Fußball-WM 2018

DFB-Abturner im Schnellcheck Ohje, ohje, ohje

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Die DFB-Elf beendet ihre WM-Vorbereitung schließlich doch mit einem Sieg - ein Befreiungsschlag sieht aber anders aus.

(Foto: imago/MIS)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beendet im letzten Test vor der Nationalmannschaft ihre Sieglosserie. Gegen einen WM-Teilnehmer. Und sonst so? Wenig. Das ist erschreckend.

Worum ging’s denn eigentlich?

#zsmmn mit den deutschen Fans in Leverkusen wollte sich die Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw in WM-Form und in WM-Stimmung bringen. Die lahmende Offensive wollte sich gegen Saudi-Arabien Starthilfe holen und Abwehrchef Mats Hummels wähnte gar die Team-Moral in der BayArena versteckt.

Und, hat’s denn geklappt?

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Wurde mit Pfiffen empfangen: Ilkay Gündogan.

(Foto: REUTERS)

Ähmmm…, nein. Das klingt gegen den 67. der Fifa-Weltrangliste erstaunlich. Und so fühlte sich der Auftritt der deutschen Mannschaft tatsächlich auch an. Zwar beendete der 2:1 (2:0)-Erfolg gegen Saudi-Arabien offiziell die Serie von fünf sieglosen Spielen seit November, als Grund für emsige Vorratskäufe fürs Finalgrillen am 15. Juli taugt der Sieg aber so gar nicht.

Teams & Tore:

Deutschland: Neuer (46. Ter Stegen)- Kimmich (81. Ginter), J. Boateng (46. Süle), Hummels, J. Hector - Khedira, T. Kroos - T. Müller (74. Brandt), Reus (57. Gündogan), Draxler – Werner (62. Gomez); Coach: Löw
Saudi-Arabien: Al-Mayouf - Al-Shahrani, Os. Hawsawi (82. Al-Bulaihi), Om. Hawsawi, Al-Harbi (46. Al-Breik) – Otayf (75. Al-Mogahwi), Al-Jassim - Al-Faraj (Abdullah Al-Khaibari), Al-Shehri, Al-Dawsari (87. Bahebri) - Al-Muwallad (62. Al-Sahlawi); Coach: Pizzi
Tore: 1:0 Werner (8.), 2:0 Hawsawi (43./ET), 2:1 Al-Jassim (84.)
Zuschauer: 30.210 (BayArena Leverkusen)
Schiedsrichter: Slavko Vincic (Slowenien)

Der Ohje-ohje-ohje-Spielfilm

8. Minute, TOOOORRRRR FÜR DEUTSCHLAND, 1:0 Werner: Joshua Kimmich packt das Starthilfekabel aus. Wie einst Franz Beckenbauer – oder für die jüngeren Leser: wie einst Jérôme Boateng – diagonalisiert der Rechtsverteidiger des FC Bayern den Ball in die linke Strafraumhälfte der Araber, dort verwertet Marco Reus das Zuspiel perfekt für Timo Werner, der den Ball unter die Latte nagelt.
11. Minute: Nachdem Julian Draxler mit einem seiner hundert Übersteiger mal am Gegenspieler vorbeikommt, dann aber in die Arme von Torwart Abdullah Al-Mayouf flankt, hämmert Marco Reus den Ball nur Sekunden später aus 18 Metern an den Innenpfosten. Hier spielt eine Top-Nation gegen keine Top-Nation (Einschätzung von Team-Manager Oliver Bierhoff).
Minute 37: Sami Khedira steht da, wo Sami Khedira sonst nie steht: acht Meter vor dem gegnerischen Tor. Und Sami Khedira macht dort Sachen, die Sami Khedira sonst nie macht. Er knallt eine Flanke volley aufs Tor. Drin? Oh, nein. Der Schuss: einfach wegtitanisiert. Von Al-Mayouf, dem Teufelskerl aus der "Oliver Kahn International Academy."
43. Minute, TOOOORRRRR FÜR DEUTSCHLAND, 2:0 Os. Hawsawi: Werner flankt, Thomas Müller verwickelt Gegenspieler Osama Hawsawi in einen Zweikampf, der Araber trifft den Ball zuletzt, Tor, der Titan ist machtlos.
83. Minute, TOOOORRRRR FÜR SAUDI-ARABIEN, 2:1 Al-Sahlawi: Khedira steht im Strafraum, Taisir Al-Jassim findet das Bein des deutschen Sechsers, fällt, Elfmeter. Tor? Nein, der für Manuel Neuer zur zweiten Halbzeit geplant eingewechselte Marc-André ter Stegen pariert den schwachen Versuch von Mohammed Al-Sahlawi, gegen den Nachschuss von Al-Jassim kann er jedoch nichts mehr ausrichten.
90. Minute: Da ist die deutsche Katastr…, ähmmm, nein doch nicht, da sind Mats Hummels und Jonas Hector. Im Kollektiv klären sie einen Schuss des zuvor vom völlig alleingelassenen Al-Jassim bedienten Al-Sahlawi. Wie sie das gemacht haben? Irgendwie.

Das war gut

Im deutschen Spiel eigentlich nur die erste Viertelstunde. Da spielte der Weltmeister wie eine Mannschaft, die in Russland nun richtig Lust auf Titelverteidigung hat. Das Tor des sehr auffälligen Werner, der Pfostenschuss von Reus und noch ein Schlenzer von Khedira. Das war prima. Genauso euphorisch heften wir das Prima-Gütesiegel auch dem arabischen Schlussmann Al-Mayouf an. Der 31-Jährige, der tatsächlich vom deutschen Titan ausgebildet wird, zeigte nicht nur in Minute 37 – da allerdings sensationell – was er gelernt hat.

Das war nicht gut

Tja, irgendwie so einiges nicht. Fangen wir mit dem nicht ganz so Schlimmen an: Die Deutschen erspielten sich einige gute Chancen, nutzten aber nur zwei. Mal war der Saudi-Kahn gegen Khedira (37.) spektakulär im Weg, mal der Abschluss durch Draxler (50.) zu überhastet, mal durch Reus (11.) um Zentimeter zu ungenau und mal durch Müller (55.) viel zu eigensinnig. Das alles ist aber weniger Gesprächsthema, als die ständige Positionsabstinenz der Außenverteidiger Kimmich und Jonas Hector. Was boten die den Arabern für Lücken an! Das einzige Glück für die Beiden: Die Araber nutzten den Platz viel zu selten für gefährlich zu Ende gespielte Konter. Und was war eigentlich mit der von Hummels geforderten Bereitschaft, den letzten Schritt extra zu gehen? Dürftig, die Moral hängt weiter im Entwicklungsstatus fest. Aber war ja auch nur ein Testspiel.

Der Ärger des Spiels

Den empfand der Bundestrainer in der 57. Minute, als er Ilkay Gündogan einwechselte. Ein kollektives Pfeifen ging durchs Stadion. Löw hob fassungslos die Hand und animierte die Zuschauer, doch besser zu klatschen. Die aber nehmen dem Mittelfeldspieler von Manchester City trotz wiederholtem Bekenntnis zu Deutschland immer noch extrem übel, dass er sich kürzlich mit dem international kritisch beäugten türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan traf und ihm ein Trikot mit persönlicher Widmung (mein Präsident) überreichte. Der ebenfalls an der Aktion beteiligte Mesut Özil fehlte übrigens verletzt, schlich aber später erneut wortlos durch die Katakomben der BayArena.

Der Tweet zum Spiel

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Quelle: ntv.de