Technik

Analysten machen Dampf Nokia vor Allianz mit Microsoft

Analysten heizen die Spekulationen an, wonach Nokia eine Allianz mit Microsoft eingehen wird. Für sie ist klar, dass Nokia Symbian und Meego über Bord werfen muss, um mit Windows Phone 7 den Smartphone-Wettkampf fortzusetzen. Konzernchef Stephen Elop scheint dafür auch einige seiner Manager opfern zu wollen.

Nach einem Magazinbericht soll der Vorstand des weltgrößten Handyherstellers Nokia auf mehreren Positionen neu besetzt werden.

Bei Nokia stehen große Veränderungen bevor.

Dass ein grundsätzlicher Strategiewechsel unumgänglich ist, hat Nokia-Chef Stephen Elop bereits angekündigt. Mit dem hauseigenen Betriebssystem Symbian ist im Smartphone-Geschäft offensichtlich kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Nokias Marktanteil am weltweiten Smartphone-Geschäft sackte innerhalb eines Jahres von 40 auf 31 Prozent ab und der Gewinn brach um 21 Prozent ein.

Der geplante Umstieg auf Meego wird daran wohl nichts ändern können. Adnaan Ahmad, Analyst der Hamburger Bank Berenberg hält das Betriebssystem für "den größten Witz in der Technik-Industrie." Ahmad hat in der Financial Times einen offenen Brief an Nokia veröffentlicht, in dem er eine Allianz mit Microsoft fordert. Durch einen Umstieg auf Windows Phone 7 könne sich das finnische Unternehmen im Smartphone-Rennen neu positionieren und unter anderem sein erfolgloses US-Geschäft beleben, schreibt er. Es sei dann auch möglich, Nokias "aufgeblasene Entwicklungsabteilung" um mindestens 30 Prozent zu schrumpfen.

Auch Microsoft könnte profitieren

Gartner-Analystin Carolina Milanesi gibt ihrem Kollegen im Prinzip recht. "Ich weiß nicht, ob dies nur Wunschdenken ist", sagte sie der "New York Times". "Aber es könnte durchaus die große Ankündigung sein, die wir erwarten."

Nokia-Chef Stephen Elop: «Es ist Zeit, dass Nokia sich schneller umstellt.»

Was plant Nokia-Chef Stephen Elop?

Pete Cunningham von Canalys sieht in einer Allianz auch große Vorteile für Microsoft. Denn obwohl Windows Phone 7 gute Kritiken erhält, hat das mobile Betriebssystem bisher nur rund drei Prozent Marktanteil erobern können. Nokia, das im Jahr 2010 immerhin 450 Millionen Handys verkauft hat, könnte laut Cunningham ein mächtiger Multiplikator für Windows Phone 7 sein. Für Nokia sieht auch er vor allem die Chance, mit Microsoft den Durchbruch in den USA zu schaffen.

Gestützt werden die Spekulationen durch die Tatsache, dass Elop vor seinem Wechsel an die Nokia-Spitze ein hoher Microsoft-Manager war

Managern droht Rauswurf

Was genau Elop vorhat, kommt spätestens am 11. Februar ans Tageslicht, wenn er in London die neue Konzernstrategie bekanntgeben möchte. Möglicherweise gehört dazu auch ein radikaler Umbau der Konzernspitze. Wie die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, soll der Vorstand des weltgrößten Handyherstellers auf mehreren Positionen neu besetzt werden.

Etwa der Hälfte der noch amtierenden Vorstände, in der Mehrzahl Finnen und Gefolgsleute der Elop-Vorgänger Jorma Ollila und Olli-Pekka Kallasvuo, drohe der Rauswurf. Elop hatte erst kürzlich eine schwache Bilanz für das vierte Quartal 2010 vorgelegt.

Zur Disposition stünden zum Beispiel der amtierende Nokia-Chefentwickler Kai Öistämö sowie Tero Ojanperä, derzeit für die Bereiche Services und Mobile Lösungen verantwortlich. Auch müssten die heutige Handy-Chefin Mary MacDowell sowie Produktions- und Logistikchef Niklas Savander mit einer Kündigung rechnen. Laut "Wirtschaftswoche" sind Headhunter derzeit in aller Welt unterwegs, um international erfahrene Top-Leute anzuwerben.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa