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Sport
Nicht willkommen in Abu Dhabi: Dan Mori.
Nicht willkommen in Abu Dhabi: Dan Mori.(Foto: dpa)
Dienstag, 07. Januar 2014

Dan Mori ist Israeli - und darf nicht nach Abu Dhabi: Fußballklub beugt sich Diskriminierung

Von Stefan Giannakoulis

Fußballprofi Dan Mori darf nicht mit seinem Klub ins Trainingslager nach Abu Dhabi - weil er Israeli ist und die Arabischen Emirate ihm das Visum verweigern. Seinen Verein stört das wenig, schließlich scheint dort die Sonne. Ein Skandal.

Man stelle sich vor, die Fußballer des FC Bayern fliegen nach Katar, um sich dort auf die Rückrunde der Bundesliga vorzubereiten. Muss man sich gar nicht vorstellen, sie sind dort. Nun stelle man sich aber vor, Philipp Lahm zum Beispiel hätte zu Hause in München bleiben müssen. Weil er Deutscher ist oder aus irgendeinem anderen willkürlichen Grund. Jedenfalls hätten die Katarer dem Kapitän der deutschen Nationalelf kein Visum gewährt. Das kann man sich nicht ausmalen, das wäre ein Skandal. Es ist aber passiert. Zumindest so ähnlich.

Nur hat es nicht Philipp Lahm, sondern Dan Mori getroffen. Der 25 Jahre alte Profi wollte mit seiner Mannschaft, dem niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim, nach Abu Dhabi ins Trainingslager. Doch die Vereinigten Arabischen Emirate verweigerten ihm 24 Stunden vor der Abreise das ursprünglich zugesagte Visum - weil er Israeli ist. Die Emirate erkennen, wie das Nachbarland Katar, den Staat Israel nicht an und verweigern diplomatische Beziehungen. Die Arnheimer spielen nun in Abu Dhabi ohne Dan Mori heute gegen den VfL Wolfsburg und am Freitag gegen den Hamburger SV. Zu Hause zu bleiben und sich solidarisch zu zeigen, das war für den Verein und seine Gegner offenbar keine Option.

Warum, das begründete Vereinssprecherin Esther Bal im Interview mit der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Radio 1 so: "Wir mischen uns nicht in politische und religiöse Fragen ein." Auch der niederländische Fußballverbands KNVB redet sich raus: "Es ist vor allem eine politische Frage. Es ist Sache eines Vereins, zu bestimmen, wo ein Trainingslager abgehalten wird. Das steht jedem Klub frei. Wir haben damit nichts zu tun."´

Da ist sie wieder, die alte Mär vom unpolitischen Sport, frei nach dem Motto: Augen zu und durch. Das Trainingslager ist für Vitesse Arnheim wichtig, in der Tabelle der Eredivisie steht der Klub punktgleich mit Spitzenreiter Ajax Amsterdam auf dem zweiten Platz. Bal machte auch gar kein Hehl daraus, worum es geht: "Gute Unterkunft, gute Spielfelder, gute Gegner und gutes Wetter", sagte sie der Berliner "Tageszeitung". Dan Mori selbst soll, wie der Verein mitteilt, dafür gestimmt haben, dass die Mannschaft ohne ihn fliegt. Der Spieler trainiert derweil mit dem Nachwuchs des Klubs in den Niederlanden. So weit, so schlecht.

Sport ist nicht politisch. Oder?

Das Problem der systematischen Diskriminierung israelischer Sportler auf der arabischen Halbinsel ist damit nicht aus der Welt. Also in jenen Ländern, die sich der Welt so gerne weltoffen und liberal präsentieren würden und viel Geld dafür ausgeben, Sportveranstaltungen ausrichten zu dürfen: Reitturniere, Tennis-Events, Motorrad-Grand-Prix, Rad-Rundfahrten. 2014 ermitteln die Schwimmer ihre Kurzbahn-Weltmeister in Doha, ein Jahr später findet die Handball-WM der Männer dort statt. Für 2016 wurde die Straßenrad-WM an Katar vergeben. Und 2022 sollen dort die Fußballer ihren Weltmeister ermitteln.

Erst Ende Oktober hatte der Weltschwimmverband Fina Katar und die Emirate verwarnt. Anlass waren Vorfälle bei den Kurzbahn-Weltcups in Dubai und Doha. Augenzeugen hatten berichtet, dass eine Siegerehrung ausgefallen sei, damit der Hallensprecher den Namen Israel nicht aussprechen musste. Aus diesem Grund war auch der Name des Staates bei der Fernsehübertragung nicht eingeblendet worden, ebenso wenig auf der Videowand. In Doha wurde die israelische Flagge aus der Reihe der Fahnen vor dem Stadion entfernt. Grundsätzlich aber lässt auch die Fina verlauten: "Unsere Politik ist es, sich nicht in interne Angelegenheiten der Gastgeber einzumischen", wie es Generaldirektor Cornel Marculescu formulierte. Klingt wie: Wir haben damit nichts zu tun. Und ist auch wohl so gemeint.

In Israel wundert die wachsweiche Haltung kaum jemanden. Die Sache mit Dan Mori ist den führenden Medien gerade einmal eine kleine Meldung wert. Auch in den sozialen Medien hält sich die Empörung in Grenzen. So schreibt ein Sportfan aus Tel Aviv auf Facebook: "Uns überrascht es nicht, dass die meisten arabischen Staaten israelische Präsenz in ihren Ländern nicht ausstehen können. Nur die Europäer überrascht das. Den Europäern fehlt das Verständnis für die Realität der Beziehungen zwischen Arabern und Israelis. Die jungen Politiker sind Fans der Araber und sehen ihre Mängel nicht. Ein romantisches und meiner Meinung nach idiotisches Verhältnis."

In den Niederlanden schlägt der Fall höhere Wellen. Auf Twitter & Co. ist die Empörung groß. Doch offiziell klar positioniert hat sich bisher nur der christdemokratische Abgeordnete Pieter Omzigt: "Vitesse ist ein Klub ohne Rückgrat, wenn er so etwas akzeptiert und einfach nach Abu Dhabi reist". Immerhin: Das niederländische Parlament will sich in den nächsten Tagen mit dem Fall beschäftigen. Esther Voet, die Direktorin des niederländischen Israel-Informations- und Dokumentationszentrum, spricht von einer "furchtbar kindischen Aktion" und plädiert für einen Protest bei den internationalen Fußballverbänden Fifa und Uefa. Vor allem aber sagt sie: "Ich bin neugierig, was das für die WM 2022 in Katar bedeutet, falls Israel sich qualifizieren sollte."

Quelle: n-tv.de