300.000 Beschäftigte beteiligtErster großer Streik von Beamten in Irland seit 2009

Der erste große Streik von Staatsdienern seit der Finanzkrise 2009 hat das öffentliche Leben in Irland am heutigen Mittwoch beeinträchtigt.
Rund 300.000 Beschäftigte beteiligten sich an dem Ausstand, mit dem höhere Löhne durchgesetzt werden sollen. Lehrer, Krankenhausmitarbeiter und Behördenmitarbeiter nahmen an der Aktion teil. Sie bildeten Streikposten unter anderem vor dem Parlament in Dublin.
Grund ist ein monatelanger, festgefahrener Streit mit der Regierung über die neuen Tarifverhandlungen. "Am Ende des Tages ist nur sehr wenig Geld übrig", sagte die Krankenschwester Michelle, die vor einem Krankenhaus in Dublin protestierte. Die schwangere Mutter eines Kindes erklärte, sie und ihr Mann müssten wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten entscheiden, welche Rechnungen sie bezahlen und welche sie aufschieben. "Das ist für uns einfach nicht mehr tragbar."
Der Streik führte zu erheblichen Störungen, obwohl wesentliche Dienste wie Notaufnahmen in Krankenhäusern aufrechterhalten wurden. Feuerwehr und Rettungsdienste arbeiteten mit reduziertem Personal, während der öffentliche Nahverkehr normal funktionierte. Krankenhäuser warnten jedoch vor "erheblichen und weitreichenden" Beeinträchtigungen und sagten Tausende von Eingriffen ab.
Die Gewerkschaften fordern, dass die Löhne stärker als die Inflation steigen müssen. Die Regierung lehnte dies jedoch bislang ab. Die Gewerkschaftsführer zeigten sich zudem verärgert darüber, dass die Regierung im April nach Blockaden von Öllagern Demonstranten gegen hohe Spritpreise entgegengekommen war. Während Irlands Wirtschaft und Staatsfinanzen zu den stärksten in Europa zählen, haben die hohen Preise viele der Lohnzuwächse der vergangenen Jahre aufgezehrt.
Nun gibt es erste Anzeichen für eine Annäherung. Der Gewerkschaftsführer Kevin Callinan sprach von "einigen Gründen für Optimismus", nachdem die Regierung signalisiert hatte, dass die Lohnfrage diskutiert werden könne. Ministerpräsident Micheal Martin begrüßte den "Ton und die Haltung" der Gewerkschaftsführer. Sollte keine Einigung erzielt werden, ist für den 21. Oktober ein weiterer Streiktag geplant.