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Huawei hat ganz schön aufgeholt Ist das Ascend P6 das bessere iPhone?

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Ist das Ascend P6 dem iPhone nur ähnlich oder sogar überlegen?

(Foto: kwe)

Das Huawei Ascend P6 sieht dem iPhone 5 ziemlich ähnlich und ist auch ebenso hochwertig verarbeitet wie Apples Smartphone. Ist das chinesische Modell nur ein Nachahmer oder vielleicht sogar das bessere iPhone?

Als Huawei das Ascend P6 in London vorstellte, machte Unternehmenschef Richard Yu gar keinen Hehl daraus, dass man sich am Design des iPhone orientiert hat. Dies zu leugnen hätte auch keinen Sinn ergeben, denn die Ähnlichkeit zwischen den Geräten ist einfach zu groß. Das Ascend P6 ist aber kein Plagiat, dazu sind die Unterschiede deutlich genug.

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Das Ascend P6 ist viel länger als das iPhone 5.

(Foto: kwe)

Zunächst ist das Ascend P6 mit 6,18 Millimeter flacher als das iPhone 5. Huawei nennt es "rekordverdächtig dünn". Allerdings scheint der Unterschied zum 7,6 Millimeter flachen iPhone nicht ganz so groß zu sein, wenn man die beiden Smartphones Seite an Seite auf den T isch legt. Trotzdem wirkt das Ascend P6 im Vergleich zum iPhone 5 extrem platt, da es wesentlich größer, vor allem länger ist. Mit 120 Gramm ist das Gerät zudem für ein 4,7-Zoll-Smartphone sehr leicht.

Die untere Kante des Huawei-Smartphones ist rund gebogen, wodurch sich das Gerät aber nicht besser in der Hand halten lässt als das iPhone. Im Gegenteil: Da die Rundung im Rahmen des P6 fehlt, bohrt sich eine scharfe Kante unangenehm in die Hand, wenn man das Gerät mit dem Daumen bedient.

Wohin mit dem Stift?

Außerdem hat das Ascend P6 keinen physischen Home-Button unterm Display und keine Stereo-Lautsprecher im Rahmen. Wie ein reinrassiger Androide besitzt das chinesische Smartphone drei Sensor-Tasten unter dem Bildschirm, der einzige Lautsprecher sitzt auf der Rückseite. Das iPhone hat unten einen Lightning-Connector, das P6 oben einen Micro-USB-Anschluss. Und, was es im iPhone niemals geben würde: Das Android-Smartphone hat neben dem SIM-Karten-Einschub auch einen Platz für microSD-Karten.

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Hübsches, aber unpraktisches Detail: Der Karten-Ausschieber steckt in der Kopfhörerbuchse.

(Foto: kwe)

Interessant, aber nicht praktisch ist die Lösung, die sich Huawei für die Kopfhörerbuchse ausgedacht hat: Sie verbirgt sich unter dem runden Metallknopf im Rahmen links unten, der abgezogen als Auswerfer für die Karten-Einschübe dient. Schlau wäre gewesen, könnte man den Stift auf der anderen Seite einstecken, wenn man Musik hört. So ab er muss man das kleine Ding irgendwo sicher verstauen, wenn man es nicht verlieren möchte.

Etwas Plastik schadet nicht

Im Gegensatz zum iPhone, das außen nur aus Glas und Metall besteht, setzt Huawei beim Ascend P6 an den Kanten auch Plastik ein. Das schützt das P6 vor ähnlichen Abnutzungserscheinungen wie beim iPhone 5, das leicht Farbe verliert. Die Rückseite des weißen Testgeräts fühlt sich zwar wie mattes Plastik an, ist aber tatsächlich beschichtetes Aluminium. Insgesamt macht das Ascend P6 bei Material und Verarbeitung einen hervorragenden Eindruck.

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Die Rückseite sieht zwar wie Plastik aus, ist aber wie der Rahmen aus Aluminium.

(Foto: kwe)

Der Bildschirm des Huawei ist 4,7 Zoll groß, bietet aber mit 1280 x 720 Pixeln keine Full-HD-Auflösung. Doch was hat das schon zu bedeuten? Sehr wenig, denn bei der relevanteren Pixeldichte liegt das P6 mit 312 ppi fast gleichauf mit dem vier Zoll großen iPhone-Bildschirm, der 326 ppi bietet. Soll heißen: Man kann mit bloßem Auge so nah rangehen, wie man möchte, man sieht keine einzelnen Pixel.

Insgesamt ist das Huawei-LCD ausgezeichnet. Es stellt Farben natürlich dar und ist auch von der Seite betrachtet sehr gut lesbar. Es kann sehr hell leuchten, auch im direkten Sonnenlicht kann man auf ihm noch Texte lesen und Huawei hat die automatische Helligkeitsregelung prima eingestellt. Die Kontraste sind gut und wer etwas an der Farbtemperatur auszusetzen hat, kann sie beim P6 ändern. Der Touchscreen reagiert prompt und exakt, seine Beschichtung wirkt angenehm glatt.

