"Allianz Wasserstraße"Binnenschifffahrt schlägt Alarm: Marode Wasserwege gefährden Deutschlands Industrie

Große Unternehmen der Binnenschifffahrt haben sich als Reaktion auf Infrastrukturprobleme und längere Niedrigwasserphasen zusammengeschlossen.
Die "Allianz Wasserstraße" wolle den Ausbau der Infrastruktur und die Modernisierung der Flotte vorantreiben, teilten die beteiligten Unternehmen am Mittwoch mit. "Ohne Binnenschifffahrt ist die deutsche Industrie nicht arbeitsfähig", erklärten die Chefs von HGK, duisport, Rhenus Port Logistics und Viking River Cruises. "Die Infrastruktur der wichtigen Wasserwege in Deutschland muss jetzt rasch modernisiert werden, damit Unternehmen weiterhin verlässlich beliefert werden können und der Tourismus nicht einbricht."
Die Binnenschifffahrt verbindet die Seehäfen mit den Industriezentren an Rhein, Ruhr, Main, Neckar und Mosel. 2025 transportierte sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mehr als 171 Millionen Tonnen Güter: Erz und Kohle für die Stahlwerke, Mineralöl für die Raffinerien, Rohstoffe für die Chemie sowie Baustoffe und Agrargüter.
"Die Wasserwege wurden jahrelang vernachlässigt. Die Bundesregierung steuert jetzt richtigerweise um und will investieren", sagte der Chef der Duisburger Hafen AG (duisport), Markus Bangen. Für das kommende Jahr seien mehr als zwei Milliarden Euro für Unterhalt und Ausbau vorgesehen. Dieses Budget müsse rasch in Ergebnisse umgesetzt werden.
Die Allianz ist besorgt über das Alter der Wasserstraßen-Infrastruktur. Ein Großteil der Schleusen und Wehre sei so marode, dass sie die Binnenschifffahrt massiv beeinträchtigen. Das Bündnis schlägt unter anderem vor, Wasserwege mit Häfen, Schleusen und Wehren in zusammenhängenden Clustern zu planen und instand zu setzen. Zudem solle der Wirtschaftskraft Vorrang eingeräumt werden: Mehr als 80 Prozent des Binnenhafen-Umschlags entfielen auf den Rhein und das westdeutsche Kanalnetz. Die Allianz empfiehlt, dass die Mittel aus dem Sondervermögen vor allem dort investiert werden. "Wenn der Rhein nicht schiffbar ist, droht ein Industriekollaps in Deutschland", sagte der Chef des Logistikunternehmens HGK AG, Steffen Bauer.
Die Allianz erwartet, dass Niedrigwasserphasen häufiger auftreten und länger anhalten werden. Zugleich steige die Hochwassergefahr im Winter. Das Bündnis sieht für Deutschland den Bedarf von 250 bis 300 neuen Schiffen, die für Niedrigwasser ausgelegt sind. Gefordert wird daher ein Flottenerneuerungsprogramm für die Binnenschifffahrt.