Berufungsprozess in LondonEx-Deutsche-Bank-Händler Bittar wurde freigesprochen

Der ehemalige Händler-Star Christian Bittar von der Deutschen Bank ist in einem Berufungsprozess in London vom Vorwurf der Zinsmanipulation freigesprochen worden.
Das Berufungsgericht hob am Freitag den Schuldspruch gegen den Franzosen wegen Verfahrensfehlern auf. Er war 2018 zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Ihm war vorgeworfen worden, zusammen mit anderen Händlern von 2005 bis 2009 den Interbanken-Zinssatz Euribor zum eigenen Vorteil manipuliert haben. Bittar hatte sich in dem Verfahren schuldig bekannt. Am Mittwoch waren bereits fünf Händler der britischen Bank Barclays in Berufungsverfahren aus den gleichen Gründen freigesprochen worden - sie hatten allerdings keine Geständnisse abgelegt.
"Ich habe sehr, sehr lange auf diesen Tag gewartet", erklärte Bittar in einer Stellungnahme. "Letztlich ist anerkannt worden, dass mir und anderen Ungerechtigkeit widerfahren ist." Er sei allen dankbar, die ihm während der "Tortur" beigestanden und an der Korrektur des Urteils gearbeitet hätten. Das Urteil ist eine weitere Niederlage für das Serious Fraud Office (SFO), das in Großbritannien für die Verfolgung komplizierter Wirtschaftsdelikte spezialisiert ist. SFO-Abteilungsleiter Jason Williams sagte, man habe für eine andere Entscheidung plädiert, respektiere aber die Entscheidung des Gerichts. Das SFO werde weiterhin gegen komplexe Betrügereien, Bestechung und Korruption kämpfen.
Die Strafverfolger hatten die Derivatehändler als Symbol für die Gier von Bankern gebrandmarkt, die zur Finanzkrise 2007/08 geführt habe. Bittar war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Zwei Jahre später wurde er wegen der Manipulationsvorwürfe entlassen. Bittar hatte für die Bank hunderte von Millionen verdient, bis zu elf Prozent davon gingen auf sein Konto. Sein Anwalt Adrian Darbishire sagte, das Geständnis seines Mandanten beruhe auf Rechtsfehlern. Denn die Strafverfolger hätten nie einen Beweis dafür erbringen müssen, dass Bittar bewusst falsche oder irreführende Euribor-Kurse gestellt habe.
Die SFO hatte nach einer Untersuchung 2012 insgesamt 20 Händler und Banker angeklagt. Acht Verurteilungen sind nun seit dem vergangenen Jahr gekippt worden. Damals hatte der Oberste Gerichtshof in London entschieden, dass es beim ersten dieser Prozesse, bei denen es um das einstige Londoner Euribor-Pendant Libor gegangen war, zu Rechtsfehlern gekommen sei. Dabei ging es um die Art und Weise, wie die Richter die Geschworenen gelenkt hatten. Am Mittwoch hatte das Berufungsgericht entschieden, dass das auch für die späteren Prozess gelte, bei denen unter anderem Bittar vor Gericht gestanden hatte.