Speicher könnte knapp werden

Huawei hat dem Smartphone einen hauseigenen Prozessor eingebaut, dessen vier Kerne mit 1,5 Gigahertz getaktet sind. Zusammen mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher hat es im Test keine Aufgabe gegeben, der das Gerät nicht gewachsen war. Für grafisch aufwendige Spiele ist das Smartphone allerdings nicht ausgelegt.

Leider hat sich Huawei beim internen Speicher nicht so großzügig gezeigt. Acht Gigabyte sind sehr knapp bemessen, auch wenn man microSD-Karten einschieben kann. Denn auf der externen Karte finden zwar Fotos, Videos und MP3-Dateien problemlos Platz. Aber nicht jede App lässt sich aus dem Hauptspeicher einfach abschieben.

Die wichtigsten Spezifikationen

  • Prozessor: Hi-SiliconK3V2, vier Kerne, 1,5 Gigahertz
  • Display: 4,7 Zoll, IPS+, 1280 x 720 Pixel
  • Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: acht Gigabyte, erweiterbar
  • Akku: 2000 Milliamperestunden
  • Kameras: acht Megapixel hinten, fünf Megapixel vorne
  • Betriebssystem: Android 4.2.2
  • Maße: 132,6 x 65,5 x 6,18 Millimeter
  • Gewicht: 120 Gramm

Weniger problematisch ist, dass Huawei sich NFC und LTE gespart hat. Denn die wenigsten Smartphone-Besitzer nutzen diese Techniken bisher tatsächlich beziehungsweise haben die Möglichkeit, sie zu nut zen. Für ausgesprochene Technik-Fans ist das Ascend P6 aber sowieso nicht gemacht. Es richtet sich offensichtlich an Otto-Normal-Nutzer, die ein schickes, top verarbeitetes Handy haben möchten, das zwar nicht zu Höchstleistungen fähig ist, aber den Alltag problemlos bewältigt. Dazu passt auch der Akku des P6, der zwar kein Schwächling ist, aber bei relativ intensiver Nutzung nicht immer einen Tag durchhält. Dafür klingt der Lautsprecher auf der Rückseite für so ein schmales Gerät ziemlich gut und beim Telefonieren gehört das Ascend P6 sogar zur akustischen Oberklasse.

Gute Kamera-Ausstattung

Die Acht-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist gehobene Mittelklasse. Sie ist schnell betriebsbereit, löst umgehend aus und macht gute Fotos - sogar bei Gegenlicht. Lediglich die Kontraste könnten etwas schärfer sein, aber im Gegensatz zu vorangegangenen Huawei-Kameras gibt es keinen wirklich großen Kritikpunkt. Die App bietet einige Filter, HDR- und Panorama-Modus und eine Beautyshot-Funktion. Die meisten Nutzer sind aber mit der "intelligenten" Automatik gut bedient.

Auch die Videoaufnahmen des Huawei P6 sind mehr als passabel. Hier gefällt vor allem die automatische Fokussierung auf bewegte Objekte (Objektverfolgung). Und wer gerne Videochats führt oder Selbstporträts macht, wird die Frontkamera zu schätzen wissen, die eine Auflösung von fünf Megapixeln bietet.

Alle Apps auf einer Ebene

Auch bei seiner Benutzeroberfläche "Emotion UI" hat Huawei ein wenig bei Apple abgeguckt. Denn wie die iOS-Geräte hat auch das P6 keinen sogenannten App Drawer. Das heißt, die gesammelten Apps befinden sich nicht wie bei Android üblich in einem Unterordner, sondern sind über alle Homescreens verteilt. Schlecht: Die Apps orden sich nicht automatisch neu an, wenn man eine Anwendung verschiebt, sondern es bilden sich hässliche Lücken.

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Der Berechtigungsmanager hilft beim Datenschutz, für die individuelle Gestaltung stehen viele unterschiedliche Designs zur Verfügung.

(Foto: kwe)

Dafür können Ascend-P6-Nutzer die Oberfläche durch verschiedene Designs ändern, von denen fünf auf dem Gerät zur Auswahl stehen, aber im Internet noch viele Dutzend weitere zum Download angeboten werden. Hat man sich für ein Thema entschieden, kann man dort in den Einstellungen weitere Anpassungen vornehmen. Wer nichts davon möchte und auf einen App Drawer besteht, kann alternative Launcher installieren.

Sehr lobenswert ist, dass Huawei einen eigenen Berechtigungsmanager installiert hat, der Nutzer über alle App-Anforderungen informiert. Auch die weiteren Huawei-eigenen Werkzeuge und Einstellungen sind praktisch und vereinfachen möglichen Einsteigern und iPhone-Umsteigern die Bedienung und Einrichtung des Smartphones.

Und, ist das Ascend P6 das bessere iPhone? Nein, dazu fehlt dem Gerät trotz ähnlichem Design und angepasster Oberfläche das typische "Look and Feel" der Apple-Geräte. Es könnte aber mit einem Preis von derzeit rund 370 Euro für Android-Nutzer oder –Einsteiger interessant sein, die ein hochwertig verarbeitetes Gerät suchen, das optisch aus dem Smartphone-Einerlei hervorsticht. Ein Highend-Smartphone  ist das Ascend P6 zwar nicht, aber ein Handy der gehobenen Mittelklasse, das unter anderem dem HTC One Mini Konkurrenz machen könnte.

Quelle: ntv.de