Mega-Überraschung bei UFC 328Strickland stürzt "Bluthund" Chimaev im Hassgipfel

Herkunft, Religion, Kindheitstrauma - im Vorfeld zu UFC 328 arbeiten sich die Hauptkämpfer unschön an der Vita des anderen ab. Bei der Pressekonferenz wird es sogar körperlich zwischen Chimaev und Strickland. Das Hassduell liefert dann sportlich aber voll ab.
Die MMA-Veranstaltung UFC 328 in Newark endet mit einer dicken Überraschung. Im Hauptkampf um den Titel im Mittelgewicht fand der Hassgipfel zwischen Champion Khamzat Chimaev und Sean Strickland zunächst einen überraschenden Verlauf und dann ein von vielen Experten nicht erwartetes Ende. Während der Vorlauf zwischen beiden Kontrahenten emotional und von Ausfälligkeiten geprägt war, zeigten die Kämpfer dann ein eher taktisch geprägtes Duell.
Der Exil-Tschetschene, der mittlerweile unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate aufläuft, und der Amerikaner hatten sich im Vorfeld verbal nach allen Regeln der Kunst bearbeitet und beleidigt. Die Beziehung zwischen Chimaev und dem Regionaldiktator Ramsan Kadyrow wurde ebenso regelmäßig thematisiert wie Stricklands schwere Kindheit, inklusive Misshandlung durch dessen Vater. Beim ersten Aufeinandertreffen eskalierte dann die Gegenüberstellung. Umgeben von Polizisten wurden die Kontrahenten auf einen Meter aneinander herangelassen - was Chimaev nutzte, um Strickland einen Tritt in den Unterleib zu verpassen.
Überraschenderweise gab es vor Beginn des Kampfes dann doch noch ein sportliches Abklatschen. Nach 15 Sekunden setzte der bislang unbesiegte Chimaev bereits zum Takedown an und brachte den Herausforderer zu Boden. Strickland musste sich bis zum Rundenende gegen angesetzte Aufgabegriffe verteidigen und konnte sich nicht wieder aufrichten. Lediglich mit kurzen Schlägen konnte er den Champion nerven. Wie ein Bluthund hatte Chimaev bislang in allen seinen 15 Profikämpfen seine Gegner gejagt, niedergerungen und dominant besiegt. Gegen Strickland bekam er ungewohnten Widerstand.
In der zweiten Runde fand Strickland mehr zu seinem Gameplan. Mit dem Jab bearbeitete er Chimaev. Gefolgt von Eins-Zwei-Kombinationen hatte er in den ersten Minuten gute Treffer, die Wirkung hinterließen. Der Amerikaner konnte auch die Takedownversuche verteidigen und landete am Boden selbst in der Oberlage. Chimaev wirkte gegen Rundenende sichtlich erschöpft. In Runde drei blieben beide Kontrahenten komplett im Stand - ein gefundenes Fressen für Strickland. Der 35-Jährige kassierte zwar Treffer durch Chimaev, Frequenz und angerichteter Schaden waren beim Amerikaner aber deutlich höher.
In der vierten Runde blieb Chimaev im Vorwärtsgang und versuchte im Striking mit Strickland mitzuhalten. Das gelang auch. Der Champion fand die zweite Luft und bestimmte das Tempo. Strickland hatte erneut viele Jabs, die ihr Ziel fanden, durch einen Takedown kurz vor Ende sicherte sich aber Chimaev die Runde auf den Punktzetteln. Die letzte Runde sollte den Kampf entscheiden und die war denkbar knapp. Strickland landete wieder einige Treffer mehr, verteidigte die Takedownversuche des Champions und rappelte sich über den Clinch wieder auf. Nach 25 Minuten fielen sich beide in die Arme, der Hass war vergessen.
Per geteiltem Punktentscheid wurde Sean Strickland zum Sieger und damit neuen Champion gekürt. Der Amerikaner entschuldigte sich für die Beleidigungen im Vorfeld. Er sei zu weit gegangen. Strickland würdigte Chimaev als "verdammt harten Hund". "Ich habe ihn mit allem bearbeitet, was geht. Er ist immer weiter nach vorne marschiert." Er dankte seinen Fans und sagte, das sei gerade der absolute Traum für ihn.