Fußball

WM-Countdown (46) Moskaus Flughäfen verbieten das Rumliegen

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Geschlafen werden darf an Moskaus Flughäfen künftig nur noch im Stehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kleiner Service für deutsche WM-Reisende: An drei von vier Moskauer Flughäfen gelten ab sofort neue Verhaltensregeln. Wer beim Reisen schnell erschöpft ist, entscheidet sich darum wohl besser für den vierten.

Die meisten Moskau-Reisenden werden diesen Sommer wohl mit dem Flieger kommen - die Bahnverbindung hat zwar Abenteuerwert, aber man will ja nicht schon komplett erschöpft und zerknittert ankommen. Was ein gutes Stichwort ist, denn heute geht es mal um adäquates Aussehen und Verhalten an den Moskauer Flughäfen.

Für Scheremetjewo (SVO), Domodjedowo (DME) und Schukowski (ZIE) hat der Stadtrat gerade neue Regeln festgelegt, irgendwo zwischen Straßenverkehrsordnung und Airport-Knigge. An diese Vorgaben müssen sich natürlich auch deutsche Fußballfans halten, die im Sommer zur Weltmeisterschaft fliegen. Hier also eine Liste der wichtigsten Dinge, die ab sofort verboten sind:

  • Musik, Radio, Podcasts oder sonstiges anzuhören, ohne dabei Kopfhörer zu benutzen. Eine großartige Regel, wie jeder weiß, der beim Boarding schon mal neben einem Kind saß, das von seinen Eltern mit einem iPad und unbegrenzten Folgen "Mascha und der Bär" ruhiggestellt wurde, ohne dabei auch an Kopfhörer zu denken.
  • Aus kommerziellen Gründen Fotos oder Videos machen. Private Schnappschüsse sind erlaubt - Hashtag #travelgram -, professionelle aber nicht. Was das nun für den durchschnittlichen russischen Influencer heißt, der auch am Flughafen an seiner Internetpräsenz arbeitet? Schwer zu sagen.
  • Schmutzige oder unangenehm riechende Kleidung zu tragen. Sehr gute Regel, vor allem der zweite Teil. Können wir das aufs Flugzeug ausweiten? Gerne auch direkt mit Schuhausziehverbot? Und kann "unangenehm riechend" bitte auch "komplett überparfümiert" heißen?
  • Gepäckwagen nicht für Gepäck zu verwenden, sondern um damit quengelige Kinder, erschöpfte Ömchen oder andere Mitreisende zu transportieren. Ob sich das umschiffen lässt, wenn man erst den Koffer aufs Wägelchen packt und dann Kind oder Ömchen oben drauf?
Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Klingt alles vernünftig und plausibel so weit? Aber auch nur, weil die Liste noch nicht vollständig ist. Darum die entscheidende Passage aus dem letzten Absatz hier im Wortlaut:

"(Verboten ist), sich in einer liegenden Position aufzuhalten auf Sesseln, Bänken, Sitzen, dem Boden, Treppenstufen und Treppenabsätzen, ebenso wie auf dem Boden, auf Treppenstufen und Treppenabsätzen zu sitzen (...)"

Ja, richtig gelesen. Wer erschöpft ist nach einem dreimal verschobenen Flug, müde nach einem langen Tag oder einfach nicht so lange stehen kann, darf sich in Zukunft nicht mehr als Notlösung auf den Boden setzen. Und egal, wie wenige Leute gerade am Gate warten: Auch das langgestreckte Nickerchen quer über drei Sitze ist ab sofort verboten. Wem das hilft, und ob gesunder Menschenverstand ("Entschuldigung, Sie sitzen hier im Weg" - "Entschuldigung, aber kann ich mich da hinsetzen?") nicht die bessere Lösung wäre - Fragen, die sich Moskaus Stadtrat wohl nicht gestellt hat. Dabei sollte doch klar sein, dass, wer sich an einem belebten öffentlichen Ort wie einem Flughafen auf den Boden setzt, das nicht tut, weil er so gerne den Dreck von Tausenden von Schuhen am Hintern hat. Sondern weil nichts anderes mehr frei war, es sei denn, man erkauft sich ein Sitzrecht in einem der Cafés.

Zwei Dinge machen allerdings Hoffnung: Zum einen ist die Strafe, wenn man beim Powernap auf einer Flughafenbank oder beim Sitzen auf einer Treppenstufe erwischt wird, sehr niedrig - maximal 500 Rubel, das sind keine sieben Euro. Zum anderen gelten die Regeln nur für drei von vier Moskauer Flughäfen. Wer seine Wartezeit am Gate oder beim Transfer also ein bisschen humaner gestalten möchte: Flüge nach Wnukowo, zu Moskaus viertem Flughafen, gibt es von Berlin, München und Köln-Bonn.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de