Fußball-WM 2018

Mexiko will Coup gegen Brasilien "Diese Weltmeisterschaft folgt keiner Logik"

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Mexikos neue Generation will bei der WM Geschichte schreiben.

(Foto: imago/Imaginechina)

Mit südkoreanischer Schützenhilfe zieht Mexiko in die K.-o.-Phase der Fußball-WM ein. Nun wartet Brasilien im Achtelfinale auf El Tri. Vor dem Spiel erklärt der mexikanische Journalist Luis Castillo, warum seine Landsleute an das nächste Wunder des DFB-Schrecks glauben.

Mit südkoreanischer Schützenhilfe zieht die mexikanische Nationalmannschaft hinter Schweden als zweiter der deutschen Gruppe F in die K.-o.-Phase der Fußball-Weltmeisterschaft ein. Nun wartet Brasilien um Superstar Neymar im Achtelfinale auf El Tri. Vor dem Spiel erklärt der mexikanische Journalist Luis Castillo im Gespräch mit n-tv.de, warum seine Landsleute an das nächste Wunder des DFB-Schrecks glauben.

n-tv.de: Waren Sie seit dem Einzug ins Achtelfinale schon koreanisch essen?

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Luis Castillo: Natürlich. Das tun wir jetzt nur noch. Wir lieben Südkorea. Wir waren von ihnen abhängig und sie haben unseren WM-Traum am Leben gehalten. Wir sind dem südkoreanischen Team sehr dankbar, dass es Deutschland geschlagen hat. Wir haben nicht daran geglaubt, dass das geschieht. Umso erleichterter ist das mexikanische Volk.

Wie ist die Stimmung in Mexiko?

Vor dem Spiel gegen Deutschland wussten wir, dass wir ein großartiges Team haben. Aber wir sind ein realistisches Volk. Wir wussten, dass wir in Russland nicht die besten sein würden. Das haben letztlich auch unsere drei sehr unterschiedlichen Spiele gezeigt. Aber nach dem Sieg haben wir gemerkt, dass wir Großes erreichen können. Bei dieser WM ist irgendwie alles anders. Große Teams wie Spanien oder Deutschland schaffen es nicht, herausragende Spiele zu machen.

Das ist der mexikanischen Mannschaft auch nicht immer gelungen. Gegen Schweden gab es sogar eine 0:3-Niederlage.

Dass die Gruppe so eng ausgeht, haben wir ehrlich gesagt nicht erwartet. Es fängt damit an, dass wir mit einer 0:6-Klatsche gegen Deutschland gerechnet haben. Gegen Südkorea haben wir einen Sieg einkalkuliert. Beim Spiel gegen Schweden haben die meisten auf ein Unentschieden getippt. Aber bis auf den Sieg gegen Südkorea lagen wir mit unseren Erwartungen daneben. Nach dem Sieg gegen Deutschland haben wir gedacht: "Was ist denn hier los?"

War Deutschland der schwächste Gruppengegner?

Nein, auf gar keinen Fall. Der Sieg gegen Deutschland war hart erkämpft. Trotzdem ist irgendetwas merkwürdig. Wir verstehen nicht, was in der deutschen Nationalmannschaft abgeht.

Das verstehen wir Deutschen auch nicht so recht. Sprechen wir lieber wieder über die mexikanische Nationalmannschaft. Warum ist das Team so stark?

Wir sind gar nicht so stark. Das hat uns das Schweden-Spiel vor Augen geführt, in das wir mit großen Erwartungen gestartet sind. Nach den drei Toren wurde uns bewusst, dass wir auf dem Boden bleiben sollten. Trotzdem: Wir sind nun eines der letzten 16 Teams und bei diesem Turnier kann alles passieren. Diese Weltmeisterschaft folgt keiner Logik.

Nun wartet Brasilien. Haben die Mexikaner schon Angst vor der Fallsucht von Neymar?

Neymar ist gar nicht das Problem. Brasilien ist eben Brasilien. Sie spielen magischen Fußball und das wissen wir. Die Brasilianer sind großartig. Aber wir werden alles dafür geben, dass auch wir ein großartiges Spiel machen werden. Wir trauen uns gegen Brasilien eine ähnliche Leistung zu wie gegen Deutschland. Das wird super für jeden Zuschauer.

Worauf kommt es im Spiel gegen Brasilien an?

Wir erwarten eine gut aufgelegte brasilianische Mannschaft. Das macht aber nichts. Die meisten jungen mexikanischen Nationalspieler verdienen ihr Geld in Europa, wie fast alle Brasilianer auch. Sie kennen sich untereinander. Deshalb wissen die Mexikaner, wie sie gegen diese brasilianischen Fußballmaschinen spielen müssen. Wir werden ein großartiges Spiel machen - genauso wie gegen Deutschland.

Im olympischen Finale von 2012 hat El Tri die Seleção mit 2:1 besiegt und Neymar zum Weinen gebracht. Welche Rolle wird die Rivalität heute spielen?

Das ist nun nicht mehr so relevant. Wir haben eine neue Generation von Fußballern. Die jungen Spieler wollen ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben. Und das ganze Land ist davon überzeugt, dass ihnen das gelingen wird. Dann wird Neymar wieder weinen.

Wie geht das Spiel aus?

Es wird ein Sieg. Bei einer WM muss jeder geschlagen werden.

Und danach? Wird Mexiko der neue Weltmeister?

Selbstverständlich. Das haben wir im Gefühl. Und wir glauben daran. Wir brauchen endlich mal etwas Gutes in unserem Land. Momentan gibt es eine Menge Probleme in Mexiko. Unsere Wirtschaft ist labil und es gibt enorm viel Gewalt, Korruption und Armut. Dazu kommen die Präsidentschaftswahlen und die Attacken von Donald Trump. Wir wollen endlich mal wieder feiern. Und die Nationalmannschaft wird uns diese Freude schenken.

Mit Luis Castillo sprach Christoph Rieke

Quelle: n-tv.de

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