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Russlands WM-Maskottchen Sabiwaka hats schon drauf mit dem Metrokorso.
Russlands WM-Maskottchen Sabiwaka hats schon drauf mit dem Metrokorso.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Donnerstag, 14. Juni 2018

WM-Countdown (0): Zum Schluss ein ordentlicher Metrokorso!

Von Katrin Scheib, Moskau

Da ist sie nun, die Stunde null. Was hat sich getan in diesen 100 Countdown-Tagen? Wie anders fühlt sich Moskau inzwischen an und wie anders Russland? Reden wir darüber noch schnell, kurz vor dem WM-Beginn.

Hundert Tage WM-Countdown, wie komme ich da jetzt raus aus der Nummer? Zum Schluss eine grandiose Prognose, wer Weltmeister wird und warum? Eine finale, kluge Russlandanalyse, so scharf wie Wodka hinten im Hals? Oder das Ende gar nicht erwähnen und nur leise vom Platz schleichen?

Hat stolze 100 Folgen WM-Countdown hinter sich: n-tv.de Kolumnistin Katrin Scheib.
Hat stolze 100 Folgen WM-Countdown hinter sich: n-tv.de Kolumnistin Katrin Scheib.(Foto: Pascal Dumont)

Versuchen wir es mit einem Fazit. Was hat sich verändert in Russland in diesen hundert Tagen seit der ersten Kolumne, damals im März? Und was ist gleich geblieben?

Was gleich blieb: Damals war Putin noch Präsident. Heute ist er wieder Präsident. Im März war es in Moskau grau, kühl und usselig. Bis Anfang dieser Woche war es in Moskau ebenfalls grau, kühl und usselig. Damals sah man im Moskauer Stadtbild niemanden mit WM-Fähnchen oder sonstiger Deko am Auto - auch heute bekommt man so was nicht zu Gesicht. Stanislaw Tschertschessow war damals Trainer der russischen Nationalmannschaft und ist es, trotz des mangelnden Erfolges vor der WM, heute immer noch.

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Witali Mutko hingegen, der war, als dieser kleine Countdown noch große Zahlen hatte, noch WM-Koordinator der russischen Regierung und als Vize-Premierminister für Sport zuständig. Beides hat sich inzwischen erledigt, den WM-Job verlor er ganz - Stichwort systematisches Doping - und als Vize soll er sich statt um den Sport nun um das wenig populäre Thema Bauen und Infrastruktur kümmern. Mutko musste also gleich zweimal seinen Lebenslauf überarbeiten seit März. Manche WM-Stadien waren damals noch nicht fertig und hatten keinen Rasen, heute sind alle Bauarbeiten abgeschlossen. Damals konnte man noch entspannt mit dem Taxi vom Moskauer Flughafen in die Innenstadt fahren. Heute bricht spätabends schon mal die Taxiversorgung zusammen vor lauter ankommenden Fans.

Damals sah man hier noch überall den typisch russischen Gesichtsausdruck, das neutral-ernste "resting russian face". Heute trifft man immer mal wieder jemanden, der eines der extra zur WM eingeführten Lächeltrainings durchlaufen hat. Damals waren die Kollegen in der Redaktion von n-tv.de ein paar Mailadressen in Berlin, heute sind sie plötzlich in Moskau und man kann mit Ihnen ein Bier trinken gehen.

Damals wurde Messi, der möchte, dass du ein Konto bei einer russischen Bank eröffnest, noch nicht von Birkenblättern teilverdeckt. Damals gab es im Supermarkt um die Ecke noch keinerlei Fanartikel, heute kann man dort immerhin so Rentnerhüte im WM-Design kaufen. Damals war es an Moskaus Flughäfen noch erlaubt, auf dem Boden rumzuliegen und ohne Kopfhörer Musik zu hören, das darf man heute nur noch in Wnukowo.

Vor allem aber hatte damals die Moskauer Metro noch keine deutsche Website. Die ist neu, und ganz ehrlich: Die wissen doch was. Die haben garantiert Insiderinfos. Das kann nichts anderes sein als eine Vorbereitung für den Moment, wenn am Abend des 15. Juli die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich den Weltmeistertitel verteidigt hat. Und dann aber: Metrokorso! Laut singend im Waggon, immer wieder im Kreis ums Moskauer Stadtzentrum herum. Wozu, wenn nicht dazu, wurde die Ringbahn gebaut!

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de