Fußball

Pfostenbruch vom Bökelberg Als niemand traf und trotzdem ein Tor fiel

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Da hilft auch kein Anpacken: Das Tor ist hin.

(Foto: picture-alliance / Sven Simon)

Vor 50 Jahren fällt auf dem Bökelberg in Gladbach ein Tor, das den Spielstand nicht beeinflusst. Der Vorfall aber landet flugs in den Geschichtsbüchern der Bundesliga - und sorgt für eine Materialrevolution. Ein Mythos, der vielfältig in die Gegenwart ausstrahlt.

Die Fans von Borussia Mönchengladbach sprechen gerne von einem Mythos im Hinblick auf ihren Klub. Ein Datum, das fest damit verbunden wird, ist der 3. April 1971. Am Samstag jährt sich zum 50. Mal ein Ereignis, das jeder Borussen-Anhänger kennt - egal, ob er damals überhaupt schon gelebt hat, oder nicht: Der Pfostenbruch vom Bökelberg. X-fach schon hat Herbert Laumen die Geschichte von damals erzählt, die einen festen Platz in der ereignisreichen Geschichte der Borussia hat.

"Ein Spektakel" sei das gewesen, erzählt der heute 77-Jährige. Laumens Borussia spielte um die Meisterschaft, Gladbachs damaliger Gegner Werder Bremen gegen den Abstieg. In der Schlussphase beim Stand von 1:1 wurden die Gladbacher Angriffe wütender. Günter Netzer schlug eine Flanke in den Strafraum, die Werders Keeper Günter Bernard über die Latte lenkte. Laumen jedoch flog mit Wucht heran, landete im Netz und fühlt sich dort "wie ein Fisch", der hernach ziemlich perplex dreinschaute.

"Plötzlich sah ich, wie der linke Torpfosten brach. Ich hab' mich blitzschnell geduckt, hörte nur noch ein Krachen und das Riesengelächter in der Nordkurve", sagte Laumen. Denn das Tor kippte. Der linke Pfosten war morsch und knickte weg. "Brechen sie ab", forderte Netzer den Schiedsrichter auf. Die Gladbacher spekulierten auf eine Spielwiederholung und einen späteren Sieg. "Das war höhere Gewalt. Es ist wohl eindeutig, dass wir nochmal gegen Bremen spielen werden", sagte Netzer, der in der Kabine Interviews gab.

Auch Aluminium ist nicht unzerstörbar

Über die turbulenten Szenen nach dem Pfostenbruch gab es in der Tat unterschiedliche Beobachtungen. Die Bremer warfen den Borussen Untätigkeit vor. Zu einfach sei deren Absicht einer Spielwiederholung gewesen. Werder hingegen wäre mit dem Punkt im Kampf gegen den Abstieg sehr glücklich gewesen und wollte unbedingt weiter spielen. Tatsächlich wurde die Partie vom unerfahrenen Unparteiischen Gerd Meuser schließlich abgebrochen. Doch die Hoffnung der Gladbacher erfüllte sich nicht. Das Spiel wurde Ende April 1971 schließlich mit 2:0 für Werder gewertet.

Dass Gladbach am Ende aber doch den Meistertitel verteidigte, trug viel zur Symbolik für den Klub bei. "Für uns war das eine Genugtuung", sagte Laumens damaliger Mitspieler Horst Köppel zur letztlich errungenen zweiten Meisterschaft des Klubs. "Alles andere wäre ja auch eine Farce gewesen", befand Laumen. Auch kurios: Zum Zeitpunkt des Vorfalls hatte Laumen den Bremern bereits seine Zusage zum Wechsel gegeben. Doch Werder und Laumen, das passte nicht so recht zusammen. "Ich wurde nicht glücklich in Bremen, hatte dort in zwei Jahren exakt fünf Trainer, weitaus mehr als in meiner restlichen Profizeit", sagte Laumen dem Internetportal "Deichstube". Der Angreifer spielte anschließend noch für den 1. FC Kaiserslautern und den FC Metz in Frankreich.

Auch für die Bundesliga war der Vorfall eine Zäsur. In der darauf folgenden Spielzeit gab es keine hölzernen Torpfosten mehr. Sie bestanden fortan aus Aluminium. Dass auch diese Tore freilich umfallen können, zeigte sich 27 Jahre nach dem Pfostenbruch vom Bökelberg im Estadio San Bernabéu in Madrid bei Reals Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund. Am 1. April 1998 kam es erneut zu einem "Torfall".

Quelle: ntv.de, Carsten Lappe, dpa

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