreichste Eiskunstlauftrainerin der Welt, sie machte Witt zu einem Weltstar. Mit der Wiedervereinigung verlor Müller ihren Job. Witt erinnert sich: "Die Demütigung, die ihr durch die damalige Eislauf-Union zugefügt wurde, hat sie nie verwunden. Mir schien es, als hätte unter den westdeutschen Sportfunktionären eine Mentalität des Abrechnens geherrscht. Die DDR-Sportler waren vor der Wiedervereinigung meistens diejenigen, die gewannen. Jetzt konnten sie ihre Position nutzen, um sich selbst endlich wie 'Sieger' aufzuführen."
Witt sagt weiter: "Damals ist zur Wendezeit einfach viel zu viel falsch gelaufen, mit viel zu vielen Menschen, deren Lebensleistungen mit Füßen getreten wurden."