Nur ein deutscher LichtblickJungwirth verliert Legenden-Duell in letzter Sekunde

Zum ersten Mal zieht es Oktagon nach Polen. In der Hafenstadt Stettin sehen die deutschen Kämpfer durch die Bank kaum Land. Der mit großer Spannung erwartete Hauptkampf des Abends entscheidet sich dabei erst in der letzten Runde.
Mit der Premiere in Polen will der MMA-Veranstalter Oktagon einen neuen Markt erobern. Auch ein Quartett aus Deutschland, das sich den Lokalmatadoren in Stettin stellt, soll dabei helfen. Der Abend endet aus deutscher Sicht enttäuschend - mit einem Lichtblick. (Die Highlights hier auf RTL+)
Im Hauptkampf des Abends trafen zwei echte MMA-Legenden aufeinander - allerdings unter einem anderen Regelwerk. Der Stuttgarter Christian Jungwirth wollte sich mit Michal Materla aus Stettin messen. Bei dem Duell galten bis dato einzigartige Regeln: "Stand & Bang" bedeutet im Grunde genommen Boxen mit kleinen MMA-Handschuhen, Ellbogen und Clinch am Zaun sind erlaubt. Aber die in MMA typischen Takedowns und Tritte sind verboten, geht ein Mann zu Boden, bekommt er wie im Boxen Zeit, wieder aufzustehen.
Was ein Spektakel versprach, endete allerdings in einem taktischen Boxkampf. Jungwirth tänzelte, Materla lauerte. Ellbogen und Clinch gab es nicht im Kampf der beiden Veteranen. Die bessere Kondition hatte der Deutsche, aber auch Materla zeigte seine Klasse. Nach vier von fünf Runden stand es unentschieden auf den Punktzetteln. Runde fünf sollte den Kampf entscheiden.
30 Sekunden vor Schluss packte Materla den Hammer aus und schickte Jungwirth mit einer rechten Geraden zu Boden. Bis neun zählte der Referee, ehe Jungwirth signalisierte, dass es weitergeht. Die finalen Sekunden konnte der Deutsche aber keine Akzente mehr setzen und somit war Materla der Sieger.
Poppeck zementiert Status
Für Alexander Poppeck sollte Tomasz Narkun die schwerste Prüfung seiner Karriere werden. Der bayerische Hühne mit dem Spitznamen "Ironside" startete stark gegen den polnischen Veteranen. In der ersten Runde konterte er Narkun ein ums andere Mal aus, landete gute Kombinationen und Treffer zum Bein.
In Runde zwei legte Narkun dann zu, war aktiver und machte Druck auf Poppeck. Er trieb den Deutschen vor sich her und setzte Nadelstiche, wich Poppecks Attacken dazu vermehrt aus. So sicherte sich der Pole die Runde bei den Punktrichtern. In der dritten Runde war "Ironside" aber wieder da. Mehrere Tritte zum vorderen Bein brachten Narkun aus dem Rhythmus. Der Pole wurde bei seinen Vorstößen immer wieder abgefangen. Mit einer rechten Geraden schickte Poppeck seinen Gegner sogar zwischenzeitlich zu Boden. Wissend, dass Narkun ein ausgezeichneter Bodenkämpfer ist, ließ er den Polen wieder aufstehen. Die Runde und damit auch den Kampf entschied Poppeck für sich.
Zoran Solaja aus Düsseldorf hatte mit Kacper Fratczak ebenfalls einen Mann aus Stettin vor den Fäusten. Zwei Runden lang dominierte das deutsche Mittelgewicht den Polen. Solaja streute immer wieder am Rundenende einen Takedown ein und brachte so die Punktrichter auf seine Seite. In der dritten Runde traf dann ein wilder Schwinger des Polen genau ins Schwarze. Solaja wackelte kräftig, fing aber an, mitzuschwingen. Fratczak war fortan der Kämpfer mit dem besseren Auge. Drei bis vier weitere saubere Schläge reichten aber zunächst nicht, um den Deutschen auszuknocken. Erst eine Schlagsalve veranlasste den Referee dazwischenzugehen und den Kampf zugunsten des Polen zu beenden.
Feucht-Rückkehr enttäuschend
Nach sechs Jahren Pause kehrte Timo Feucht auf die große MMA-Bühne zurück. Der Leipziger hatte mit Michal Piwowarski allerdings einen schweren Brocken als Gegner - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die beiden Schwergewichte trennten einige Kilo und das machte sich auch bemerkbar. Der am Boden versierte Pole rang Feucht in den ersten beiden Runden mehrere Male nieder. Nachdem sich der Deutsche nach dem ersten Mal noch aufrichten konnte, waren die folgenden Versuche Piwowarskis erfolgreicher.
In der zweiten Runde konnte Feucht dem Druck in der Unterlage nicht mehr standhalten. Nach einer Salve an Ellbogenstößen, die zwar alle in die Deckung gingen, durch den Polen ging der Referee dazwischen. Sieg für Piwowarski durch technischen Knockout.